Tischtennis-Kreismeister: „Die Körpergröße sagt nichts aus“

Von: Annika Kasties
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Ganz schön selbstbewusst und mit großen Plänen: Der neunjährige Kai Kinkartz behauptet sich an der Tischtennisplatte gegen deutlich ältere Spieler. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Groß waren Kai Kinkartz’ Gegner eigentlich schon immer. Zumindest größer als er selbst. Das erste Mal, dass er einen Tischtennisschläger in die Hand nahm, war, als er mit sechs Jahren im Familienurlaub gegen seinen Vater spielte.

Zurück in Aachen schmetterte er den Tischtennisball gegen die massive Schranktür. Bis seine Eltern Erbarmen mit ihm hatten und ihn bei Alemannia Aachen fürs Training anmeldeten. Zweieinhalb Jahre später sind Kais Tischtennisgegner zwar deutlich agiler geworden, als es noch die Schranktür war.

Groß sind sie aber immer noch. Denn Kai, neun Jahre alt, spielt mittlerweile so gut, dass er selbst 14-Jährige in die Tasche steckt. Der Beweis: der doppelte Kreismeister-Titel. Einmal in der Altersklasse Schüler A (bis 14 Jahren) und – weil’s so schön war – am Tag drauf gleich noch mal in der Altersklasse Schüler B (bis zwölf Jahren).

Dabei habe Kai den Titel bei den Kreismeisterschaften in Simmerath, einen Tag nach seinem Geburtstag, gar nicht im Visier gehabt, schon gar nicht gleich zwei. „Mein Trainer Robin meinte, dass ich bestimmt in der Gruppenphase rausfliege, weil die anderen alle älter sind als ich“, sagt Kai. Es sollte einfach nur eine gute Übung sein, erstmals bei den „großen“ Schülern auf Wettkampfebene anzutreten. Und die Enttäuschung beim vorzeitigen Ausscheiden möglichst gering. „Aber dann bin ich eben Kreismeister geworden“, sagt der Schüler ganz nonchalant mit einer wegwerfenden Handbewegung, während seine Vereinskollegen im Hintergrund in der Turnhalle weiße Plastikbälle über die Tischplatten schmettern.

Ganz so lässig war es dann doch nicht. Von einem „Nervenkrimi im fünften Satz“ mit 11:9 gegen den älteren Gereon Egen (DJK Laurensberg) ist in dem Spielbericht von Alemannia Aachen die Rede. Und drauf angesprochen ist der Neunjährige nur allzu bereit, die einzelnen Spielzüge wiederzugeben, wild mit dem Tischtennisschläger in der Hand gestikulierend, die lauten Flüche des Gegners noch genau im Gedächtnis, als feststand, dass Kai die Partie, die für ihn mit 4:9 im Rückstand fast schon verloren war, doch noch für sich drehen konnte. Als „Aha-Moment“ für den neunjährigen Schüler wird sein Trainer Robin Anders das Match später beschreiben. Denn: „Das Spiel ist erst dann vorbei, wenn der Schiri abpfeift.“

Für Kai ist der Sieg vor allem eins: das perfekte Geburtstagsgeschenk und ein weiterer Pokal in der Vitrine zuhause im Flur sein ganz persönlicher Ansporn. „Nächstes Jahr will ich wieder bei den Großen Kreismeister werden“, sagt er selbstbewusst. „Die Körpergröße sagt ja nichts aus. Das sieht man ja.“ Vielleicht sammelt er bis dahin ja auch die volle Punktzahl in der Schule. Denn: „Im Sport geben mir meine Lehrer immer nur eine Zwei.“ Aber im Sportunterricht werde auch selten Tischtennis gespielt.

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