Tim I. wirft Kamelle für die Öcher Kenger

Von: Katrin Haas
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Alle Hände voll zu tun: Märchenprinz Tim I. (9) genoss den Höhepunkt seiner Session im strahlenden Sonnenschein. Foto: Andreas Steindl
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„Kinder unter dem langen Wurm“: Die KG Horbacher Freunde schlängelte sich fast endlos durch die Stadt.

Aachen. Normalerweise kommt in Aachen das Wasser ja nur von oben, doch am Sonntag machte Märchenprinz Tim I. unter dem Motto „Janz Oche sengt an Worm än Pau – met Märcheprenz än Meerjungfrau“ die Innenstadt zur Wasserlandschaft. Mit dem Kinderkostümzug schipperten Piratenschiffe, Holzboote und große Dampfer die Theaterstraße runter und den Seilgraben wieder hoch. „Das ist ja fast wie in der Karibik“, meint Wolfgang Radermacher, Leiter des Akika (Arbeitsausschuss Aachener Kinderkarneval) kurz vor Zugbeginn am Elisenbrunnen.

Ganz schön euphemistisch für diese kalten Temperaturen - aber die Sonne meinte es wirklich gut mit den großen und kleinen Jecken. Die Musiktruppen sorgen mit ihren Trommelrhythmen für die karibische Stimmung und bringen die 50.000 Jecken zum Tanzen. Am Elisenbrunnen darf der neunjährige Tim I. (Führen) zuerst seinen Orden an den OB Marcel Philipp und seinen großen Prinzenbruder Thomas II. verleihen. Der OB liegt richtig mit seiner Mutmaßung: „Die Jecken knubbeln sich bestimmt in den Sonnenecken.“ Und eines legen nicht nur Karnevalsprinz Thomas II. und Hofmarschall Tobias Pauels ihrem Tim ans Herz: „Genieß es, wenn du auf dem Wagen stehst, an diesen Tag wirst du dich dein Leben lang erinnern.“ Wenn Tim oben auf dem Wagen thront, reichen ihm zwei Helfer die Süßigkeiten hoch: damit er alle Hände frei hat. Einen wichtigen Tipp muss Tim I. aber befolgen: „Ich darf nur zur Seite werfen, sonst laufen die Kinder vor den Traktor.“

Die kleinen Teufelchen, Prinzessinen und Piraten sammeln am Kengerzoch wieder fleißig Kamelle. Familie Südfeld aus Kohlscheid sichert sich an der Theaterstraße einen guten Platz: „Wir haben meinen Bruder aus den Niederlanden eingeladen. Seit wir Kinder haben sind wir jedes Jahr hier“, sagt Dagmar Südfeld. Ihre Kinder sind zwischen drei und zehn Jahre alt. Die Familie hat sich viel Mühe mit ihren Kostümen gemacht: Dagmar Südfeld ist fantasievoll als Drache geschminkt und die Kinder sind als Maus in den Fellkostümen gut für die Kälte gewappnet. „Das Schöne ist, dass der Zug kindgerecht ist und auch viele Kinder mitmachen“, sagt Dagmar Südfeld. Wenn die Zuschauer dann endlich um 11.11 Uhr „D‘r Zoch kött“ hören und die Aachener Stadtreiter lautstark mit „Oche Alaaf“ den Zug anführen, sind die Jecken nicht mehr zu halten. Von den 96 teilnehmenden Gruppen haben viele das nasse Motto des Märchenprinzen umgesetzt. Die Schüler, Eltern und Lehrer der Gemeinschaftsgrundschule „Am Höfling“ schwimmen vom „Gillesbach bis zur Pau“ als Wassernixen und gruselige Unterwassermonster durch die Innenstadt. Mit ganz einfachen Mitteln haben sie einfallsreiche Kostüme gebastelt: Mit blauen Mülltüten, Fischernetzen und glitzerne Pappe erweckten sie eine geheimnisvolle Wasserlandschaft auf den Straßen zum Leben. Der Kinderzug besticht vor allem durch fantasievolle Kostüme und liebevolle Wagen.

Doch auch die politischen Themen fehlen nicht: Der DJK Armina Eilendorf fordert auf seinem Wagen „Bombardier Talbot gehört zu Aachen wie Kaiser Karl und der Dom“ und viele der integrativen Tagesstätten und Schulen machen die Narren auf das Thema Inklusion aufmerksam. Auf dem Wagen der Gemeinschaftsgrundschule Schönforst wetteiferten die Kinder ganz nach dem Motto „Forster Kinder Löwenstark“ darum, wer am lautesten „Oche Alaaf“ brüllen kann. Die haben im Gegensatz zu Karnevalsprinz Thomas II. noch genügend Stimme. Sein kleiner Prinzenbruder Tim I. hatte da Glück. Seine Mutter ist im gelben Parka als Angelerin verkleidet und heilfroh: „Tim war nicht einmal krank.“ Eine ganz schöne Leistung und ein bisschen Glück bei so vielen Auftritten.

Um die nächste Karnevalssession braucht sich Tim I. keine Sorgen machen, denn er wird als Hofmarschall dem Märchenprinz im nächsten Jahr die wichtigsten Tipps geben. Auch der Zugleiter Frank Prömpeler ist zufrieden: „Alles ist ruhig verlaufen, es waren knapp 3000 Teilnehmer und rund 50.000 an der Strecke.“ Das sind im Vergleich zum schneereichen letzten Jahr rund 10.000 Narren mehr.

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