Aachen - Tihange und die Folgen: Die meisten Fragen bleiben offen

Tihange und die Folgen: Die meisten Fragen bleiben offen

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Was passiert in Aachen bei Atomunfall in Belgien - beispielsweise im Atomkraftwerk Tihange (Foto)? Foto: Andreas Steindl

Aachen. Was passiert in Aachen, wenn es in den gerade einmal 60 Kilometer entfernten Atommeilern im belgischen Tihange knallt? Mit welchem Grad an radioaktiver Verseuchung wird wo gerechnet? Wie wird die Bevölkerung informiert und vor allem evakuiert?

Wie wird – wie zuletzt auch im Stadtrat ergebnislos diskutiert – die Verteilung der Jodtabletten organisiert? Und gibt es für diesen Fall in Aachen überhaupt einen schlüssigen und umfassenden Katastrophenplan?

Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung ist bei diesem Thema groß, zumal gerade erst angekündigt wurde, dass die maroden Reaktoren wieder hochgefahren werden sollen. Und formuliert sind diese Fragen – und etliche andere – auch schon lange: Bereits im Juni dieses Jahres hat das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie der Stadt einen Katalog mit insgesamt 61 Fragen zugestellt. Allein: Auf die meisten Antworten wartet man bislang vergebens.

Am Dienstag, 1. Dezember (17 Uhr, Ratssaal, Rathaus), gibt es im Bürgerforum den nächsten Anlauf. Wieder steht als Tagesordnungspunkt die Frage „Wie ist die Region auf einen schweren Atomunfall im nahe gelegenen AKW Tihange vorbereitet?“ auf dem Programm. Das Thema ist in dem Gremium mittlerweile sozusagen Dauergast, Erhellendes kommt dabei in der Regel aber kaum herum.

Ganz am Anfang, Mitte Juni, hieß es seitens der Verwaltung, die Zeit sei zu kurz gewesen, um Antworten geben zu können. Außerdem seien teils auch die Bezirksregierung beziehungsweise das Land zuständig. Immerhin erfuhr man damals aus dem Munde des mittlerweile abgewanderten Dezernenten Lothar Barth, dass es für Aachen keinen Evakuierungsplan gibt.

Zuletzt ging es dreieinhalb Monate später, Ende September, im Bürgerforum um Tihange und die Folgen. Die Bezirksregierung habe auf die Anfrage noch nicht regiert, hieß es da seitens der Stadt. Auch sonst blieb man die meisten Antworten weiter schuldig – was die Politik deutlich kritisierte.

Man müsse die Ängste der Bürger ernst nehmen und vollständig und transparent informieren, lautete die einhellige Meinung. Beschlossen wurde seinerzeit einstimmig, dass Vertreter von Bezirksregierung sowie deutscher und belgischer Atomaufsicht zur nun anstehenden Dezembersitzung eingeladen und alle Fragen konkret beantwortet werden sollen.

Doch das wir wohl ein frommer Wunsch blieben. Aus Belgien kam eine freundliche Absage – man habe im Moment Wichtigeres zu tun. Das Landesumweltamt und die Deutschsprachige Gemeinschaft sparten sich laut Stadt eine Antwort auf die Anfrage gleich ganz, während die Bezirksregierung ihre Absage damit begründete, dass man „dem Aktionsbündnis die grundsätzlichen Fragen bereits beantwortet“ habe, wie Axel Costard vom städtischen Presseamt auf Anfrage mitteilt.

Bloß weiß man dort davon leider nichts. Jörg Schellenberg, Sprecher des Aktionsbündnisses, muss laut lachen, als er diese Begründung hört. „Keine einzige der 61 Fragen hat uns die Bezirksregierung beantwortet“, sagt er. Und er glaubt nicht, dass sich daran am kommenden Dienstag, wenn wieder einmal Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff berichtet, viel ändern wird.

Denn dass die Stadt seit mehr als fünf Monaten die wichtigsten Antworten schuldig bleibt, hat seines Erachtens wohl nur einen Grund: „Wahrscheinlich möchte man nicht zugeben, wie unvorbereitet man auf eine Katastrophe in Tihange wäre.“

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