Aachen - Toilettenpläne bleiben nicht in der Schublade liegen

Toilettenpläne bleiben nicht in der Schublade liegen

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Klar, Ingenieure verändern die Welt. Die meisten von ihnen, weil sie dafür bezahlt werden, neue Konzepte und Ideen zu entwickeln und baulich umzusetzen. Torsten Hummen und Philipp Wermser sind keine Ingenieure, als Maschinenbaustudenten aber auf dem besten Weg dahin.

Die Welt verändern wollen die beiden jungen Männer schon jetzt. Allerdings nicht gemessen an Kriterien wie Effizienz, Kostensenkung oder Optimierung.

Hummen und Wermser wollen nichts Geringeres als die Welt verbessern. Ein bisschen zumindest. Und dafür investieren sie eine Menge (Frei-)Zeit und Arbeit. Neben dem Studium wohlgemerkt. Die beiden Akademiker engagieren sich bei „Ingenieure ohne Grenzen”. In der hiesigen Regionalgruppe des 2003 in Marburg gegründeten Vereins, um genau zu sein. Die gibt es seit etwas mehr als einem Jahr, rund 40 Aktive zählt sie mittlerweile.

Im Humboldt-Haus in der Pontstraße liegt gewissermaßen ihr Hauptquartier. Obwohl das ein wenig übertrieben ist. Ein kleines Büro steht den Aachener „Ingenieuren ohne Grenzen” dort zur Verfügung. Zwischen dem wild zusammengewürfelten Mobiliar erklären die beiden Studenten, was es mit ihrem Verein so auf sich hat.

Er sei so etwas wie ein technisches Pendant zu der Organisation „Ärzte ohne Grenzen”, sagt Wermser. Es gehe darum „Entwicklungshilfe zu leisten”, sagt Hummen. Und zwar in den Regionen dieser Welt, die darauf am dringendsten angewiesen sind.

Die Ingenieure stellen dabei ihr Know-how kostenfrei zur Verfügung. Bei der Umsetzung vor Ort geben sie allerdings nur Hilfestellung. Die Einheimischen sollen anpacken, damit sie zukünftige Herausforderungen selbst meistern können. „Nachhaltigkeit”, dass sei eines der wesentlichen Ziele von „Ingenieure ohne Grenzen”, begründet Hummen.

Das gilt auch für das erste Projekt, dass die Aachener Regionalgruppe an Land gezogen hat. Es geht um ein Ausbildungszentrum in Kenia. Für dessen 230 Schüler gibt es ganze vier Plumpsklos. Hummen: „Das ist selbst für kenianische Verhältnisse nicht viel.” Zudem seien die Anlagen nicht dicht, Fäkalien könnten ins Grundwasser sickern und zu Krankheitserregern werden. Die Aachener Akademiker planten Konzepte für sogenannte Trenntoiletten, bei denen zwischen großem und kleinen Geschäft separiert wird. Nach einem Jahr sind die Überreste zudem als Dünger einsetzbar.

Die Pläne für ein Toilettenhaus mit zwölf stillen Örtchen liegen fertig in der Schublade, im kommenden August sollen sie in Kenia umgesetzt werden. Wie viele Arbeitsstunden dann hinter den Ehrenamtlichen liegen? Hummen bläst die Wangen auf, sagt „Puh!” und schätzt dann 360. Philipp Wermser sagt: „Man macht das, weil man irgendwie Lust hat, in der Welt was zu verändern.”

Neue Aktive sind bei den Aachener „Ingenieuren ohne Grenzen” immer gern gesehen. Mehr Infos zu einer Tätigkeit gibt es im Büro im Humboldt-Haus, Pontstraße, jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr. Oder per Email an: aachen@ingenieure-ohne-grenzen.org

Die Mitgliedschaft im Verein kostet für Studierende 25 Euro, für alle anderen 50 Euro pro Jahr. Sie ist allerdings keine Voraussetzung, um mitarbeiten zu können.

Regelmäßige Treffen finden jeden zweiten Donnerstag, 19.30 Uhr, im Humboldt-Haus statt. Wer sich engagieren will, muss nicht zwingend angehender Ingenieur sein. Für Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit oder Fundraising werden auch Studierende anderer Fachrichtungen gesucht.

Das Kenia-Projekt der Regionalgruppe wird insgesamt rund 9000 Euro kosten. Zur Finanzierung sind noch Spenden nötig. Dafür steht folgendes Konto bereit: Ingenieure ohne Grenzen, Kontonummer 1030333337, BLZ 53350000, Verwendungszweck: KEN-IOGO2
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert