Aachen - Traditioneller Familienausflug in Laufschuhen

Traditioneller Familienausflug in Laufschuhen

Von: David Grzeschik
Letzte Aktualisierung:
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Startschuss: 2176 Mädchen, Jungen, Frauen und Männer hatten für die mittlerweile 37. Ausgabe der Laufwettbewerbe gemeldet. Foto: Andreas Steindl
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Carolin Führen (Mitte) siegte bei den Mädchen vor Elena Weins (rechts). Maja Dohms wurde Vierte. Foto: Kurt Bauer
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Jubelpose. Der Spaßfaktor ist immer hoch. Foto: Andreas Steindl
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Sportlicher Familienausflug: Für Ralf, Birgit und Konstantin Otten (v.r.) hat die Teilnahme am Silvesterlauf Tradition. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Jahr 2015 ist noch jung, da dürften die Ersten ihre guten Vorsätze fürs neue Jahr schon über Bord geworfen haben. Anders Ralf Otten. Kurz bevor das neue Jahr überhaupt eingeläutet wurde, ging der Rechtsanwalt und CDU-Politiker in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte seinem alljährlichen und inzwischen obligatorischen Vorsatz nach: Teilnahme am Silvesterlauf.

Seit 2008 hat Otten keinen Silvesterlauf mehr verpasst. Dabei geht die kleine Tradition, die sich Otten in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, „auf einen Spaß zurück“, wie er selbst sagt. Zusammen mit anderen Eltern schloss der Familienvater damals eine Wette. „Die mündete in der verpflichtenden Teilnahme am Silvesterlauf“, sagt der Ex-CDU-Ratsherr. Otten lief mit – und wiederholte die Aktion in den Folgejahren. Beim 37. Silvesterlauf des DLC war der 48-Jährige als einer von insgesamt 2176 Läufern wieder dabei.

Wie auch in den Vorjahren trat Otten zusammen mit seiner Frau Birgit (48) und seinem Sohn Konstantin (14) an. Für ihn war der Silvesterlauf von Stunde eins an ein Ereignis für die gesamte Familie. Manche von den Eltern, die sich damals an der Wette beteiligt hatten, haben die Laufschuhe an den Nagel gehängt.

Seit dem ersten Lauf geht es Familie Otten dabei weniger um eine gute Platzierung als vielmehr um die Sache an sich. „Der Silvesterlauf ist ein schönes Ereignis zum Jahresabschluss“, sagt Otten. Besonders freue es ihn, dass sich die Veranstaltung in den letzten Jahren weiterentwickelt habe und professioneller geworden sei.

Traditionell beginnt der sportliche Silvestertag um 14 Uhr mit dem Startschuss für den 2,2 Kilometer langen Schülerlauf, bei dem 222 Mädchen und Jungen antraten. Am Ende setzte sich Leon Eichler von der ATG durch. Der 1999 geborene Nachwuchsläufer durchquerte das Ziel nach nur etwas mehr als acht Minuten und damit fast zeitgleich mit dem zweitplatzierten Yannik Thiele. Den dritten Platz holte sich Dennis Pitz. Bei den Mädchen lief Carolin Führen (acht Minuten und 35 Sekunden) vor Elena Weins (9:01) und Anna Ganser (9:17).

Rundkurs durch die City

965 Läufer – darunter die Ottens – gingen anschließend auf die 4,8 Kilometer lange Strecke: vom Markt über Jakobstraße, Judengasse, Annuntiatenbach, Augustinerbach, Neupforte, Seilgraben und Großkölnstraße zum Markt zurück. 989 Läufer absolvierten diese Strecke dann später noch häufiger. Sie liefen zehn Kilometer.

