Aachen - Traum von der Selbstständigkeit ist endlich wahr geworden

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Traum von der Selbstständigkeit ist endlich wahr geworden

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Willkommen in der Normalität: Petra Völker und Dieter Hensel (links auf dem Sofa) freuen sich mit den Betreuern Björn Spangenberg und Elke Drießen über die eigene Wohnung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der Geruch von frischem Kaffee zieht von der Küche geradewegs ins Wohnzimmer, wo Petra Völker und Dieter Hensel am Esstisch sitzen. Der Kuchen ist schon da. Im Hintergrund geben die beiden Wellensittiche Jocki und Susi ab und an ein Piepen von sich.

Jetzt, wo die Tage kürzer sind und die Dunkelheit schon am späten Nachmittag hereinbricht, sitzen die Petra und Dieter gerne vor dem Fernseher und schauen „Derrick“. Dieter Hensel hat alle Folgen auf Videokassette. Seine Verlobte Petra ist zwar kein so großer Fan der Serie, aber schaut dennoch mir. Was sich nach ganz normalem Alltag eines Paars anhört, ist für die 53- und 54-Jährigen Ziel eines langen Weges.

Dank eines Förderprogramms des Landschaftsverbands Rheinland haben Beide die Möglichkeit, trotz geistiger Behinderung mit Pflegebedarf in ihre erste gemeinsame Wohnung zu ziehen. 20 Jahre hat es gedauert, bis der Wunsch, den vor allem Dieter Hensel schon fast begraben hatte, doch noch in Erfüllung ging.

Und so wurden jüngst Kisten und Karton getragen und es wurde darüber entschieden, wo welches Möbelstück seinen neuen Platz findet. Hensel wohnte zwar schon seit 2009 im Rahmen des betreuten Wohnens der Lebenshilfe in einem eigenen Appartement, für seine Verlobte aber war die Umstellung etwas größer. Sie war es bisher gewohnt, dass 24 Stunden jemand erreichbar und vor Ort war.

Doch da sie und ihr Partner ein eingespieltes Team sind, war nach kurzer Eingewöhnungsphase in der neuen Bleibe alles unproblematisch. Und wenn sie doch mal Hilfe braucht, dann kümmert sich ihre Betreuerin Elke Drießen um sie. „Sechseinhalb Stunden pro Woche leiste ich Hilfe da, wo es nötig ist. Meistens besprechen wir schon vorher, was gemacht werden soll.

Aktuell sollen vor allem das Backen und Kochen verbessert werden“, erzählt Drießen. Das freut vor allem den Verlobten, der lachend betont: „Wir teilen im Haushalt genau auf, wer was macht. Meistens kocht sie und ich putze. Nur wenn sie keine Lust hat, dann tauschen wir auch mal.“

Für Björn Spangenberg, Leiter des Überleitungsmanagements der Lebenshilfe Aachen, war der Weg hin zur eigenen Wohnung etwas ganz Besonderes: „Das Überleitungsmanagement kümmert sich um ältere Menschen mit geistiger Behinderung und Pflegebedarf, die von einer stationären in eine ambulante Wohnform wechseln möchten.

Vorab haben die Beiden zur Probe gewohnt, bevor nach einer gemeinsamen Wohnung gesucht wurde.“ Natürlich seien 20 Jahre eine lange Zeit, aber man müsse das relativieren. Denn vor 20 Jahren sei es nicht ansatzweise denkbar gewesen, dass ein Paar mit Behinderung in einem ganz normalen Wohnhaus wohne.

Und wie es sich eben für ein ganz normales Paar gehört, haben auch Petra Völker und Dieter Hensel in der Vorweihnachtszeit die Dinge zu tun, die ebenso anstehen. Was gibt es zu Essen und wo verbringen wir den Heiligen Abend und die Weihnachtstage sind dabei nur einige der Fragen.

Bis dahin ist es aber noch ein wenig Zeit. Und den größten Wunsch, den haben sich beide erfüllt: Nach 20 Jahren Hoffen und Warten ist das, was sie schon fast aufgegeben haben, Realität geworden. Ein gemeinsames Zuhause mit allem, was dazugehört und vor allem eins ist: Einfach herrlich normal.

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