Tödliche Schüsse: Halbwahrheiten und Lügen

Von: Wolfgang Schumacher
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Zuletzt war es bei einer Verhandlung zu den tödlichen Schüssen in Würselen zu einer Prügelei im Gericht gekommen. Foto: Roeger

Aachen/Würselen. Es ist ein mühsames Geschäft, das momentan die Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht im Prozess um die Schüsse von Würselen zu bewältigen hat.

Denn die Zeugen, die entweder etwas über den Vorfall vom 21. Mai letzten Jahres an der Hintertüre des Würselener Stübchens wissen, wissen sollten, etwas gehört haben oder sogar selbst dabei waren, lügen nach Ansicht der Kammer in diesem Prozess, dass sich die Balken biegen.

„Beinahe gegen jeden Zeugen, auch aus dem Umfeld der Opfer, ist von der Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen einer möglichen Falschaussage eingeleitet worden“, warnte der Vorsitzende Richter Arno Bormann am Mittwoch einen 21-Jährigen aus dem Aachener Ostviertel, der zu dem befragt werden sollte, was er denn im Umfeld des Elsassplatzes über den Tod des 18-Jährigen, der aus dem Viertel stammte, erfahren habe.

Das Opfer und ein weiterer, später vor der Hintertüre des Würselener Stübchens mit Bauchschüssen schwer verletzter Mann hatten sich am Abend des 21. Mai von einem Café am Adalbertsteinweg in Richtung Würselen aufgemacht, vermutlich um vom Angeklagten Dennis Y. (27) ausbleibende Drogengelder einzutreiben. Außer ihnen war noch eine unbekannte Anzahl weiterer „Begleiter“ aus dem Umfeld der Aachener Hells Angels mit von der Partie.

Am Ende die Chance genutzt

So wie viele Zeugen in den sieben Verhandlungstagen zuvor versucht hatten, dem Gericht dumm, dreist oder oftmals verstockt Halbwahrheiten aufzutischen oder den milden Schleier der Erinnerungslosigkeit über das Geschehen auszubreiten, so startete auch der Zeuge am Mittwoch. „Erzählen sie doch mal, was sie wissen“, begann der Vorsitzende Richter die Befragung. Und wieder kam nur ganz wenig, dumpf schaute der Befragte zu Boden.

Dabei müsste ihm klar sein, dass die Richter selbstverständlich genauestens seine polizeilichen Aussagen direkt nach der Tat gelesen und mit vielen anderen Aussagen abgeglichen haben. Aus der Gesamtschau ergibt sich meist sehr schnell, an welchen Punkten gelogen wird. Verschweigen, auslassen oder hinzufügen: Alles hat bei Zeugenaussagen denselben verheerenden Effekt wie die Lüge: Es wird als Falschaussage gewertet und ist strafbar.

Dabei hatte der Zeuge nur eine Chance, nämlich die Wahrheit zu sagen. Er habe Angst vor dem Umfeld im Viertel, erklärte er am Mittwoch leise. Die hätten ihn damals kurz nach der Tat zur Polizei geschickt mit dem Auftrag, den Angeklagten zu beschuldigen. Der habe durch die Hintertüre der Kneipe losgeballert, sollte er sagen.

Das gab er schließlich bei der Polizei zu Protokoll, obwohl er am 21. Mai überhaupt nicht dabei war, er trainierte zeitgleich in einem Fitnessclub. Das rückte der Zeuge zurecht und berichtete weiterhin nicht unwesentliche Einzelheiten, die letztlich zur Aufklärung des Tatgeschehens beitrugen. Der Prozess wird an diesem Freitag fortgesetzt.

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