Aachen - Trost statt Tabus in der Trauer um Kinder

Trost statt Tabus in der Trauer um Kinder

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
9768598.jpg
Mit der Trauer leben lernen: „Verwaiste“ Eltern zeigen bei der Ausstellung in der Citykirche eine Vielzahl unterschiedlichster Dinge, die an ihre gestorbenen Kinder erinnern. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es ist wohl der schönste Moment für junge Eltern, wenn sie erfahren, dass sie ein Kind erwarten. Umso furchtbarer ist dann die Nachricht, dass etwas nicht stimmt und das Kind keine Chance hat, zur Welt zu kommen. Diesen „Tod am Beginn des Lebens“ thematisiert die gleichnamige Ausstellung in der Citykirche St. Nikolaus.

„Es ist ein Thema, über das keiner gerne spricht“, sagte Petra Schmitz, Vorsitzende des Vereins bei der Vernissage am vergangenen Freitagabend: „Tod und Kinder – das passt nicht zusammen.“ Dabei ist der frühkindliche Tod gar nicht selten. 3500 Kinder werden jährlich in Deutschland „still“ geboren oder sterben innerhalb der ersten sieben Lebenstage. Jede zweite Schwangerschaft endet als frühe Fehlgeburt in den ersten drei Monaten. Die Ausstellung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit der Erlanger Frauen-Universitätsklinik, der Stadt und des Hospizes Erlangen.

Tamme Goecke, Leiter der Abteilung Pränatalmedizin an der Uniklinik Aachen, kannte das Projekt aus seiner Erlanger Zeit und machte den Verein darauf aufmerksam. Aachen ist der erste Ausstellungsort außerhalb Erlangens. 14 Schautafeln nähern sich diesem gesellschaftlichen Tabuthema, klären darüber auf, wie die Begleitung von Familien gelingen kann, die mit dem frühen Tod eines Kindes konfrontiert werden.

Ausstellungsstücke von betroffenen Eltern aus der Region ergänzen die Präsentation und machen sichtbar, welche Spuren die kleinen Menschen in ihrer kurzen Zeit hinterlassen: da ist ein Gipsabdruck eines Füßchens zu sehen, ein Strampelanzug, Kuscheltiere, gemalte Bilder der Geschwisterkinder.

Besonders rühren die Gedanken an, die die Eltern zu ihren Exponaten verfasst haben. Wie wichtig diese Trauerarbeit ist, weiß auch Gerda Plum. Sie gründete 1988 den ersten Gesprächskreis für trauernde Eltern, die früh ein Kind verloren haben. Vor 30 Jahren wurde der frühe Verlust eines Kindes auch vom Klinikpersonal so weit wie möglich weggeschoben, vermeintlich, um die Eltern zu schonen.

Inzwischen hat sich vieles geändert, doch noch immer gibt es Wissenslücken, die geschlossen werden müssen, sagt Gerda Plum. Der Verein bietet wichtige Hilfen für betroffene Frauen an, die gerade eine stille Geburt oder eine Fehlgeburt erlitten haben. „Wir haben die Zeit, die im Klinikalltag fehlt“, sagt Gerda Plum.

Regelmäßig gestaltet der Verein auch Gedenkgottesdienste, bei denen viele betroffene Eltern mithelfen. „Es ist auch ein Stück Trauerbewältigung. Für viele ist das ein heilsamer Prozess“, erzählt Petra Schmitz. Die offene Trauergruppe ist ebenfalls ein Kern der Arbeit des Vereins verwaiste Eltern Aachen. „Hier ist es möglich, auch mal Gefühle auszusprechen, die das Umfeld nicht so gut versteht“, sagt Petra Schmitz.

Rund 80 Mitglieder hat der Verein, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Mit der Ausstellung hofft der Verein, das Tabuthema des frühkindlichen Todes ein Stück zu enttabuisieren und die Achtsamkeit für das Thema bei den Besuchern zu wecken.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert