Aachen - Tivoli-Anleihen im „Schnäppchenmarkt”

Tivoli-Anleihen im „Schnäppchenmarkt”

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Alemannia-Krise zieht mittlerweile auch noch kuriose Kreise. Selbst in der Gefolgschaft des Klubs scheint mancher die Nase voll zu haben: „Alemannia-Anleihe im Wert von 200 Euro für 100 Euro abzugeben”, hieß es dementsprechend in einer Annonce im AZ-„Schnäppchenmarkt”.

Frei nach dem Motto: Besser wenig als gar nichts zurückbekommen. Sollte die Alemannia ins Insolvenzverfahren schliddern, würden jene 4500 Fans, die seinerzeit diese Anleihen für insgesamt 4,2 Millionen Euro gekauft hatten, in die Röhre schauen. Dass es soweit nicht kommt, dabei soll die „Patronatserklärung” der Stadt über insgesamt 5,5 Millionen Euro helfen. Der Rat entscheidet am Mittwoch darüber. Doch selbst wenn die Politik mittlerweile mehrheitlich und quer durch die Farben zähneknirschend Unterstützung zugesagt hat, hängt die ganze Sache noch an seidenen Fäden.

Wirtschaftsprüfer arbeiten sich durch die von der Alemannia abgegebene Liquiditätsaufstellung, die wenige Stunden vor den Montagsfraktionssitzungen, kurz vor Ablauf eines Ultimatums, bei der Verwaltung eintrudelte. Bis Ende des Monats müssen dort die Geldflüsse aufgelistet sein, danach wöchentlich und bis Ende des Jahres als Prognose.

Stimmen die Zahlen? „Wenn nicht, hat sich das mit der Bürgschaft ohnehin erledigt”, sagt Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau. Wie fast alle Fraktionen, hatten sich die Grünen entschieden, der Hilfe zuzustimmen - wenn die Unterlagen der Prüfung standhalten. Doch mit der Zustimmung ist das so eine Sache. Die Grünen kochten am Mittwoch noch vor Wut, von der Alemannia in eine solche Situation gebracht worden zu sein. Deutliche Worte fielen bei einer Pressekonferenz. So von Finanzpolitiker Hermann Josef Pilgram.

Er wollte am Montag partout nicht zustimmen und hält eine solche Entscheidung auch im Rat für grundfalsch. „Alemannia rast in voller Fahrt gegen die Wand”, glaubt er. Und das sei „nicht die Schuld der Stadt”. Mit der städtischen Bürgschaft würde die Alemannia „vielleicht durch die erste Wand hindurchkommen. Aber dahinter steht garantiert schon die nächste”, sieht der Ratsherr den Klub am Abgrund.

Auch seine Ratskollegen Jonas Paul als sportpolitischer Sprecher, Bürgermeisterin Hilde Scheidt und eben Michael Rau sind sauer. Sie aber wollen wie die meisten Ratsleute der Alemannia „diese Chance einräumen”. Auch wenn Rau sich durchaus FWG-Mann Hans-Dieter Schaffrath anschließen kann, der gegenüber der AZ von „Erpressung” geredet hatte.

Auch sei unklar, ob es die Lage aus „Unvermögen heraus entstanden ist oder ob es sich hier um Taktik handelt.” Hilde Scheidt sieht „die Vertrauensbasis zerstört”, ist diesmal aber noch für Hilfe, „weil ich seit 40 Jahren an Alemannia glaube” und weil der Schaden für die Stadt bei einer Pleite immens hoch wäre. Jonas Paul findet, dass Alemannia eben auch Breitensport anbietet, der dann mit in den Strudel gezogen würde.

Allerdings, sagt Rau, müsse die Alemannia strikt das Sanierungskonzept einhalten und an einem Neuaufbau der Finanzstruktur arbeiten: „Das kann nicht unsere Aufgabe sein. Die Stadt wird auch nicht beim Controlling helfen”, so Rau. Vorstände städtischer Gesellschaften - Stawag und Aseag sind betroffen - sollen die Aufsichtsgremien der Alemannia verlassen.

Und selbst wenn der Rat heute zustimmt, ist die Bürgschaftssache auch noch nicht sicher. Bei der Bezirksregierung hieß es am Mittwoch, man werde erst anschließend prüfen, ob man dem zustimme. Allgemein wird allerdings davon ausgegangen, weil dem Land eine 20-Millionen-Bürgschaft im Falle einer Alemannia-Pleite platzen würde. Dann muss noch eine Bank den Kredit gewähren, schließlich bürge die Stadt nur für 80 Prozent eines Darlehens.
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