„Das Interesse war auch in diesem Jahr überwältigend, der Volkslauf war beispielsweise schon mehr als einen Tag vorher völlig ausgebucht“, bilanzierte DLC-Vorsitzender Peter Fechter am Mittwochnachmittag. Mit dem Zuschauerandrang zeigte sich Fechter zufrieden, er sei angesichts des guten Wetters wahrscheinlich größer als im Vorjahr gewesen. Publikum und Teilnehmer wurden bestens über alle Details informiert: Zum dritten Mal in Folge moderierten Peter Borsdorff und Thomas Schulte den Laufevent.

Einer der meistbejubelte Läufer war in diesem Jahr erneut Mussa Hudrog. Der 30-Jährige, der am Neujahrstag seinen Geburtstag feiern durfte, gehört zu den erfolgreichsten Läufern der Region. Im letzten Jahr war dem gebürtigen Marokkaner mit dem Sieg beim Volks- und Hauptlauf sogar ein doppelter Erfolg am Silvestertag gelungen.

In diesem Jahr trat Hudrog wieder zwei Mal an – scheiterte bei der Mission „doppelte Titelverteidigung“ aber knapp. Während der 30-Jährige seine Spitzenposition im Volkslauf verteidigen konnte, musste er sich beim Hauptlauf Merne Solomon geschlagen geben. Der Läufer mit der Startnummer 2466 hatte das Ziel nach 31 Minuten und 38 Sekunden passiert, Hudrog reihte sich mit 32.14 kurz dahinter ein. Dritter im Hauptlauf wurde Hailu Yohannes

„Die Konkurrenz war heute wirklich stark“, meinte Hudrog nach dem Zieleinlauf. Gerne hätte er seinen Doppelsieg aus dem letzten Jahr wiederholt. Eine nicht ganz verheilte Verletzung bremste den 30-Jährigen aber aus. Nicht zuletzt deswegen möchte es der Läufer, der erst vor knapp drei Wochen den ATG-Winterlauf gewonnen hatte, in der kommenden Zeit ruhiger angehen lassen. „In den nächsten drei Wochen werde ich meine Verletzung therapieren lassen und hoffen, dass sie dann auskuriert“, geht Hudrog optimistisch ins neue Jahr.

Doppelbelastung

Hochzufrieden mit Mussa Hudrogs Leistung zeigte sich sein Trainer Bouchta Bitich. „Mussa trainiert fast jeden Tag, vor drei Monaten waren wir sogar in einem Trainingslager in den Bergen“, so Bitich. Er selbst habe Hudrog eigentlich von der Doppelbelastung abgeraten. „Für Mussa war aber klar, dass er beide macht. Er ist eben ein verdammt ehrgeiziger Kerl“, sagt Bitich.

Einen Erfolg konnte der DLC bei den Frauen verzeichnen, wo sich mit Nora Honke beim Volks- und Kristina Ziemons beim Hauptlauf zwei Läuferinnen aus dem eigenen Verein durchsetzen konnten. Mit ihnen oder gar mit Mussa Hudrog kann sich Ralf Otten sportlich nicht messen. Aber das möchte er auch gar nicht. Er erreichte das Ziel nach gut 25 Minuten und war damit schneller, als er selbst erwartet hätte. Besonders begeistert habe ihn die Teilnahme eines blinden Läufers. „Kurz vor dem Ziel bemerkte ich, dass ein Blinder zusammen mit seinem Führer vor mir lief – und ich habe sie dann natürlich nicht mehr überholt“, sagte Otten.

Sein Sohn Konstantin hatte das Ziel rund zwei Minuten früher erreicht. „Das ist eine schwere Niederlage für mich“, schmunzelte Otten nach dem Zieleinlauf. Als auch Birgit Otten wenige Minuten später eintraf, war die Familie komplett. „Die Stimmung war toll, das Wetter war super. Es hat wirklich großen Spaß gemacht“, bilanzierte Otten seinen sportlichen Jahresausklang. Und was stand nach dem Lauf an? „Um 17 Uhr gehe ich in die Jahresschlussandacht im Dom, danach lasse ich das Jahr mit meiner Familie ausklingen.“ Das sei inzwischen genauso eine Tradition wie die Teilnahme am Silvesterlauf.

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