Tierpark: Ein „Biber“ und bald eine Karawanserei

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
9821596.jpg
Da hat der Tierparkchef gut lachen: Wolfram Graf-Rudolf freut sich über eine der höchsten Auszeichnungen, die ein Zoo bekommen kann. Für das Gepardengehege gab es den „Biber 2014“ vom Bundesverband der Zootierpfleger. Die Ehre passt gut zum bald anstehenden Jubiläum. 2016 feiert der Tierpark 50. Geburtstag. Foto: Michael Jaspers
9821611.jpg
Auf dem Weg in eine neue „Heimat“: Die Nasenbären ziehen demnächst in ein neues Gehege um. Auch sonst wird einiges verändert. Die Kamele erhalten zum Beispiel neue Stallungen in Form einer Karawanserei. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Aachens Tierpark ist ausgezeichnet. Diese Feststellung würden die rund 350.000 Besucher, die den Euregiozoo an der Oberen Drimbornstraße jährlich besuchen, wohl jederzeit unterschreiben. Ausgezeichnet ist die 89.000 Quadratmeter große Anlage mit ihren rund 1000 Tieren jetzt jedoch einmal mehr auch wortwörtlich.

Der Tierpark hat gar eine Trophäe eingeheimst, die in Fachkreisen als eine Art „Oscar“ für Zoos gilt. Der Verband der Zootierpfleger hat jüngst in Saarbrücken entschieden, dass der „Biber 2014“ in Richtung Aachen geht.

Darauf ist Tierparkchef Wolfram Graf-Rudolf mit Fug und Recht enorm stolz. Die Ehre wurde der Anlage für das Gepardengehege zuteil. Denn mit dem „Biber“ werden Gehege ausgezeichnet, die „eine gelungene Symbiose von artgerechter Haltung und besuchergerechter Präsentation“ sind. Und auch die Arbeitsbedingungen für die Tierpfleger fließen in die Bewertung ein.

In der Begründung des Bundesverbandes heißt es, dass eine solch großzügige Unterbringung einer Geparden-Männergruppe wie in Aachen bisher kaum realisiert worden sei. „Vor allem aber beeindruckte das Bewertungskomitee, mit wie viel Freude uns die Pfleger ihre Anlage in allen Details vorstellten und wie man es schaffen konnte, mit einem kleinem Budget, viel Eigenleistung und Liebe zum Detail so eine gelungene Anlage zu bauen“, geht es mit dem Lob weiter.

Ansporn für die Zukunft

Für Graf-Rudolf und seine 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das natürlich ein weiterer Ansporn, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert, vieles ist umgebaut und modernisiert worden. Was nicht nur für die Tiergehege gilt, sondern auch für die Freizeiteinrichtungen – wie etwa den neuen großen Spielplatz an der Seite zur Beverau hin, an dem auch ein zusätzlicher Kiosk platziert wurde.

Und noch bevor das Jahr 2016 anbricht, soll es weitere neue Highlights geben. Denn dieses Jahr wird für den Tierpark ein ganz besonderes. Die Anlage wird dann ihren 50. Geburtstag feiern. 1966 war sie sozusagen als Nachfolgerin des ersten „Zoologischen Gartens“ in Aachen eröffnet worden. Der befand sich seit 1885 im Westpark, beheimatete neben vielen heimischen Tierarten auch Bären, Tiger und Schlangen. Nach einer zeitweiligen Schließung gab es 1935 eine Wiedereröffnung, doch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten Tiere bei einem Bombenangriff getötet. Nach dem Krieg wurden die Bauten im Westpark abgerissen.

Nasenbären ziehen um

Etwas Ähnliches droht dem Euregiozoo natürlich nicht. Ganz im Gegenteil. Es wird weiter kräftig an der Zukunft gebaut. Auch das im Wortsinn. So berichtet Wolfram Graf-Rudolf, dass die Kamele demnächst ein neues Dach über dem Kopf bekommen. Und was für eins: „Der Neubau wird im Stile einer Karawanserei errichtet“, so der Tierparkchef, der diesen Posten mittlerweile seit 15 Jahren innehat. Anfängliche Schwierigkeiten bei der Planung seien nun überwunden, so dass es nahe der Adenauerallee demnächst losgehen kann. Das gilt auch für das neue Gehege der Nasenbären, die von der Beverau aus mehr ins Zentrum des Tierparks rücken. Auch die Kleinen Pandas werden umziehen und stärker in den Fokus rücken.

Auch weitere Modernisierungen stehen auf dem Plan. Während die Volièren seit einiger Zeit in neuem Glanz erstrahlen, wird das künftig auch für die Pony-Reitbahn gelten, die auch dem therapeutischen Reiten dient. Außerdem will Wolfram Graf-Rudolf einiges im Kassenbereich ändern: „Das sieht ja jetzt doch eher fürchterlich aus“, sagt er mit einem Blick auf das Entrée des Euregiozoos. Und fürchterlich soll im goldenen Jubeljahr 2016 selbstredend gar nichts im Öcher Tierpark daherkommen.

Aktiv sind Graf-Rudolf und seine Mitstreiter indes nicht nur im heimischen Aachen, sondern auch tausende Kilometer entfernt. An der südafrikanischen Küste in der Nähe von Kapstadt wird ein Schutzprojekt für Brillenpinguine tatkräftig unterstützt. Bald wird gar eine ganze Delagtion dorthin reisen, um das Projekt in Augenschein zu nehmen. Jeder Besucher des Tierparks kann dieses Projekt ebenfalls unterstützen – und erhält dafür sogar ein ziemlich knuffeliges Dankeschön. Gegen eine Spende von zehn Euro gibt es an der Kasse einen Stoffpinguin namens „Boldi“.

Domburg ist ganz nah

Im Euregiozoo selbst mit seinen rund 200 Tierarten wird indes weiter geplant und gebaut. So ist auch die witzige Vogelanlage fertig, die stets Vorfreude auf einen Urlaub an der Nordsee macht. Ein Leuchtturm steht in der Volière ebenso wie ein Strandkorb – und es gibt Wegweiser mit den Aufschriften „Domburg“ oder auch „Oostkapelle“. Da macht schließlich – gefühlt – halb Aachen Urlaub. Und der „Biber 2014“ wird auch seinen Platz im Euregiozoo haben. Wo? Natürlich am Gepardengehege.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert