Tolkiens Zauber im Fokus der Forschung

Von: Stefan Herrmann
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Gut, einen Zauberer im Rücken zu haben: Prof. Peter Wenzel von der RWTH (l.) und Julian Eilmann freuen sich, dass nach 2013 ein zweites Mal eine wissenschaftliche Tolkien-Konferenz in Aachen stattfindet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit starrem Gesichtsausdruck schwebt Gandalf durch die Gänge des Instituts für Anglistik, Amerikanistik und Romanistik der RWTH. Kein Wunder, schließlich handelt es sich lediglich um eine Pappfigur des berühmten Zauberers aus dem Fantasy-Epos „Herr der Ringe“, die Julian Eilmann da an meterhohen Bücherregalen vorbeischiebt.

Ganz real dagegen: Am kommenden Wochenende findet nach 2013 zum zweiten Mal in Aachen eine großes wissenschaftliche Tolkien-Konferenz statt.

John Reul Ronald Tolkien, Autor der berühmten Ring-Reihe und des „Hobbits“, fasziniert seit Jahrzehnten Menschen auf dem ganzen Globus. Seine Werke erfreuen nicht erst mit den Blockbuster-Verfilmungen des neuseeländischen Regisseurs Peter Jackson ein Millionenpublikum. Doch die Geschichten um Hobbits, Zwerge, Orks, Zauberer und andere magische Wesen hat seit jeher auch Wissenschaftler geradezu magisch angezogen. „Tolkien hat einen literarischen Mythos erschaffen“, sagt der 32-jährige Aachener Lehrer Eilmann.

Er selbst ist als Zwölfjähriger das erste Mal in das Fantasiereich Mittelerde eingetaucht. Damals saß er fasziniert vor dem Radio und lauschte einer Hörspiel-Version der „Herr der Ringe“-Trilogie. Heute, gut 20 Jahre später, sitzt Eilmann an seiner Promotion. Thema ist, wie sollte es anders sein, Tolkien.

Doch damit nicht genug. Als Mitglied und wissenschaftlicher Berater der Deutschen Tolkien Gesellschaft (DTG) hat Eilmann maßgeblich dazu beigetragen, dass die einzige jährliche wissenschaftliche Tolkien-Konferenz erneut in Aachen Station macht. Tolkien-Experten aus aller Welt werden am ersten Mai-Wochenende dabei vor allem das Thema Tolkien und Märchen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.

Denn eben zu diesem Thema hatte der britische Professor 1939 – also zu genau der Zeit, als er den „Herr der Ringe“ schrieb – an der schottischen Hochschule St. Andrews eine Gast-Vorlesung gehalten. Da Tolkien ansonsten recht spärlich mit Kommentaren zu seinem Lebenswerk umging, gehört der aus der Vorlesung entstandene Essay „Über Märchen“ zu einer wahren Fundgrube für Tolkien-Fans und Wissenschaftler. Eilmann nennt es ein „absolutes Schlüsselwerk“.

Gastgeber Professor Peter Wenzel vom RWTH-Institut freut sich, dass die Konferenz ein weiteres Mal in Aachen stattfindet. „Für unsere Studierenden ist das eine spannende Angelegenheit“ sagt er. Denn selten bekomme man so einfach und unkompliziert die Möglichkeit, eine internationale wissenschaftliche Fachkonferenz zu besuchen. Aber auch Laien und Tolkien-Interessierte sind herzlich eingeladen. Zumal: Alle Vorträge können kostenlos besucht werden.

Dem Vorwurf, dass die Beschäftigung mit Tolkiens Werk lediglich „Wissenschaft light“ sei, widersprechen die beiden entschieden. So sagt Wenzel: „Shakespeares und Tolkiens Arbeiten sind manchmal gar nicht so verschieden.“ Auch der große englische Dichter habe – Beispiel Mittsommernachtstraum – gerne fantastische, märchenhafte Elemente in seine Geschichten eingebaut. Denn die, da sind sich Eilmann und Wenzel einig, faszinieren Menschen seit Jahrtausenden.

Grund genug, dies auch mit Blick auf Tolkiens Schaffen wissenschaftlich zu beleuchten. Und dass einem dabei ein Papp-Zauberer über die Schulter zusieht... nun ja, das macht eben das ganz spezielle „Herr der Ringe“-Flair aus, das trotz aller Seriösität bei einer Tolkien-Konferenz natürlich nicht fehlen darf.

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