„Trinat“-Studentenaustausch: Ein Lebenszeichen der Romanistik

Von: Lukas Franzen
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Diese Aachener Studenten reisen nach Russland. Wolf Schmidt (5. v.l. hinten) begleitet sie. Gilbert Gachet (3. v.l. hinten) von der Universität Caen, Ekaterina Kostina, Dekanin der Fremdsprachen-Fakultät Nowosibirsk (2. v.l. Mitte) und die Romanistin Angelica Rieger (3. v.l. Mitte) organisieren den Austausch. Fotos (5): L. Franzen Foto: Franzen

Aachen. Die finanziellen Mittel werden immer geringer, eine Einschreibung für Erstsemester-Studenten ist nicht mehr möglich: So sieht sie aus, die Realität für die Dozenten und Studenten der Sprachen Französisch und Spanisch, seit dem der Fakultätsrat der RWTH im Januar entschied, das Ende des Fachs Romanistik in Aachen einzuleiten. Und doch sendet die Romanistik weiter Lebenszeichen aus.

Mit einem trinationalen Austauschprojekt deutscher, französischer und russischer Studenten, das im Mai in seine dritte Runde geht.

„Obwohl wir angesichts der Kürzungen und dem Aus unseres Faches ja eigentlich nichts mehr machen sollten: Es gibt uns noch, und wir machen es doch“, sagt Romanistik-Professorin Angelica Rieger mit Blick auf den trinationalen Austausch, kurz „Trinat“, gefördert von einem Fonds des Deutsch-Französischen Jugendwerks.

Normen und Werte im Fokus

Die Idee: Jeweils 15 Studenten aus Aachen, dem russischen Nowosibirsk und der französischen Stadt Caen in der Normandie statten sich gegenseitig an ihren Studienorten einen Besuch ab, lernen Kultur und Sprache kennen und diskutieren in Workshops über diverse Themen. Wenn am 24. Mai deutsche und französische Studenten für eine Woche nach Nowosibirsk reisen, werden die Arbeitsgruppen sich schwerpunktmäßig über den Wandel von Normen- und Werten in ihren Ländern austauschen, die sich nach Ansicht Angelica Riegers auf der ganzen Welt veränderten, „jedoch in ganz unterschiedliche Richtungen“. In Aachen, der zweiten Station im Oktober, kreist alles um das Thema „Technik versus Natur“, bevor im Mai 2016 in Frankreich die Oberbegriffe Verständnis und Toleranz in den Fokus rücken.

„Wichtiges Signal“

„Es ist ein wichtiges Signal, dass sich die junge Generation trotz der aktuellen Schwierigkeiten zwischen Russland und westlichen Ländern trifft“, findet Wolf Schmidt, der das „Trinat“-Projekt ehrenamtlich betreut. Gemeinsam mit Fabian Bremke, einem Studenten mit Russlanderfahrung, wird der inzwischen pensionierte Wissenschaftler aus Köln die Aachener Reisegruppe in die knapp 6000 Kilometer entfernte Stadt in Sibirien begleiten. Schmidt war während seines Berufslebens für eine Koordinationsstelle zur Pflege von Auslandsbeziehungen an der Universität Köln tätig und hat Russland schon oft besucht.

Und auch für so manchen „Trinat“-Teilnehmer ist das Land kein weißer Fleck auf der Landkarte, wie sich bei einem Treffen der Gruppe zeigte. Eine Teilnehmerin ist in Russland geboren, andere sind schon einmal für einen Städtetripp dort gewesen und wiederum andere haben Eltern oder Großeltern mit russischen Wurzeln.

Interdisziplinäres Team

Eine Mehrheit gibt als Grund für die Teilnahme am Austauschprogramm aber vor allem Reiselust, Interesse an anderen Kulturen und, natürlich, die Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse an.

So vielseitig die Motivation der Studenten, so unterschiedlich sind auch ihre Studienfächer. Biologen, Ingenieure, Wirtschaftsstudenten, Historiker, Romanisten und angehende Lehrer machen die Reisegruppe zu einem interdisziplinären Team. „Zu verdanken haben wir das den neuen Medien“, sagt Angelica Rieger. „Denn als wir das Projekt bei Facebook beworben haben, haben sich binnen zwei Tagen 160 Interessenten gemeldet.“ Die Spannungen zwischen ihrem Reiseland und dem Westen scheinen dabei kein Hindernis gewesen zu sein – auch nicht für die Initiatoren. „Wir haben es einfach gemacht“, meint Rieger.

Eine Haltung, die die Romanstin auch mit Blick auf den Fortbestand des Projekts einnimmt. Die Zukunft des Austauschs, so Rieger, hänge nicht von der Situation ihres auslaufenden Fachs ab. Entscheidend seien die Menschen, die es am Leben hielten. „Und ich werde ja noch bis mindestens 2021 an der RWTH tätig sein.“ Dann geht Rieger in Pension.

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