Aachen - „Top Dogs“: Was tun Top-Manager, wenn sie den Job verlieren?

„Top Dogs“: Was tun Top-Manager, wenn sie den Job verlieren?

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Top Dogs“ – das sind die Topverdiener aus der Managementebene. Was passiert, wenn diese Leute Opfer von Rationalisierungsmaßnahmen werden und plötzlich ohne Job da stehen, das zeigt das Aixpertentheater in dem Stück von Urs Widmer.

„Top Dogs“ ist eine Persiflage auf die Unternehmenskultur – mit einer gehörigen Portion Schadenfreude.

Amanda Rodekamp ist Chef-Einkäuferin im Catering einer Fluggesellschaft – oder besser gesagt: sie „war“ es. Doch dass ihr gekündigt wurde, geht ihr erst auf, als sie sich bei der NCC wiederfindet, der New Challenge Company. Das Outplacement-Büro versucht, gescheiterte Manager wieder fit für den Markt zu machen und sie dann neu zu platzieren, irgendwo auf der Welt – „Outplacement“ halt.

„Schlacht der Wörter“

In Seminaren werden die Workaholics geschult: ein strammer Gang, überzeugendes Auftreten im Vorstellungsgespräch, das richtige Outfit. Doch auch die inneren Abgründe treten zu Tage. In Rollenspielen müssen verdrängte Ehekrisen ausgetragen und der Schock der Kündigung aufgearbeitet werden. Manch einer hegt Selbstmordgedanken oder Mordfantasien. Was soll man nur anfangen mit all der Zeit, die plötzlich zur Verfügung steht?

Das Stück gewinnt dabei mehr und mehr an Witz. Die Absurdität der Führungskultur wird vorgeführt, etwa in einer fulminanten „Schlacht der Wörter“, in der die vier Protagonisten minutenlang das gesamte Vokabular an Business-Slogans herunterrattern – von Top-Down-Ansatz bis Customer Equity. Für das Privatleben hatten die Top Dogs bislang kaum Zeit – Michael Strack gerät ins Stocken, wenn er von seinen Kindern erzählt: „Sabine und..der andere..Pascal! Genau!“ Bei aller Schadenfreude und komödiantischer Unterhaltung bleibt jedoch auch eine gewisse Beklommenheit beim Publikum der Premiere in der Klangbrücke zurück. Jeden kann es treffen, selbst die erfolgsverwöhnten Führungskräfte an der Spitze der Arbeitnehmerkette. Wohin werden uns Kapitalismus und Globalisierung noch treiben?

Angeschlagene Hunde

Regisseur Raphael Fachner, seit 2014 Regisseur des Aixpertentheaters, lässt seine Akteure die Aufarbeitung und Reintegration in Kapiteln durchleben, angeschlagen – natürlich – an einem Whiteboard. Neben Michael Strack und Amanda Rodekamp sind Astrid Kempen und Vera Simon Teil des aktuellen Ensembles. Seit 1998 spielen wechselnde Amateurschauspieler in professioneller Leitung als Aixpertentheater an verschiedenen Orten.

Ob Rodekamp am Ende erfolgreich in den Arbeitsmarkt reintegriert werden kann und wie es mit den anderen „Top Dogs“ weitergeht, das wird noch nicht verraten.

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