Total ejal? Bald schlägt dem Strunx das letzte Stündchen

Von: Matthias Hinrichs
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Jenge Schmu: Sieben Mal noch heizen die Strunx-Moderatoren Rudi Zins und Manfred Hammers (r.) die Kappertz-Hölle an, bevor sie ihre Zebra-Jacketts für immer in den Schrank hängen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Total ejal? Nicht wirklich. Selbst Strunx-Propheten sind nur Menschen. Und das vielzitierte Tränchen durften nicht nur die „Chef-Moderatoren“ Rudi Zins und Manfred Hammers im Knopfloch ihrer berühmten Zebrajackets tragen, als sie am Mittwoch zur definitiv letzten Generalprobe für die definitiv letzte Strunx-Staffel die Bühne der Kappertz-Hölle angeheizt haben.

Nach 21 Jahren geht eine Ära in Sachen alternativer Karneval zu Ende. „Trotzdem“, verspricht Manfred Hammers, „werden wir uns zum Abschluss mit Sicherheit nicht nur in Nostalgie ergehen.“ Wohl wissend, dass ein wenig Wehmut eben auch nicht (tata)tabu sein kann . . .

Rund 450 Nummern, 139 Sitzungen haben die Statistiker gezählt, seit Strunx anno 1992 ein spektakuläres Debüt gefeiert hat. Wie ist die Gefühlslage unter der Zebrajacke vor der letzten Premiere am morgigen Freitag?

Hammers: Natürlich hat sich neben der üblichen Anspannung bei den letzten Proben auch ein wenig Melancholie eingestellt. Wenn man weiß, dass so manches auf der Bühne zum letzten Mal gesagt wird, bleibt das einfach nicht aus. Ich bezeichne das als „Wohlweh“, weil es sich doch letztlich gut anfühlt, wenn man zurückblickt.

Gehört dazu auch die Empfindung, dass die Strunxler ihre Mission erfüllt haben? Ist der Öcher Karneval wieder subversiver geworden? Oder sind die „alternativen Jecken“ umgekehrt schlicht bürgerlich geworden?

Hammers: Mancher meinte jetzt tatsächlich, wir hätten unsere Aufgabe quasi erledigt – wo Rot-Grün ganz offiziell auch beim AKV angekommen ist. Aber das war ja nie das wirkliche Ziel. Sicher sind wir auch sozusagen von der Bürgerlichkeit unterwandert worden in dieser langen Zeit, wenn Sie so wollen. Am Ende war der satirische Biss wohl auch nicht mehr so da. Aber ich glaube, das hat der Qualität der Sitzungen keinen Abbruch getan.

Was waren die spektakulärsten Strunx-Stunden – wo haben Sie den „Etablierten“ besonders auf die Füße getreten? Geht Ihnen da etwas Spezielles durch den Kopf?

Hammers: Natürlich denke ich gerade jetzt oft an den Start zurück, als wir mit Jonathan Briefs den ersten schwulen Prinzen auf dem Klo am Katschhof inthronisiert haben. Das war damals wirklich ein Tabubruch, auch wenn man sich das inzwischen kaum noch vorstellen kann. Mit der Verkündigung der Prinzessin Au Hur haben wir 1996 noch einmal einen Superskandal ausgelöst. Der hat uns kein bisschen geschadet, im Gegenteil. Damit sind wir letztlich auch überregional bekannt geworden.

Haben Sie sich für den ultimativ letzten Bütten-Coup à la Hammers ein paar spezielle Bonbons ausgedacht, um den Abschied zu versüßen?

Hammers: Allzu viel will ich da jetzt nicht verraten. Natürlich werden wir die 22 Strunx-Jahre auch ein bisschen Revue passieren lassen. Aber wir machen kein Nostalgieprogramm. Aktuelle Themen wie die Baustellen-Flut der jüngsten Zeit kommen garantiert nicht zu kurz, und natürlich auch nicht die Alemannia . . .

Und nächstes Jahr schwofen Sie mit Herrn Zins ab Fettdonnerstag im Zebrajackett auf der Straße durch?

Hammers: Nein. Ich persönlich werde genau das tun, was wir den Leutchen damals ausreden wollten. Ich mache ein bisschen Urlaub an der holländischen Küste. Da komme ich auch nicht auf dumme Gedanken. Das eine oder andere Requisit werden wir nach Karneval sicher noch für einen guten Zweck versteigern. Aber das Jackett – das bleibt als Erinnerung im Schrank hängen!

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