Tour de France: Wenn Aachen das ganz große Rad dreht

Von: Oliver Schmetz
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Die Tour teilt Aachen in zwei Hälften: Wegen der umfangreichen Sperrungen wird es am 2. Juli schwierig, von einem Teil der Stadt in den anderen zu gelangen. Die ersten von 1300 Verkehrsschildern stehen schon. Foto: Michael Jaspers
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Die Vorfreude steigt: Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung und die Sponsoren fiebern dem großen Radsportwochenende am 1. und 2. Juli entgegen. Foto: Michael Jaspers
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Cheforganisator der Tour de France in Aachen: OB-Referent André Schnitker. Foto: Jaspers

Aachen. Wer die besten Radsportler der Welt besonders rasant erleben will, sollte sich am Kaninsberg postieren. Mit 80 Sachen werden sich die Profis dort am Sonntag, 2. Juli, auf der 2. Etappe der Tour de France über die Alt-Haarener-Straße in den Aachener Talkessel hinabstürzen. Schätzt jedenfalls Sven Teutenberg. Und der muss es schließlich wissen. Früher fuhr er selber als Profi das berühmteste Radrennen der Welt.

Heute ist er als Event-Direktor des Grand Départ Düsseldorf 2017 für die Tour-Strecke auf deutschem Boden, also von Düsseldorf bis zur belgischen Grenze in Aachen, verantwortlich.

Der Mann kennt sich also aus. Das wird schnell deutlich an diesem Vormittag im Haus Löwenstein, wo die Stadtverwaltung dem Großereignis entsprechend mit großem Aufgebot über das erste Tour-Gastspiel in Aachen seit 25 Jahren informiert. Dass Ferdinand Corsten, Bezirksbürgermeister von Haaren, die Sportler noch schnell vor einem üblen Bahnübergang in seinem Stadtteil warnen will? Geschenkt.

„Die Stelle kennen wir“, sagt Teutenberg. Dass Stadtsprecher Bernd Büttgens besorgt auf die engen 90-Grad-Ecken an Neupforte, Mostardstraße und Markt hinweist? Da lächelt Teutenberg nur milde: „Das sind die besten Radfahrer der Welt. Die wissen schon, wie sie um Kurven fahren müssen.“

Die Vorfreude wächst, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und Aachen will das ganz große Rad drehen, wenn die Weltelite des Radsports vorbeirauscht – das sind die Botschaften, die an diesem Morgen vom Haus Löwenstein ausgehen sollen. „Das Tour-Fieber steigt gewaltig“, sagt Oberbürgermeister Marcel Philipp. Und: „Die Tour passt perfekt in unsere Stadt und unsere Region.“ Zumal man sich vom vor einigen Jahren noch dopingverseuchten Radsport eine enorme Werbewirkung verspricht.

„Deshalb wollten wir auch unbedingt den Markt bei der Strecke mit dabei haben, weil dann die Bilder stimmen“, sagt der OB und ist überzeugt davon, dass die Rechnung aufgeht. Man verspüre ein „gigantisches Medieninteresse“, etliche TV-Teams vornehmlich aus Frankreich hätten sich bereits in Aachen umgeschaut, wo Kaiser Karl auf dem Brunnen vor dem Rathaus das Gelbe Trikot tragen soll, wenn das Fahrerfeld vorbeikommt.

Allerdings hat das Ganze seinen Preis – und damit sind nicht nur die rund 150.000 Euro gemeint, die das Spektakel die Stadt kosten wird und die laut Presseamt zum weit überwiegenden Teil von Sponsoren übernommen werden. Denn wenn Aachen das große Rad dreht und die Tour durch die Stadt rast, werden große Teile des übrigen Verkehrs bis zu fünf Stunden lang ausgebremst.

