Aachen - Trickdiebe fordern Zahngold ein

Trickdiebe fordern Zahngold ein

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
2000 Euro pro Dose: Apotheker
2000 Euro pro Dose: Apotheker Herbert Pichler warnt Zahnärzte davor, gespendetes Zahngold in falsche Hände zu Foto: Andreas Steindl

Aachen. Au Backe. Der Verlust von Zahngold tut weh. Einige Gauner sind in dieser Hinsicht aber auf den Geschmack gekommen und haben es derzeit im großen Stil auf die kostbaren Edelmetall-Klümpchen abgesehen.

Nicht nur die Polizei warnt deswegen vor Betrügern, die das für Benefiz-Zwecke gedachte Zahngold seit Wochen abgreifen wollen.

Die goldenen Bruchstücke, die teils noch gezogenen Schneide-, Eck- und Backenzähnen kleben, lässt der Lions-Club Aachen-Aquisgrana seit 15 Jahren bei bis zu 100 Zahnärzten sammeln und dann für den guten Zweck - etwa die Unterstützung behinderter und sozial benachteiligter Kinder - einschmelzen und verkaufen. Mitorganisator der Aktion ist der Aachener Apotheker Dr. Herbert Pichler.

„Trickdiebe haben allerdings bei sieben Zahnärzten in der Städteregion Aachen versucht, unsere verplombten Dosen mit den Zahngoldresten abzuholen”, erklärt er . Die Masche klingt skurril. Die Nepper erkundigen sich vorher telefonisch nach dem „Füllgrad” der Dosen und tauchen dann persönlich in der jeweiligen Praxis auf. Mit offenbar gefälschtem Ausweis einer Hilfsorganisation werde dann die Herausgabe der Zahngolddose bei den Sprechstundenhilfen am Anmelde-Counter gefordert.

„Dies machen diese Gesellen aber bislang so unverschämt dreist, dass die Versuche, von denen wir wissen, zum Glück fehlgeschlagen sind”, sagt Pichler. Bei der Polizei wurde Anzeige gegen unbekannt erstattet. Und Polizei-Sprecher Paul Kemen betont, dass man vor der Herausgabe der Zahngoldsammelbüchsen genau hinsehen solle, an wem man das kostbare Gut aushändige.

Denn der Doseninhalt, mit dem der Lions-Club mit Hilfe vieler engagierter Ärzte in den vergangenen 15 Jahren Spenden in der Gesamthöhe von über einer Million Euro für hilfsbedürftige Kinder einsetzen konnte, kann schnell zu Bargeld gemacht werden. „Es gibt genug dubiose Händler, die angesichts lange gestiegener Goldpreise sofort Bargeld für Gold, auch Zahngold, auszahlen”, erklärt Pichler.

Eine mit wenigen hundert Gramm Zahngold gefüllte Dose bringe auf dem freien Markt schnell bis zu 400 Euro ein. Weil man aber als Lions-Club über hervorragende Kontakte verfüge, erziele man für die gute Sache bis zu 2000 Euro pro Dose. „Und dieses Geld benötigen viele Institutionen, die sich aufopferungsvoll um Kinder kümmern, dringend”, sagt Pichler. Er appelliert deswegen an die Zahnärzte, ausschließlich den namentlich und persönlich bekannten Abholern des Lions-Clubs die vollen Dosen zu überreichen. Und Patienten bittet der Club, weiterhin ihr nicht mehr benötigtes Zahngold für den guten Zweck in die Dosen stecken zu lassen.

Die Polizei ermittelt unterdessen, wer in Sachen Zahngold in der Städteregion Aachen in kriminelle Machenschaften verstrickt ist.
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