Tierpark: Zwist statt eitel Sonnenschein

Von: Peter Meyer
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Besuchermagnet Tierpark: Auch gestern zog es Jung und Alt zu den Attraktionen des Euregiozoos - wie hier den Pinguinen. Aber eben dieser Zuspruch an einigen Tagen sorgt seit Monaten für Streit mit einigen Anwohnern wegen der Parkplatzsituation im Viertel. Foto: Robert Esser

Aachen. Tierparkchef ist doch eigentlich ein toller Beruf. Gerade an so einem Tag wie Sonntag. Sonnenschein, die Vögel zwitschern, begeisterte Kinder und glückliche Familien bringen jede Menge Leben in den Euregiozoo. Wolfram Graf-Rudolf ist zurzeit allerdings ein ziemlich unglücklicher Mann - gerade weil er Tierparkchef ist.

Wegen wiederholter Beschwerden einzelner Anwohner über wildes Parken sind am Sonntag auf Bitten Graf-Rudolfs erstmals auf breiter Front Verkehrskadetten angerückt, um dem Treiben auf den Straßen Einhalt zu gebieten. Flatterband, Pylonen und Uniformen symbolisieren: Schau genau, wo Du parkst. Patroullierende Politessen verteilen Protokolle.

Eine Situation, wie man sie sonst nur von Großereignissen kennt, zum Beispiel wenn die Alemannia spielt oder ein Flohmarkt stattfindet. Ein verheerendes Signal für den Tierpark, findet Graf-Rudolf. Die Assoziation „Tierpark gleich Knöllchen” dränge sich auf. „Da könnte man ja auf den Gedanken kommen, gleich mit der Familie woanders hin zu fahren.”

Einige Anwohner gehen indes am Sonntag verwundert zu den fünf Verkehrskadetten und fragen, was es denn nun mit Pylonen und Flatterband auf sich hat. Verständnis für die Maßnahme bringen nur die Wenigsten auf. „Ist das wirklich notwendig?”, fragt Oliver Sütsch. „Der Tierpark ist toll, und als wir hierher zogen, wussten wir ja auch, dass er ein Besuchermagnet ist.” Die Aufregung um das Parken rund um den Tierpark kann er nicht nachvollziehen. „Manchmal ist es hier halt eng. Und?”

Kopfschüttelnd steht auch ein anderer Anwohner dabei. Er sagt, er sei ziemlich fassungslos. „Wenige Leute rufen auf Kosten des Tierparks den Ausnahmezustand aus.” Ball flachhalten wäre für den Tierparkchef die wünschenswerte Alternative. „Tierparkwetter” herrsche ja nun beileibe nicht das ganze Jahr über. Tage, an denen es sich vom Besucherandrang her knubbele, „davon gibt es vielleicht acht bis zwölf im Jahr”.

Dann kommt es vor, das ist unbestritten, dass die Besucher kreuz und quer parken: in den umliegenden Wohnstraßen, an und auf Gehwegen und vereinzelt auch auf Rasenflächen rund um den Tierpark. Die Fraktion derer, die sich daran stören, wehrt sich massiv und mit allen Mitteln. Der unglückliche Tierpark-Chef erzählt von Fotos, die von falsch parkenden Autos gemacht und die Halter dann angezeigt werden. Aus jeder beim Ordnungsamt eingehenden „Drittanzeige” gegen Falschparker wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. So will es das Gesetz.

Wolfram Graf-Rudolf greift mit säuerlicher Miene in einen prall gefüllten Ordner - die Korrespondenz ist überbordend. Er zitiert aus einem Brief von Heribert Welter, einem der Beschwerdeführer, adressiert unter anderem an den OB und den Ministerpräsidenten: „Im Namen der Anwohner” fordert Welter darin zum Handeln auf. Es gehe bei der Verkehrsthematik im Viertel um nichts Geringeres als die „Entwicklung zu einem sonntäglichen Rummelplatz auf Kosten der Anwohner”.

Welter selber sieht am Sonntag erste Anzeichen einer Entspannung. Im Gespräch mit der AZ betont er, dass er es von ganzem Herzen begrüße, dass nun endlich etwas getan werde, um die Situation in den Griff zu bekommen. Im Übrigen fühle er sich fälschlicherweise als Tierparkgegner missverstanden. „Ich habe nichts gegen den Tierpark, im Gegenteil.” Er sei sogar Mitglied bei den Tierparkfreunden. Nur die Verkehrsthematik habe sich nie gebessert. „Damit wurden wir schon bei Herrn Graf-Rudolfs Vorgänger vorstellig. Passiert ist ja bis heute überhaupt nichts.”

Immer wieder hatte es in den vergangenen Monaten Gespräche mit den Beschwerdeführern gegeben. Mit der Zusage des Tierparks, an der Entschärfung der Situation zu arbeiten. Dabei hat es jede Menge Gedankenspiele gegeben. Zum Beispiel, einen weiteren Ausgang für den Tierpark an der Adenauerallee zu bauen. Diese Gedanken sind vom Tisch: Ein Ausgang zur viel und schnell befahrenen Hauptstraße ist aus Sicht der Stadtverwaltung aus Sicherheitsgründen nicht praktikabel. Ein Ausgang zum Beverbach scheitert an dortigen Anwohnerinteressen.

Gerade wird seitens der Stadt geprüft, ob Grünflächen vor dem Tierpark in Stellplätze verwandelt werden können. Wobei selbst das den meisten Anwohnern überflüssig scheint. Eine Frau aus der Nachbarschaft sagt, „für die überschaubare Anzahl von Tagen lohnt sich das gar nicht.” Sie rechnet vor: Ein Jahr hat 8760 Stunden. An 15 Tagen sei zwischen 12 und 16 Uhr Hochbetrieb, das sind 60 Stunden. „Es bleiben also 8700 Stunden herrlicher Ruhe in diesem wunderschönen Viertel.”

Und nun? Bis auf weiteres wird Wolfram Graf-Rudolf auf die freundliche Unterstützung der Verkehrskadetten bauen. Als Deeskalationsmaßnahme, sozusagen. Michael Günter, Leiter der Verkehrskadetten, setzt auf eine gewisse Signalwirkung bei den Besuchern. „Es ist ein Versuch, aber zaubern können wir auch nicht.” Mit freundlichen Worten und Hinweisen unterstützen die Helfer die Tierparkbesucher dabei, regelkonformer zu parken.

Die Kadetten werden künftig öfters in Erscheinung treten. Sie schenken dem Tierpark zwei Tage Dienst pro Jahr (den der Tierpark sonst bezahlen müsste) und übernehmen eine Patenschafjavascript:{}t. Gegen 16 Uhr packten die Verkehrskadetten zusammen - mangels Arbeit.
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