Trauer um Galeristin Marie Helene von der Milwe

Von: ipf
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Immer im Einsatz für modernste Kunst: Marie Helene von der Milwe ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Die Aachener Kunstszene hat eine eigenwillige und unbeirrbare Persönlichkeit verloren. Galeristin Marie Helene von der Milwe ist am Karnevalsfreitag in ihrer Heimatstadt Düren im Alter von 75 Jahren überraschend gestorben.

Bereits in den siebziger Jahren unterstützte sie den Aachener Künstler Peter Lacroix, der seine berühmte „Farbleiter“, die seit ein paar Jahren an der Fassade des Standesamtes hängt, an ihrem schmalen Haus in der Kleinköln-straße anbringen wollte – als Kunst im öffentlichen Raum. Doch das wurde seinerzeit noch gerichtlich untersagt, weil sie eine Beeinträchtigung für Dom und Rathaus sei.

Mit selbstgenähten Säcken voller Erde und Steinen inszenierte Marie Helene von der Milwe zum Protest die Aktion „Ein Sack graues Aachen“, die großes Aufsehen erregte und ihr viele Sympathien in kunstinteressierten Kreisen einbrachte. Seit den 80er Jahren stellte sie auch in Aachen Kunst aus und präsentierte in der Galerie van der Milwe im Herzen der Stadt ungezählte spannende Ausstellungen.

Schritt für Schritt entwickelte Marie Helene von der Milwe ihren eigenen, unverwechselbaren Stil, dem sie bis zuletzt treu blieb. Junge Kunst war es, frisch, minimal und unkonventionell wie sie selbst, auf dem Punkt, häufig zwischen den Genres. Als eine Art Pionierin aus Aachen nahm sie an großen Kunstmessen teil, etwa der Art Frankfurt, Paris Photo und der Arco Madrid. Besonders am Herzen lag ihr die Düsseldorfer Art Multiple, da sie kleine Auflagen zu aktuellen Ausstellungen liebte und relativ preiswert anbieten konnte.

Neben ihrem regulären Galeriebetrieb mit mehreren Ausstellungen jährlich engagierte sie sich mit großen Aktionen im kulturpolitischen Bereich. Mit der Fluxuskünstlerin Inge Broska und Filmemachern dokumentierte sie auf ihre Art die Zerstörung von gewachsener Kultur durch den Braunkohlentagebau Garzweiler. Ein künstlerisches Highlight war auch die Gestaltung der Gartenkolonie „Roland“ durch Künstler ihrer Galerie, ehe die Abrissarbeiten zugunsten des neuen Tivoli ihren Lauf nahmen.

Die erst Ende Januar eröffnete Foto-Ausstellung von Algirdas Milleris wird regulär bis März zu sehen sein. Für April plant Witwer Manfred von der Milwe eine Ausstellung mit Künstlern der Galerie unter dem Titel „Danke! Danke!“. Wer sich von Marie Helene von der Milwe vor der Beisetzung am Sarg verabschieden möchte, ist heute zwischen 15 und 18 Uhr willkommen im Beerdigungsinstitut „InMemoriam“, Eifelstraße 1b.

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