Trauer um eine „große Frau der SPD“

Von: hpl
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Wird nicht nur bei der SPD vermisst werden: Hildgarde Lisse ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Aachen. Sie war unzweifelhaft so etwas wie die große Dame der Aachener Sozialdemokratie, stets eine Kämpferin für die Menschen, die nicht auf der Sonnenseite unserer Gesellschaft beheimatet waren und sind: Hildgarde Lisse, SPD-Frau durch und durch, Sozialkämpferin und Mitbegründerin des Aachener Friedenspreises. In der Nacht zum Dienstag ist sie im Alter von 85 Jahren gestorben.

Sichtlich betroffen reagierte der Vorsitzende der Aachener SPD, Karl Schultheis, auf den Tod seiner Parteifreundin: „Hildgarde Lisse war das soziale Gewissen der SPD. Sie hat sich in der Bürgerschaft genau wie in der Ratsarbeit immer um Flüchtlinge, um Obdachlose und grundsätzlich um alle diejenigen gekümmert, die Unterstützung brauchten.“ Dies könne man auf materielle wie auf ideelle Aspekte gleichermaßen beziehen. Schultheis: „Ihr Tod bedeutet für die Aachener SPD einen großen Verlust. Man kann sie getrost in die Reihe der großen Frauen der Aachener SPD reihen. Und so werden wir auch die Erinnerung an sie bewahren.“

Große Betroffenheit drückte auch Ralf Woelk, Vorsitzender des DGB in der Region NRW Süd-West und auch Vorsitzender des Aachener Friedenspreises, aus. Hildgarde Lisse gehörte am 8. Mai 1988 zu den Bürgerinnen und Bürgern, die den Aachener Friedenspreis ins Leben riefen. „Ihre Streitlust und ihre Konsequenz im Handeln werden uns fehlen. Sie hat über viele Jahre die politische Arbeit des Aachener Friedenspreises begleitet und geprägt“, schreibt Woelk über die frühere Vorstandskollegin. Wohl wissend, dass diese nicht immer mit dem Kurs des Vereins Friedenspreis einverstanden war und dies auch stets offen zum Ausdruck brachte. Nichts habe sie mehr gehasst als Ungerechtigkeit: „Mit ihr verliert Aachen eine engagierte Gewerkschafterin, Sozialdemokratin und Aktivistin“, drückt Woelk im Namen des Vereinsvorstands den bleibenden Respekt vor der Verstorbenen aus. Hildgarde Lisse war auch Verdi-Mitglied.

Erst vor knapp einem Jahr hatte sich Hildgarde Lisse aus der Politik zurückgezogen. Bis dahin war die langjährige Ratsfrau (1979 bis 1999), sozialpolitische Sprecherin ihrer Partei, privat Mutter einer Tochter und zweier Söhne und mehrfache Großmutter, an vielen Fronten und vor allem im Vorstand der SPD Aachen-Ost aktiv. Lange leitete sie das Bürgerbüro an der Klappergasse, später der Heinrichsallee. Dabei war für sie Politik zwar stets Leidenschaft, aber nie Selbstzweck. Ihr kam es darauf an, über das Instrument Politik etwas für die Menschen zu bewegen. Sie suchte stets die Ursachen, um dagegen vorzugehen. Dem entsprach auch, dass sie viele Entscheidungen in Berlin – auch die ihrer Genossen – kritisch betrachtete.

Die Reformen unter Gerhard Schröder konnten ihr durchaus die Zornesröte ins Gesicht treiben. „Die Zeche müssen ja wieder die kleinen Leute zahlen“, lautete seinerzeit der bittere Kommentar der langjährigen Ehrenvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Aber Hildgarde Lisse war auch eine Freundin des Humors. Und manch einer musste schmunzeln, selbst wenn Hildgarde Lisse mal schimpfte: „Wehe, jemand nennt mich Hildegard!“ Mit ihrem unkonventionellen Vornamen konnten sie und ihre Weggefährten wunderbar leben. Vermutlich, weil sie selbst so herrlich unkonventionell war.

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