Tivoli: Stadt mietet Loge für 30.000 Euro

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Das Tivoli-Umfeld hat die Stadt bezahlt, sie trägt aber darüber hinaus auch ganz direkt zu den Einnahmen des Fußball-Zweitligisten bei. Die Stadt hat eine der exklusiven VIP-Logen im neuen Stadion angemietet.

Kostenpunkt: rund 30.000 Euro für eine Saison. Dabei ist das quasi noch ein „Spottpreis”. Wer ansonsten eine der 28 Logen mieten will, muss je nach Lage mehr als das Doppelte auf den Tisch legen.

Für zwölf Personen ist das luxuriöse Separe im Normalfall ausgelegt. Zum Stadion hin gibt es Außensitzplätze, zur Soers hin einen Außenbalkon. Dazu wird man edel beköstigt - in den „eigenen vier Wänden” oder im „Business-Club”. Vor allem namhafte Firmen machen von dem Angebot Gebrauch, das für die zweite Liga laut Prospekt zwischen 42.000 und 56.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) kostet. Und auch die Stadt reiht sich in diese Riege ein, zu besagten Sonderkonditionen. Das bestätigte Oberbürgermeister Marcel Philipp auf Anfrage.

Die Entscheidung dazu fiel bereits vor seiner OB-Zeit und geht auf seinen Vorgänger Jürgen Linden zurück, der die Idee der Politik nahegebracht hatte. Alle Fraktionen (außer der Linken, die nicht gefragt wurde) stimmten dem zu - genauer: die Fraktionsvorsitzenden, die dazu befragt worden waren. Sie stehen auch jetzt noch zu der Entscheidung. Ganz davon abgesehen, dass es so etwas in vielen Städten gebe, „muss eine Stadt auch die Möglichkeit zur Repräsentation haben”, so SPD-Fraktionschef Heiner Höfken.

Bezahlt wird die Miete aus dem Repräsentationstopf des OB. Dieser war entsprechend aufgestockt worden. Marcel Philipp, der selber die Rechnung unterzeichnet hat, bekundet: „Das ist für meine Arbeit hilfreich.” Das Einladen von Gästen diene der Kontaktpflege. Er nutze dazu zum Beispiel auch kulturelle Events wie das Neujahrskonzert.

Philipp nennt Beispiele, wer so alles in die Tivoli-Loge kommt: Zum Beispiel sind es Repräsentanten benachbarter Kommunen. Es seien auch Vertreter aus den Bereichen Ehrenamt und Wirtschaft. „Das geht durch alles gesellschaftliche Strukturen”, so der OB. Es gibt aber auch Gruppen, die aus rechtlichen Gründen nicht dabei seien: städtische Mitarbeiter oder Vertreter von Vertragspartnern. Die städtische Politik darf zwar, bleibt nach eigenem Bekunden dennoch lieber außen vor.

Stellt sich die Frage, ob sich die Stadt so etwas leisten kann. Diese Frage findet Philipp berechtigt. Wenn der Vertrag zur Verlängerung anstehe, werde dies erneut mit den Fraktionen besprochen. Auch CDU-Fraktionschef Harald Baal sagt, dass man sich dann anschauen müsse, „ob das Engagement die Erwartungen erfüllt hat”.

Und Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau sieht bei derlei Überlegungen nicht nur die städtische Haushaltslage. Angesichts der derzeitigen Vorgänge um die Alemannia und deren Bitte um städtische Hilfe, müsse die Frage nach dem Vertrauensverhältnis gestellt werden. Man müsse sehen, ob die Alemannia wirklich alle Fakten auf den Tisch lege und offen mit der Stadt umgehe. Derzeit hege er da noch Zweifel, so Rau. „Vor diesem Hintergrund wird man sich eventuell ein solches Engagement besonders gut überlegen.”
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