Die Tourstrecke – über Alt-Haarener-Straße, Jülicher Straße, Peterstraße, Kurhausstraße, Seilgraben, Neupforte, Mostardstraße, Markt, Jakobstraße und Lütticher Straße geht es durch die Stadt – wird Aachen in zwei Hälften zerschneiden, zwischen denen man voraussichtlich zwischen 12.30 und 17.30 Uhr nicht hin- und herpendeln kann – jedenfalls nicht mit Autos oder Bussen.

Lediglich für Rettungsfahrzeuge könnten im Notfall „Schleusen“ geöffnet werden, kündigt OB-Referent André Schnitker an, der für die Organisation rund um den Aachener Tour-Abschnitt verantwortlich ist und in der gesamten Planung eine „unfassbare Herausforderung“ sieht.

200 Streckenposten

Rund 200 Streckenposten sollen an der 12,4 Kilometer langen Strecke auf Stadtgebiet dafür sorgen, dass diese gemeistert wird. 2250 Meter Absperrgitter werden an besonders sensiblen Stellen – etwa den engen Abschnitten rund um den Markt – errichtet und nicht weniger als 1300 Verkehrsschilder vorübergehend aufgestellt.

Die weitaus meisten werden Halteverbotsschilder sein. Denn entlang der Strecke herrscht absolutes Halteverbot, was auch alle angrenzenden Parkflächen für den ruhenden Verkehr betrifft. Anders gesagt: Auf 12,4 Kilometer Strecke fallen alle Parkplätze weg, auch Garagenhöfe und Einfahrten sind laut Stadt von der Sperrung betroffen. Dies gehe auf eine Anweisung der für die deutsche Strecke zuständigen Polizei Düsseldorf zurück und sei „wohl in erster Linie ein Sicherheitsthema“, so Büttgens.

Betroffen sind vom großen Sportspektakel auch die Apag, die drei Parkhäuser zeitweise vom Netz nehmen muss, und insbesondere die Aseag: Deren zentralen Knotenpunkt Bushof wird über fünf Stunden hinweg kein Bus ansteuern können, weil die Tour direkt dran vorbeifährt. Die Aseag hat für die Zeit zwischen 10 und 18 Uhr am Tour-Sonntag einen neuen Fahrplan erstellt, der online ist (www.aseag.de).

Die Grenze, die die Tour mitten durch Aachen zeiht, wird jedoch kein Bus überqueren können. „Wer von einem Teil der Stadt in den anderen will, sollte Bahn fahren“, empfiehlt Aseag-Sprecher Paul Heesel. Oder man kommt, wie die Stadt zumindest an alle Aachener appelliert, zu Fuß – oder mit dem Fahrrad.

Versprochen wird allen Besuchern ein buntes Programm, und das nicht nur während des Tour-Gastspiels. Man wolle das sportliche Großereignis in ein Wochenende einbetten, das ganz im Zeichen des Radfahrens stehe, kündigt OB Philipp an. Das beginnt bereits am Samstag, 1. Juli, ab 11 Uhr auf dem Katschhof mit dem Aachener Fahrradtag, der informieren, aber auch aktivieren möchte – mit vielen Ständen und Mitmachaktionen etwa für Kinder.

Danach folgt ab 16 Uhr der lokale Radklassiker „Rund um Dom und Rathaus“, den der RC Zugvogel ausrichtet. Ab 19.30 Uhr steigt dann das Hauptrennen der obersten Amateurklasse, bei dem rund 60 Kilometer in Angriff genommen werden – überwiegend auf Kopfsteinpflaster. Tags darauf kommt die Tour nach Aachen und wird zunächst in Haaren begrüßt.

Unter das Motto „Bonjour le Tour und Haaren Vive la France“ haben die dortigen Vereine, Verbände und Geschäftsleute ihr Bürgerfest zu Ehren des Radsportspektakels gestellt. Zu lange sollte man dabei allerdings nicht den Blick von der Straße abwenden, weiß auch Bezirksbürgermeister Corsten – sonst verpasst man noch alles. So eine Tour-Durchfahrt ist nämlich ein kurzes Vergnügen – erst recht bei 80 Sachen.

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