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„Tourismus in Fokus der Politik rücken“

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Das Karlsjahr 2014 steckt quasi noch in den Kinderschuhen, große Sprünge wollen freilich vor allem in Sachen Marketing längst gewagt sein. Und da mögen die jüngsten Verbalscharmützel rund um die geplante Präsentation von hunderten kaiserlichen „Klonen“ aus der Werkstatt des Künstlers Ottmar Hörl im April auf dem Katschhof als kennzeichnend gelten für eine Grundsatzdebatte, die zumindest von Teilen der Politik als überfällig betrachtet wird.

Vor allem die Grünen hatten bekanntlich kritisiert, dass die Mandatsträger über den ambitionierten PR-Gag der städtischen Marketing-Experten und des „aachen tourist service“ (ats) allenfalls am Rande informiert worden seien. Kommt hinzu, dass ats-Geschäftsführer Werner Schlösser jüngste Kritik am mangelnden Engagement der Werbeprofis im Rahmen eines bundesweiten „Themenjahrs“ über die Weltkulturerbestätten kurzerhand zurückgewiesen hatte.

„Zweifellos leisten die Mitarbeiter des ats in vielerlei Hinsicht sehr gute Arbeit“, unterstreicht zwar auch Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram. Aber: „Prinzipiell halte ich es für fatal, dass ,aachen tourist‘ praktisch abgekoppelt ist von jeder politischen Debatte.“ Immerhin werde der Verein von der Stadt jährlich mit 500 000 Euro bezuschusst, weitere 250 000 Euro fließen in Aufträge zur Außendarstellung durch Prospekte, Broschüren etc. „Und wer die Musik bezahlt, sollte zumindest mehr beteiligt werden, wenn es darum geht, Konzepte und Strategien zu entwickeln“, meint Pilgram. Leider gebe es aber kein politisches Gremium, in dem die Aktivitäten von ,aachen tourist‘ kontinuierlich und konstruktiv reflektiert und diskutiert würden.

Zwar seien mit der Vereinsvorsitzenden Caroline Herff (CDU) und deren Vize Claus Haase (SPD) Vertreter der großen Parteien im Vorstand vertreten. „Aber das reicht nicht. Auch die Politik müsste sich mehr Gedanken machen, etwa über neue Chancen zur Vernetzung in Städteregion und Euregio“, findet Pilgram. Doch während zum Beispiel der Kulturausschuss des Rates alljährlich über die (derzeit heiß diskutierten) Zuschussmittel für freie Initiativen zu bestimmen habe, bleibe der politische Einfluss in Sachen Tourismus-Förderung weitgehend auf die Aktivitäten der Marketing-Abteilung in der Stadtverwaltung beschränkt.

„ats“-Chef Schlösser weist das allerdings zurück. Und auch Claus Haase sieht keinen Handlungsbedarf – im Gegenteil: „1984 ist der Verein mit maßgeblicher Beteiligung des damaligen Oberstadtdirektors Heiner Berger erfolgreich neu aufgestellt worden“, sagt Haase. „Ich glaube nicht, dass es sinnvoll wäre, an den derzeitigen Strukturen etwas zu ändern.“

Selbstverständlich sei er ständig im Gespräch mit den Kollegen der Stadt, unterstreicht Schlösser. „Wir stimmen uns wöchentlich ab und stehen im permanenten Kontakt auch zum OB-Büro.“ So seien erst unlängst mit dem OB selbst prominentere Präsentationsmöglichkeiten bei der Internationalen Tourismusbörse Anfang März in Berlin auf den Weg gebracht worden. Zudem werde der Verein durchaus regelmäßig im Ratsausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft gehört.

„Erst im Dezember habe ich dort einen umfänglichen Situationsbericht vorgelegt“, sagt Schlösser. Der städtische Beigeordnete Professor Dr. Manfred Sicking gehöre dem „ats“-Vorstand ebenso an wie Achim Ferrari, Grünen-Ratsherr und Bürgermeister in Aachen-Mitte, und FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg. Im Übrigen sei bei der Auslastung der städtischen Tourismus-Kapazitäten mit im Ganzen über 900 000 Übernachtungen 2013 ein Rekordergenis eingefahren worden. „Und 2014 werden wir auch da garantiert noch zulegen“, glaubt Schlösser. „Aber wenn die Politik mehr Einblick fordert, muss man darüber natürlich reden: Wir folgen jeder Einladung zum Gespräch sehr gern.“

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