Tivoli-Sicherheit: „Nebel ist weg“

Von: Stephan Mohne
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Klaus Schavan kann wieder lachen, wenn es um den Tivoli geht. Das war beim Chef des städtischen Gebäudemanagements in den vergangenen Wochen nicht immer der Fall. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nein, ein Fan von Alemannia Aachen ist Klaus Schavan nicht wirklich. Auch wenn er vor 30 Jahren in Aachen studiert hat. Vor dreieinhalb Jahren ist er nach Stationen in Hamburg, Kiel und Krefeld hierher zurückgekehrt. Als Technischer Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements.

In dieser Zeit hat zumindest eine „Annäherung“ an den hiesigen Fußballclub stattgefunden, sagt der 52-Jährige. Die allerdings wird derzeit etwas erschwert, wie Schavan lachend feststellt. Und das, obwohl – oder gerade weil – er seit Wochen öfter, als ihm lieb sein kann, im Tivoli zu Gast ist.

Er kennt das Stadion mittlerweile besser, als selbst der eingefleischteste Alemannia-Fan es je kennenlernen wird. Freiwillig ausgesucht hat er sich das nicht. Und zum Lachen ist das Ganze eigentlich auch nicht, sondern überaus ernst. Denn Schavan und seine Experten vom Gebäudemanagement sind immer noch auf Hochtouren damit beschäftigt, eine Liste von 365 Sicherheitsmängeln abzuarbeiten.

Mit Gutachtern in Kontakt

Die hatte jüngst ein Gutachter des Aachener Expertenbüros BFT Cognos vorgelegt. Die Aufregung danach war derart groß, dass bereits überlegt wurde, die Zuschauerzahl bei Alemannia-Spielen zu beschränken. Denn aufgelistet waren Mängel von der Brandschutztechnik bis zur Notstromversorgung und vieles mehr – keine Kleinigkeiten. Anfang Mai wurden Schavan & Co. quasi als technische Feuerwehr seitens der Verwaltungsspitze ins kalte Tivoli-Wasser geworfen.

Bis dato hatten sie mit dem Stadion nichts zu tun, denn dafür ist die zuletzt führungslose „Aachener Stadion-Beteiligungsgesellschaft“ (ASB) zuständig. Doch hier war nun der geballte Sachverstand von Ingenieuren in Sachen Gebäudetechnik gefragt. Oder wie es Schavan im Stadtrat sagte: „Oberste Priorität hat die Rettung der nächsten Alemannia-Saison.“

Heute kann Schavan feststellen: „Dieses Ziel haben wir erreicht. Die Saison kann definitiv im Tivoli gespielt werden.“ Er fügt hinzu: „Wir sind stolz darauf, dass wir das rasch in den Griff bekommen haben.“ Am Anfang sei man nicht sicher gewesen, ob das wirklich zu schaffen war, wobei die erste Priorität auf den sicherheitsrelevanten Fragen lag. Nun lautet diesbezüglich das Zwischenfazit: „Der Nebel ist weg.“ 365 Sicherheitsmängel in einem acht Jahre alten Stadion – da schlägt der Normalbürger die Hände über dem Kopf zusammen.

Nicht so die Experten vom Gebäudemanagement: „Wir Ingenieure glauben Dinge erst, wenn wir sie wirklich gesehen haben“, sagt der oberste Gebäudemanager der Stadt nüchtern. Zuerst habe man sich mal darum gekümmert, alle Unterlagen zu bekommen. Doch die waren teils auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Schavan: „Wir sind deshalb auch detektivisch auf der Spur. Wir haben auch mit den beteiligten Firmen Kontakt aufgenommen.“

Insgesamt müsse man das Thema „versachlichen“. Man habe erst einmal sortiert. Und es sei festzustellen: „Da war viel Luft drin.“ Die 365 Mängel hätten überwiegend mit Brandschutzklappen zu tun gehabt. Das sei dann immer derselbe Mangel, der aber bezogen auf alle Klappen 170 Mal aufgeführt worden sei.

Erstaunlich bleibt die Tatsache, dass alle diese Mängel in zwei TÜV-Gutachten aus den Jahren 2008 und 2012 nicht auftauchten. Können die Sachen in der kurzen Zeit bis 2016 durch mangelnde Wartung kaputtgegangen sein? Oder wurde sie vorher übersehen? „Die Frage haben wir uns auch gestellt“, so Schavan. Vielleicht habe das etwas mit Qualifikation zu tun, aber auch damit, wie unterschiedlich man da rangehe. Eine Antwort gibt es bisher noch nicht. „Mit der Thematik sind wir noch nicht durch. Wir haben mit beiden Gutachtern Kontakt. Das steht in unserem Hausaufgabenheft“, so der Geschäftsführer.

Fertig sind die Ingenieure mit dem Tivoli ohnehin noch nicht – im Gegenteil: „Je tiefer wir hineinstoßen, desto mehr Arbeit bekommen wir.“ Aber: Phase I – den Betrieb des Stadions als oberste Priorität zu sichern – ist abgeschlossen. Die nicht so brisanten Mängel – Phase II – werden jetzt abgearbeitet. „Wir gehen von einer Zeitperspektive bis Ende des Jahres aus. Denn auch für meinen Betrieb ist das eine zusätzliche Belastung“, sagt Schavan. Er habe „ein hohes Interesse daran, dass meine im Tivoli eingesetzten Ingenieure wieder ihren eigentliche Aufgaben gerecht werden können“.

ASB fit machen für die Aufgabe

Und warum wird die Stadionunterhaltung nicht gleich dem Gebäudemanagement ganz übertragen? Schavan: „So etwas muss Sinn machen. Man muss deutlich sagen: Ich kenne kein städtisches Gebäudemanagement, das ein Fußballstadion betreut.“ Das sei eine Spezialimmobilie, für die man Spezialwissen benötige. Es habe seinerzeit gute Gründe gegeben, dafür eine Gesellschaft zu gründen.

Er gehe davon aus, „dass diese Gründe auch heute noch wirksam sind“. Allerdings müsse die ASB auch personell – derzeit ist Bernd Deil, Chef der Abteilung Gebäudetechnik des Gebäudemanagements, als Prokurist dort eingesetzt – in die Lage versetzt werden, dies bewältigen zu können. Viele der Verantwortlichen hätten ja bereits eingeräumt, dass man dies unterschätzt habe.

Und überhaupt: Die Mitarbeiter des städtischen Gebäudemanagements haben auch ohne den Tivoli genug zu tun, der ja nur ein einziges Objekt ist. Deren 710 werden hingegen vom Gebäudemanagement betreut. Doch das ist eine andere Geschichte, die Sie in unserem heutigen Samstagsinterview mit Schavan lesen. Seite 20

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