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Traurig und unfassbar: Achim Kaiser ist tot

Von: Bernd Mathieu
Letzte Aktualisierung:
achim Kaiser
Er wurde nur 58 Jahre alt: Lokalchef Achim Kaiser starb für uns alle völlig überraschend in der Nacht zu Mittwoch.

Aachen. Diese Nachricht ist unfassbar, sie ist schrecklich, sie ist schlimm, sie ist traurig, und sie berührt uns alle in einer tiefen und nachhaltigen Betroffenheit, die gar nicht ausreichend zu definieren wäre: Achim Kaiser ist tot. Am Freitag vergangener Woche erlitt er mitten in Aachen einen schweren Herzinfarkt, den er nicht überlebte.

In der Nacht zum Mittwoch ist er im Aachener Klinikum gestorben, gerade einmal 58 Jahre alt. Er hinterlässt seine liebe Frau Nives und seinen lieben, bald achtjährigen Sohn Nicolas. Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme sind bei den beiden und ihren Familienangehörigen.

Die AN-Lokalredaktion Aachen war seit dem Frühjahr 2006 seine berufliche Welt, als er in der Nachfolge von Werner Czempas Lokalchef dieser erfolgreichen und ambitionierten Kolleginnen und Kollegen in dem wichtigen Ressort wurde. Sie war nach vielen Jahren in der Sportredaktion, die er bei den Aachener Nachrichten seit April 2000 verantwortlich leitete und entscheidend profilierte, ein wesentliches Stück seines viel zu kurzen Lebens.

Achim, geboren am 30. Dezember 1958 in Aachen, konnte dabei auf eine gediegene und vielseitige Ausbildung zurückblicken – als Abiturient des Rhein-Maas-Gymnasiums, als Absolvent der RWTH Aachen (in Germanistik und Geschichte), als freier Journalist und später als Chefredakteur des lokalen Radiosenders „Antenne AC“. Da leistete er mit Erfolg wirkliche Pionierarbeit.

Mit Fairness und Genauigkeit

Achim Kaiser war eine Persönlichkeit, geschätzt und geachtet in der Stadt und in der Region, hoch anerkannt als Journalist, für den Kompetenz und Qualität nicht nur selbstverständliche Standards waren, sondern ständiger Anspruch und Herausforderung, Pflicht, nicht Kür, anständige Recherche und angebrachte Fairness statt selbstverliebter literarischer Zeilenübung. Er ließ sich nicht einlullen von oberflächlichen Aufgeregtheiten und reagierte engagiert auf Ungerechtigkeiten, Gleichgültigkeit, Gedankenlosigkeit und Wichtigtuerei.

Natürlich haben wir in der Redaktion oft über das Positive unserer lokalen und regionalen Umgebung gesprochen: über soziale Initiativen und über ehrenamtliche Glücksfälle dieser Gesellschaft, auch und gerade in Aachen, also über Mut machende Nachrichten.

Für mich war Achim dabei eine Persönlichkeit, die ich zunächst und vor allem im beruflichen Leben erfahren durfte. Achim, der Lokalchef der Aachener Nachrichten. Achim, der Kollege beim Medienzentrum während der CHIO-Woche, Achim, mit dem ich seit Jahren die Sportlerwahl bei unserer jährlichen Gala „Menschen“ moderierte. Er war dann aber schnell schon mehr als „nur“ Kollege, wenn wir über Sport, Politik oder unsere Region sprachen, und das war gewiss noch intensiver, wenn wir über seine Familie, private Pläne und Erfahrungen sprachen.

Die Grenzen zwischen präziser Berichterstattung und souveräner Moderation waren bei ihm fließend, was ebenfalls sein vielseitiges Talent eindrucksvoll dokumentiert. Gesprächsoffenheit, Dialogbereitschaft, Konfliktlösungspotenzial und die Akzeptanz verschiedener Meinungen und Richtungen haben sein journalistisches Leben geprägt. Achim hat diese Aufgabe mit Gradlinigkeit und Rückgrat bewältigt. Er war durch und durch glaubwürdig. Und das ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Journalisten, mehr denn je in unseren aktuell so unruhigen populistischen Zeiten, die besonders von Respekt- und Stillosigkeit in der Welt von Social Media bestimmt werden.

Es gibt dazu Gegenentwürfe, zum Beispiel diesen: Heimatverbundenheit praktizierte Achim nicht als vermeintlich altmodische Provinzposse, sondern als ehrliche Orientierung, auch als Form des verbindlichen, freundlichen und oft freundschaftlichen Miteinander-Umgehens. Er war keiner, der nach Feierabend in den Nebel der Unverbindlichkeit abtauchte, sondern jemand, der sich auch dort weiter einsetzte, mitgestaltete, kümmerte, keiner, der nörgelte, sondern einer, der veränderte, wo es nötig war, und bewahrte, wo es sinnvoll schien.

Achim Kaiser war dabei ein durchaus konsensorientierter und toleranter Mensch. Natürlich lehnte er jede Form von „Bewaffnung“ ab, allerdings mit einigen Ausnahmen: dem Widerspruch, wenn er sein musste, und dem klaren Wort, wenn es gehört werden musste. Diese schöne Melange aus Gelassenheit, Reflexion, Vernunft, Klartext und grundsätzlichem Optimismus habe ich sehr gemocht und geschätzt.

So behalten wir Achim in bester Erinnerung und werden seine Haltung weiterhin pflegen: Auf den ausufernden Marktplätzen der Oberflächlichkeit überzeugte er durch journalistisches und persönliches Kapital, durch ideologiefreie Besonnenheit und kluge Zurückhaltung. Er nahm dabei als Lokalredakteur die vermeintlich Kleinen ernst und die vermeintlich Großen kritisch unter die Lupe. Journalismus verband er mit Ethik, mit Verantwortung, mit Anspruch, mit Respekt und immer auf eine beeindruckend unaufgeregte Art.

Erfolgreicher Fußballer

Achim Kaiser war ein erfolgreicher Fußballer. Fünf Mal stand er im Tor der deutschen Studentennationalmannschaft und nahm mit dem Team an der Universiade in Kobe/Japan teil. Dreimal hintereinander wurde er als Spieler Deutscher Fußball-Hochschulmeister mit der RWTH-Auswahl und zweimal als Trainer sowie Vizeweltmeister bei der WM in den USA. Zwischen 1988 und 1996 trainierte er mehrere Fußball-Amateurklubs in unserer Region.

Als Torhüter musste er seinen Kasten sauber halten, gewiss auch in manchen Situationen als Journalist. Er war dabei gleichzeitig stets ein konsequenter Verteidiger von Werten, praktizierte aber auch das geschickte Mittelfeld-Pressing, wenn sie hartnäckig gegen Querulanten und Vereinfacher nach vorne zu bringen waren. Und er wurde zum offensiven Stürmer, wenn er die eine oder andere Formschwankung im Management etwa von Politik, Verwaltungen, Sport, Kirchen oder Medien erkannte.

Achim Kaiser nimmt einen prominenten Platz in der Geschichte der AN-Redaktion ein, einen würdigen Ehrenplatz für einen kompetenten, zugewandten, menschenfreundlichen und liebenswerten Journalisten, Kollegen und Freund, den alle mochten, schätzten, gern hatten und stets gern sahen.

Er wurde mitten aus dem Leben gerissen, wir vermissen ihn sehr und sind gleichzeitig ganz sicher: Achim wird immer einer von uns sein und bleiben.

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