Trauer um Film-Aktivist Harald Mingers

Von: Günter H. Jekubzik
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Hat der Aachener Filmkultur enorme Impulse verliehen: Harald Mingers. Foto: Jos van Maastricht

Aachen. Harald Mingers, seit Jahr zehnten ein unermüdlicher Aktivist in der Filmszene der Stadt, ist tot. Der Gründer des „Aachener Filmhauses“, das bald seinen 30. Geburtstag gefeiert, war gleichzeitig der kenntnisreichste und schärfste Kritiker der lokalen Filmkultur.

Der kämpferische und kompromisslose Film-Enthusiast brachte die Siebente Kunst zu den Menschen und erschloss ihr neue Fans: In der ehemaligen Szene-Kneipe „Hauptquartier“ schleppte er einen 16mm-Projektor heran und baute Holzbänke auf. Er brachte das Sandmännchen ins Herz der Subkultur vom Autonomen Zentrums.

Dabei war sein Programm erlesen und würde in anderen Städten auch einem Filmmuseum gut stehen. Für Programme etablierter und – im Gegensatz zum Filmhaus – üppig geförderter Veranstalter hatte er nur vernichtende, aber durchaus zutreffende Bemerkungen übrig.

So war es sehr passend, dass er 1994 den „Neuen Preis des Neuen Aachener Kunstvereins“ erhielt, dessen Preisträger dafür standen, sich mit Kunst und Kultur als „Störfaktor“ in der Öffentlichkeit bemerkbar zu machen.

Der unermüdliche Aktivist veranstaltete schon in den 80er-Jahren „Aachener Filmtage“ mit einem Fokus auf regionale Talente. Ein paar Jahre lang veröffentlichte er die Filmzeitschrift Best Boy. Er pflegte ein überbordendes Ausschnitt-Archiv in den eigenen vier Wänden und hatte zu jedem Thema Material direkt parat – meist mit geistreichen Formulierungen.

Seine sehenswerten Filmreihen, wie zuletzt zum DDR-Film und zum Ersten Weltkrieg, wären eigentlich Aufgabe eines kommunalen Kinos gewesen. Zur Vorbereitung sah man ihn wochenlang mit dicker Lektüre zum Thema.

Kompromisslos in der Sache war er, dabei herzlich und gewinnend im Umgang mit den Menschen. Harald Mingers konnte immer wieder Mithelfer motivieren, doch das „Filmhaus“ war letztlich eine kräftezehrende Ein-Mann-Veranstaltung. Neben dem persönlichen Verlust eines einzigartigen Menschen ist auch zu beklagen, dass die Aachener Filmlandschaft ihren wichtigsten und kompetentesten Aktivposten verloren hat.

Der 55-Jährige lebte Film und begrüßte Mitkämpfer mit „Film-Power“. Die Stadt verliert mit Harald Mingers eine Menge „Film-Power“.

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