Aachen - Tischskulpturen in ständiger Bewegung

Tischskulpturen in ständiger Bewegung

Von: Sarah Sillius
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Dynamische Tischskulpturen: Mi
Dynamische Tischskulpturen: Mit Prof. Rainer Plum (hinten links) haben Christina Alers (vorne links), Mathis Kretschmann und ihre Kommilitonen ihr erstes eigenes Projekt umgesetzt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein Tisch ist ein Gebrauchsgegenstand. Er dient der Ablage, der Kommunikation, manchmal auch der Dekoration. Sein persönliches Dilemma: Er ist starr.

Eine Tischskulptur hingegen ist lebendig. Das beweisen die Arbeiten der Aachener Fachhochschulstudenten des 2. und 4. Semesters im Studiengang Produktdesign. „Der bewegte Tisch - multifunktionale Tischskulpturen” heißt das dritte Gemeinschaftsprojekt des Fachbereichs Gestaltung der FH Aachen und des Rotary Clubs Aachen-Charlemagne. 39 Studenten haben unter der Leutung ihres Professors Rainer Plum innerhalb eines Semesters ihre jeweils eigene Tischskulptur entworfen und realisiert. Sie haben Holz geschleppt, geschreinert, geschweißt, gehämmert, lackiert und geschraubt - und sich dabei künstlerisch weiterentwickelt.

Am Anfang eines langen Prozesses standen verschiedene Kreativitäts- und Formfindungsmethoden. „Danach habe ich einfach intuitiv drauf los gezeichnet”, erzählt Anika Wübben. „Bis ich aus einem Wirrwarr aus Linien zu einer reduzierten, dynamischen Form gefunden habe.” Entstanden ist nach vielen Arbeitsstunden, die Anika Wübben irgendwann nicht mehr gezählt hat, „La Ola” - ein geschwungener weißer Tisch, dessen dynamische Form von einem Lichtelement verstärkt wird.

Die Skulptur von Christina Alers steht symbolisch für die Bewegung der Natur. Alers hat einen Baumstamm in fünf Platten geschnitten, die versetzt übereinander liegen und beweglich sind. Weil sich im Holz im Laufe der Jahre Risse bilden werden, bleibt die Skulptur in ständiger Bewegung.

Auf rein philosophischer Ebene geschieht das auch bei Lea Fabrys Tisch. „Trau dich - schieb Dir Deine Welt, so wie sie Dir gefällt” hat sie ihr Werk mit Performance-Charakter getauft. Die Oberfläche des Tisches ist in kleine Quadrate aufgeteilt, die sich ähnlich wie auf einer Spielplatte per Aktion verschieben lassen. Die Studentin will so die Kommunikation zwischen den Menschen am Tisch wieder in Gang bringen.

Mathis Kretschmann hat seine gelenkige Skulptur aus Eschenholz innerhalb von ein paar Sekunden in eine neue Form verwandelt. „Unter anderen Voraussetzungen hätte ich so etwas niemals bauen können”, sagt Kretschmann.

6000 Euro haben die Rotarier den Studenten für die Materialkosten zur Verfügung gestellt, zusätzliche 5000 Euro für weitere Kosten. „Wir wollten ihnen ermöglichen, eine Arbeit bis zum Ende auszuführen”, sagt die ehemalige FH-Prorektorin Prof. Gisela Engeln-Müllges, die sich im Rotary-Club Aachen-Charlemagne für den Berufsdienst engagiert. Zu dem Projekt gehöre auch die Möglichkeit, mit dem ersten eigenen Objekt Teil einer Ausstellung und eines Katalogs zu sein. Zusätzlich hat jeder Student die Chance, einen der drei ersten Plätze bei der Siegerehrung und ein Preisgeld zu ergattern.

Vom Perfektionsgedanken sollen sich die Studenten allerdings lösen, findet Rainer Plum. Am Ende zähle, wer für und mit seiner Form gekämpft und aus seinen Erfahrungen gelernt hat. „Auch das Scheitern gehört dazu.” Ganz unbewusst hat sich bei den Studenten eine eigene Formensprache entwickelt. Ihre Tischskulpturen sind somit auch im übertragenen Sinne Teil einer Bewegung. Sie werden Zeugnisse ihrer frühen künstlerischen Entwicklung.

Auktion im Museum Zinkhütter Hof in Stolberg

Die Tischskulpturen sind ab Mittwoch, 23. November, im Museum Zinkhütter Hof in Stolberg, Cockerillstr. 90, zu sehen. Öffnungszeiten sind mittwochs, donnerstags und freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags ab 10 Uhr.

Am Sonntag, 27. November, werden die Skulpturen um 12 Uhr im Rahmen einer Benefiz-Aktion versteigert. Der Erlös der Tischskulpturen kommt ausschließlich Bildungsprojekten für Aachener Jugendliche zu Gute. Auktionator ist Ralf Raspe (WDR).

Um 14.45 Uhr werden die besten drei Skulpturen prämiert. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung mit „Swing und Cool Jazz” von Prof. Marcus Baum (Piano) und Kalle Radermacher (Bass).

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