Tierschutz statt Hammer: Auktion fällt aus

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
10587527.jpg
Zu einer Pferderallye lädt der Kreuzauer Reit- und Fahrverein ein. Symbolfoto: imago/Steffen Schellhorn

Aachen. Unter den Hammer gehört vielleicht das eine oder andere Hufeisen, mit Sicherheit jedoch nicht der komplette Vierbeiner. So kann man die Kritik des örtlichen Tierschutzbündnisses wohl auf den Punkt bringen.

Und dessen Vertreter haben im Bemühen um das Wohl von insgesamt 14 Pferden und Ponys sowie zwei Eseln jetzt einen aus ihrer Sicht zukunftsweisenden Etappensieg errungen.

Am Montag nämlich ließ Städteregionsrat Helmut Etschenberg mitteilen, dass eine für Montag, 14 Uhr, vorgesehene Versteigerung der Tiere, die jüngst wegen unsachgemäßer Haltung durch das Veterinäramt beschlagnahmt worden sind, aus bestens nachvollziehbaren Gründen abgeblasen worden sei.

Letzteres gilt somit auch für eine Mahnwache, welche das Tierschutzbündnis aus gegebenem Anlass im Vorfeld der geplanten Verkaufsaktion in der Soers veranstalten wollte. „Nach einem intensiven Austausch mit verschiedenen Tierschutzorganisation haben wir am Wochenende entschieden, auf die Auktion in der Albert-Vahle-Halle zu verzichten“, erklärte Etschenberg am Montag. Mehr noch: „Die Veräußerung beschlagnahmter Pferde und Esel soll künftig analog zum Verfahren bei Hunden, Katzen und anderen Kleintieren erfolgen.“

Denn durchaus überzeugend sei vor allem das Argument, dass die Nutztiere bei einer Auktion über Mittelsmänner wieder an genau jene ehemaligen Halter gelangen könnten, die ihnen in der Vergangenheit nachweislich großes Leid zugefügt hätten. Inzwischen habe die Gemeinnützige Tierschutzgesellschaft (GTG), die 1988 von der Aachenerin Romy Lang gegründet wurde, angeboten, für angemessene Unterbringung und artgerechte Vermittlung der Pferde zu sorgen, die momentan in verschiedenen Ställen in der Region einquartiert sind.

In der Tat erscheine es schon angesichts der mittlerweile sogar in der Verfassung verbrieften Verpflichtung zum Tierschutz „wie eine Farce, wenn Lebewesen wie Gebrauchsgegenstände gegen Höchstgebot verkauft werden sollen“, hatte Horst Schnitzler, einer der Sprecher des Bündnisses und Ratsherr der UWG, im Vorfeld gezürnt. Zumal in den konkreten Fällen klar davon auszugehen sei, „dass die Tiere in ihrem bisherigen Leben wenig Gutes erfahren haben“.

Meist seien die Vierbeiner zumindest massiv vernachlässigt worden, mangelhaft ernährt und anfällig für Krankheiten. Überdies wiesen sie häufig schwere Verhaltensstörungen auf. Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten leider gezeigt, dass bei Auktionen oft unseriöse Händler oder Schlachter mitböten. Nicht selten gerieten die Tiere auf diesen Wegen prompt wieder in den Besitz ihrer Peiniger. Weil ersteigerte Pferde von kommerziellen Käufern oft umgehend weiter veräußert würden, seien effektive und nachhaltige Kontrollen durch das Veterinäramt im Hinblick auf artgerechte Haltung in der Praxis vielfach unmöglich.

Diesem Missstand wollen die Behörden nun in Zusammenarbeit mit der GTG sowie den Tierschutzvereinen in der Städteregion einen Riegel vorschieben, betont Etschenberg. Künftig sollen die Initiativen dafür sorgen, dass die geschundenen Kreaturen nur noch an Zweibeiner abgegeben werden, die sich per Vertrag verpflichten, ihnen genügend wirklichen Schutz und angemessene Zuwendung zuteil werden zu lassen. Etschenberg: „Die vorgetragenen Argumente haben mich überzeugt! Wir werden die Details der Zusammenarbeit jetzt regeln.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert