Aachen - Tierschutz-Gala: Ein einziger flammender Appell

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Tierschutz-Gala: Ein einziger flammender Appell

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
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Ein Tier das Glück gehabt hat
Ein Tier das Glück gehabt hat und jetzt alles zurückzahlt: Bordermischlung Jester bereitete mit Herrchen Jan Soencksen den Gästen bei der Tierschutzgala viel Freude. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es lag nicht nur am Ambiente des Ballsaales im Alten Kurhaus, dem konzertanten Streifzug durch die Welt der Operette mit dem Salon-Ensemble Wiener Mélange und herrlichen Stimmen der Gesangssolisten.

Und auch nicht nur an dem lukullischen, vegetarischen Menü aus der Küche von Manfred Tirtey, dass die 3. Tierschutzgala des Tierschutzvereins für die Städteregion Aachen e.V. zu einem unvergesslichen, niveauvollen, aber auch tief bewegenden Abend wurde.

Es lag zum einen vielmehr daran, dass sich die 140 anwesenden Gäste ausnahmslos unter gleichgesinnten, engagierten Tierfreunden und Tierschützern befanden, was bei den Plaudereien in den Tischrunden über Vierbeiner und die Tierwelt im Allgemeinen gegenseitiges Verständnis garantierte.

Das Besondere war, dass zu vorgerückter Stunde als Höhepunkt der Gala die Tierschutzmedaille an einen Menschen vergeben wurde, der seit zwei Jahrzehnten hautnah die grausamsten, millionenfachen Tierschicksale der so genannten „Nutz- und Schlachttiere” in den Fokus seiner Kamera und seiner Veröffentlichungen rückt: Manfred Karremann.

Durch den Abend führte als charmante und überzeugend tierliebende Moderatorin Dr. Claudia Ludwig, bekannt aus der WDR Fernsehreihe: „Tiere suchen ein Zuhause”. Und gleich in der ersten Programmnummer trat der einzige, vierbeinige Star des Abends auf: „Jester”, ein Bordermischling, der die Herzen aller im Sturm eroberte. Zusammen mit seinem Herrchen Jan Soencksen präsentierte er mühelos, stets vor Vergnügen mit dem Schwanz wedelnd, Old School Circus, neckte seinen zweibeinigen Partner, apportierte und turnte ausgelassen mit ihm. Vor neun Jahren hatte ihn der Artist aus einem Tierheim aufgenommen, in dem „Jester” als ein „Überforderungsfall” gelandet war. Heute genießt er es, auf Bühnen und beim Straßentheater der King und in den Parks „der Schnellste” zu sein.

Die Tiere aber, für die Manfred Karremann sich engagiert, haben nie in ihrem Leben eine glückliche Sekunde gehabt. „In diesem Jahr ehren wird den freien Journalisten, Dokumentarfilmer und Autor Manfred Karremann, der sich für Tiere einsetzt, die im verborgenen Leben, um die die sich keiner kümmert”, leitete Lutz Vierthaler, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins, die Laudatio ein. „Es sind die so genannten Nutztiere, die verdammt werden, in Tierfabriken auf die Welt zu kommen, um dort kurze Zeit gemästet, unter unwürdigen Zuständen gehalten und am Ende unter Qualen getötet werden”, so der Laudator.

In erschreckenden Bildern berichte der schon mehrfach ausgezeichnete Reporter in Dokumentarfilmen, Artikeln und Büchern über tierquälerische Massentierhaltung, sinnlose Tiertransporte und das grausame Töten der Tiere, wenn es um den schnellen Profit und billige Ressourcen geht. Seine Dokumentationen über Tiertransporte hätten durch Unterstützung von sechs Millionen Protestschreiben dazu geführt, dass die EU-Subventionen für Tiertransporte gestrichen habe und somit ein lukratives Geschäft mit Tierleid eingeschränkt wurde.

Todesstation in Spanien

Tief beeindruckt zeigte sich der neue Träger der Aachener Tierschutzmedaille in seinem Dank von der Ausstattung und den neuen Ideen des Aachener Tierheims, erinnerte aber auch an die Todesstation für Tiere in Spanien. Er selbst habe als 14-Jähriger mit Tierschutzarbeit angefangen, nachdem er die Käfighaltung von Hühnern kennen gelernt hatte. Und als er zum ersten Mal in einem Schlachthof den Blick eines sterbenden Schweins gesehen habe, bei dem die Betäubung durch eine Elektrozange versagt hatte, habe er sich „für den schönsten Beruf: Reporter in Sachen Tierschutz entschieden”.

Heute hat Karremann selbst bis zu 177 Patentiere (auch in anderen Ländern), seien es Kühe, Schweine, Ziegen, Pferde, Hunde oder Katzen. In seinem aufrüttelnden Appell dem Tierleid entgegen zu wirken, nannte Karremann Zahlen: In Thailand werden pro Nacht 1000 Hunde und 30.000 Katzen verarbeitet, in China den Hunden bei lebendigem Leibe das Fell abgezogen, um es für Pelzkragen an Jacken zu verarbeiten. „Verzicht kann eine Hilfe für diese Tiere sein”, so der Tierschützer unter anhaltendem Applaus.

Nicht täglich Fleisch essen

Es müsse nicht täglich Fleisch auf dem Küchenplan stehen und es könne auch eine andere Jacke als die mit Pelzkragen gekauft werden.
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