Titelkämpfe als großes Familientreffen

Von: Hanna Sturm
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Damit der Schimmel vor Sauberkeit strahlt: Anthea de Sainte Fare bereitet ihren Doubtless auf den Auftritt in der Soers vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Kaltes Wasser ist zwar nicht so ganz nach dem Geschmack des Schimmelhengstes, aber er hat keine Wahl: Die braunen Mistflecken müssen weg, und zwar mit Shampoo und Wasserschlauch. Schließlich soll das weiße Fell strahlen, wenn der Hengst mit seiner Reiterin bei den Deutschen Jugendmeisterschaften startet.

Bis zum Auftritt im Dressurviereck haben die vierzehnjährige Anthea de Sainte Fare und ihr neunjähriger Ponyhengst Doubtless zwar noch Zeit, aber es ist auch noch viel zu erledigen. Nach dem Schaumbad muss die Mähne eingeflochten werden, und auch die Reiterin muss sich turnierfein machen. Außerdem lautet die wichtigste Regel vor dem Start: keine Hektik. Denn für die Vierbeiner ist schon die fremde Umgebung eine Belastung.

„Deshalb gehe ich mit Doubtless immer wieder ein bisschen grasen, damit er sich ein wenig entspannen kann”, erklärt die Reiterin des Westfalenteams. Aber auch für sie ist ein Start in der Soers aufregend. „Hier auf dem CHIO-Gelände ist alles ein bisschen größer und nobler. Das ist schon etwas ganz Besonderes.”

Hochbetrieb hinter den Kulissen

Auch wenn sich auf dem Gelände deutlich weniger Reiter, Aussteller und Besucher tummeln als beim CHIO, herrscht hinter den Kulissen Hochbetrieb. Da werden Pferde für den Start fein gemacht oder nach dem Reiten trocken geführt, Väter schieben Schubkarren mit Mist, Voltigiererinnen flechten sich kunstvoll die Haare. In einer Stallgasse freut sich ein Reiter mit Teamkollegen über seinen Erfolg, währen ein paar Boxen weiter Eltern die Tränen ihrer enttäuschten Tochter trocknen müssen.

Doch trotz aller Aufregung: Es herrsche bei den jungen Reitern große Konzentration, hat Stallmeister Fritz-Josef Brieger beobachtet. „Natürlich ist hier in den Stallungen mehr Trubel als beim CHIO, es sind ja auch viel mehr Verwandte und Freunde da. Aber ich bin sehr beeindruckt, wie diszipliniert und professionell auch schon die jungen Leute sind.”

Wenn der Reiter die Box sucht

Mit seinen Kollegen ist Brieger für den reibungslosen Ablauf in den Stalltrakten zuständig. Er koordiniert An- und Abreise, sorgt für Ordnung und hilft bei kleinen Wehwehchen, etwa wenn der Turnierschmied schnell noch einmal kommen muss, ein Riegel an der Boxentür klemmt oder ein Reiter die Box seines Pferdes nicht mehr findet. „Die Jugendlichen sind schon ein bisschen erschlagen von der Größe unseres Geländes”, weiß der Stallmeister.

Aber nicht nur hinter den Kulissen, auch im Viereck, im Parcours und im Voltigierzirkel zeigen die jungen Sportler und ihre Pferde große Disziplin und richtig guten Sport. Darüber freut sich auch der neue ALRV-Präsident Carl Meulenbergh. „Diese Tage sind für uns etwas ganz Besonderes, denn der ALRV hat gezeigt, dass er nicht nur für den großen internationalen Sport optimale Bedingungen schaffen kann.” Natürlich sei die Atmosphäre eine andere.

„Es ist alles ein bisschen kleiner und familiärer”, findet Meulenbergh, den es am Samstag besonders in die Albert-Vahle-Halle zur Mannschaftskür der Voltigierer zog. „Meine fünfjährige Enkelin Katharina reitet auch schon ein bisschen, möchte aber jetzt am liebsten Voltigieren. Deshalb werden wir uns die Prüfung anschauen.”

Nicht nur der ALRV-Präsident und seine Enkelin genießen die Stimmung in der Halle. Die Tribünen rings um den Voltigierzirkel sind gut besucht, mit selbst gebastelten Fahnen, Plakaten und Sprechchören feuern Freunde und Verwandte die Mannschaften an.

Einen eigenen Fanclub haben etwa die Voltigierer des Reit- und Fahrvereins Großenkneten. „Wir stehen hinter euch”, haben die Mädchen auf ihre T-Shirts geschrieben. „Meine kleine Schwester startet hier. Da ist zugucken viel aufregender, als selber bei einem Turnier zu starten”, sagt Laura Schumacher.

Aber nicht nur das eigene Team, sondern auch andere Starter werden angefeuert. „Man kennt sich schließlich von den ganzen ländlichen Turnieren”, erzählt Schumacher. „Das Wochenende hier ist da ja fast so etwas wie ein großes Familientreffen.” Selbst wenn es dabei um etwas so Großes wie die Deutschen Jugendmeisterschaften geht.
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