Trotz Schulden wird kräftig investiert

Von: Stephan Mohne
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Auch die Stadt steht in den Startlöchern: Der Campus Westbahnhof wirft seine Schatten voraus. Für die Erschließung des Gebietes - unter anderem die Straßen und Kanäle - stehen im städtischen Haushalt ab 2012 insgesamt 15 Millionen Euro bereit. Grafik: RKW Architektur + Städtebau

Aachen. Beim Blick auf den Schuldenstand wird einem zunächst ziemlich schwindelig: 440 Millionen Euro an Kreditverbindlichkeiten trägt die Stadt auf ihren Schultern. Was aber nicht negativ sein muss, schließlich ist das Geld in die Infrastruktur der Stadt und somit in die Zukunft investiert worden.

Deutlich schwerer wiegt da schon der Stand der „Kassenkredite” - als Normalbürger würde man es Überziehungskredite nennen. Damit werden nämlich laufende Kosten - vom Lohn bis zum neuen Bleistift - bezahlt, weil zu wenig Geld da ist. Um derzeit 250 Millionen Euro hat die Stadt die Konten „überzogen”, nächstes Jahr sollen es schon 300 Millionen sein.

Das ist im Vergleich zu anderen Städten wie Essen oder Oberhausen noch wenig. Was aber auch nicht wirklich tröstet. Denn alleine an Zinsen für diese Kassenkredite muss die Stadt derzeit etwa vier Millionen Euro aufwenden - etwa 20 Millionen Euro Zinsen fallen insgesamt an. Ein Glück nur, dass die Zinssätze derzeit historisch tief stehen, wie auch Kämmerin Annekathrin Grehling sagt.

Doch trotz der Schulden soll es in Aachen keinen Stillstand geben. Alleine 2011 sollen über 61 Millionen Euro investiert werden. Wichtige Projekte werfen überdies in den folgenden Jahren ihre Schatten voraus - und sind im mehrjährigen Investitionsprogramm mit namhaften Beträgen zu finden. Andere Projekte laufen bereits und erfahren ihre Fortsetzung. Beispiele:

Bereits im Umbau ist das „Haus der Integration” am Reichsweg, das jetzt vorerst doch nicht „Nadelfabrik” heißen soll (siehe 1. Lokalseite). 2011 werden dort weitere vier Millionen Euro verbaut. Für die Route Charlemagne sind sieben Millionen Euro eingeplant, in den folgenden Jahren weitere siebenstellige Summen. Zwar wurde der „Leuchtturm” der Euregionale 2008 mittlerweile kräftig abgespeckt, teils werden die Bausteine aber umgesetzt.

So zum Beispiel derzeit mit dem Umbau des Verwaltungsgebäudes Katschhof zum „Centre Charlemagne”. Die Erschließung des alten Belgiercamps Pirotte an der Nordstraße in Brand soll auch endlich losgehen, um dort den Boden für Gewerbeansiedlungen zu bereiten. Für 2011 sind 3,4 Millionen Euro eingeplant. Reihenweise werden städtische Wohnungen, die von der Gewoge verwaltet werden, aufgemöbelt - mit einem Aufwand von über fünf Millionen Euro 2011.

Fortgeführt werden muss das Programm zur Sanierung der teils arg maroden Schulen mit mehreren Millionen Euro. Außerdem werden 2011 und 2012 für je 3,5 Millionen Euro Mensen an Schulen gebaut. Für neue Maßnahmen im Bereich der Offenen Ganztagsschule fallen 1,5 Millionen Euro an. Millioneninvestitionen werden bei der Erweiterung des St.-Leonhard-Gymnasiusm und der Grundschule Kornelimünster eingeplant. Außerdem werden mehrere neue Sporthallen bald gebaut - etwas an der Grundschule Marktstraße in Brand sowie in der Nachbarschaft von St. Leonhard und an der Bergstraße.

Ein dicker Brocken in Sachen Investitionen wird der Campus West. In die Erschließung des ehemaligen Westbahnhof-Geländes pumpt die Stadt insgesamt 15 Millionen Euro. Start für diese Erschließung ist 2012 (eine Million), dann geht es mit jeweils 3,5 Millionen Euro pro Jahr weiter. Interessant in diesem Zusammenhang: Im Haushalt taucht eine kleine Position mit dem Titel „Multifunktionsfläche Krefelder Straße” auf. 50.000 Euro sind da für erste Untersuchungen eingeplant. Dahinter verbirgt sich ein insbesondere von den Grünen gehegter Wunsch, unter anderem dem Bend dorthin zu verlegen. Das aber ist politisch derzeit noch hoch umstritten.

Alsbald starten soll die Erschließung des Geländes „Alter Tivoli” an der Krefelder Straße, wofür insgesamt über drei Millionen Euro investiert werden sollen. Am Ende soll der Verkauf allerdings auch die Kasse klingeln lassen: 9,4 Millionen Euro sind eingeplant.

Auch an städtischen Gebäuden tut sich etwas: Der Umbau des Bürgerservice im Hochhaus am Hauptbahnhof schlägt mit 782.000 Euro zu Buche. Möglicherweise will die Stadt dafür aber am Katschhof umbauten sparen, weil laut Sparplänen dort eine Aufgabe der Servicestelle vorgesehen ist. Mehrere Millionen Euro kosten wird der bald beginnende Ausbau der Feuerwehrhauptwache an der Stolberger Straße. Das Eurogress steht unter dem Titel „Umbau” im Plan mit einer Investitionssumme von rund fünf Millionen Euro - was eigentlich nur die Erweiterung bedeuten kann, da in den Umbau der jetzigen Substanz bereits kräftig investiert worden ist. In die Umgestaltung von Spielplätzen fließen jährlich 250.000 Euro, zudem wird es neue Spielplätze geben - so im Neubaugebiet Breitbenden (290.000 Euro/2011) oder auch am Alten Tivoli (135.000 Euro/2013).

Größere Projekte im Bereich Straßenbau sind die Umgestaltung des Templergrabens (rund 1,5 Millionen Euro/ab 2011) und der Bismarckstraße (1,75 Millionen Euro/ab 2012) sowie des Grauenhofer Wegs (2,2 Millionen Euro/ab 2011). Auch der Umbau des Theaterplatzes - ein Teil der Umfahrung soll Fußgängerzone werden - taucht 2012 erstmals mit einer „Hausnummer” auf. Dasselbe gilt für die „Umgestaltung Friedrich-Wilhelm-Platz”. Der Umbau der Lütticher Straße soll indes erst 2013 starten. Auch Brückensanierungen sind fällig. So 2011 an der Turmstraße (550.000 Euro) sowie ab 2012 an der Burtscheider Brücke mit 1,3 Millionen Euro.
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