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Thouet-Mundartpreis: Wenn Blues und Platt perfekt harmonieren

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Der Bluesmusiker ganz in seinem Element: Gemeinsam mit Uwe Böttcher an der Geige und Franz Brandt am Piano kredenzte der Preisträger seinem Publikum zwei wunderschöne Bluesballaden und eine fetzige Zugabe.
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Gedruckte Erinnerung fürs Wohnzimmer: Dieter Kaspari erhielt von Oliver Thouet (links) unter dem Beifall von Oberbürgermeister Marcel Philipp die Urkunde mit dem Text für seine Verdienste.
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Musikalische Begleiter: Lars Reichel (links), Eva Maria Arns (hinten) und die eher schüchterne Abordnung der 4a der Domsingschule nach ihren Auftritten.
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Feingeist in Mundart: Dr. Manfred Birmans hielt die Laudatio auf den neuen Preisträger.
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Nicht ganz aktuell: Das Stockpuppenkabarett „Pech und Schwefel“ nahm den Stadtbetrieb ins Visier.

Aachen. Der Mann braucht nicht viele Worte, um doch alles zu sagen. Puristisch, pointiert, poetisch – und vor allem randvoll mit Herz und Gefühl, das ist Dieter Kaspari. Seit Montagabend kennen rund 750 Öcher diese Seiten eines außergewöhnlichen Mannes deutlich besser.

Dieter Kaspari ist Träger des „Thouet-Mundartpreises der Stadt Aachen“ 2014. Ein wunderbarer Preisträger, da waren sich alle nach der Verleihung im Krönungssaal des Rathauses mit umfassendem Programm einig. Der Bluesmusiker braucht nicht mehr als seine Mundharmonika und seine Gitarre, um die Herzen der Menschen zu gewinnen.

Gelungener Höhepunkt

Wie bei einer gekonnten Inszenierung stellt der Auftritt des Musikers zum Schluss der Veranstaltung auch den absoluten Höhepunkt des Programmes dar. Der Star des Abends ist der Star selbst, ohne dass er dies auch nur mit einer Geste oder einem Satz hervorheben würde. Aber seine musikalische Mischung aus Blues und Ballade reißt das Publikum zum begeisterten Applaus hin, trifft mitten ins Herz – oder noch besser mitten in die Öcher Seele. Kaspari sorgt für wunderschöne Momente im historischen Gemäuer.

Harmonischer Sound

Es ist die 30. Verleihung des Thouet-Mundartpreises. Wie in den letzten Jahren sorgt das „Thouet Priis Orchester“ mit René Brandt am Schlagzeug, Heinrich Fries am Saxophon und Ägid Lennartz am Keyboard für einen harmonischen Soundteppich. Den Organisatoren ist vor der eigentlichen Preisverleihung stets an einer gesunden Mischung der Programmpunkte im Wechsel zwischen Tradition und Innovation gelegen. Kein leichtes Unterfangen, wie am Abend offensichtlich wird. Aber vielleicht muss bei einer solchen Veranstaltung nicht jeder Ton exakt getroffen werden, muss nicht jede kabarettistische Pointe sitzen. Aber nicht jeder noch so gewollte grammatikalische Fehler macht Öcher Platt witziger.

Die Öcher Seele ist groß und gnädig. Und wenn sich Laiendarsteller auf eine vergleichsweise große Bühne wagen, ist Milde in der Beurteilung angesagt. Vor allem wenn verlässliche Garanten für unsere Heimatsprache wie Fallschirme im Programm verankert sind. Wie zum Beispiel Hein Engelhardt, von den beiden entspannt-sympathischen Moderatoren Jan und Manfred Savelsberg als „Dichterfürst der Öcher Sproech“ angekündigt. Engelhardt wäre vermutlich sowieso aufgetreten – aber dass er dies auf ausdrücklichen Wunsch Dieter Kasparis tut, spricht für dessen innige Verbundenheit zum Platt. Engelhardt selbst dankt dies mit einer bezaubernden Erzählung, die ihm quasi Lennet Kann aus dem Himmel ins Ohr geflüstert hat. Es gibt ihn im Gottesreich, den Öcher Stammtisch, an dem alle wichtigen Aachener Platz genommen haben und bei dessen Betrachtung selbst „et Herrjöttche“ schon mal schmunzeln muss. Der Nestor der Öcher Sprache verneigt sich vor dem Blueser und der umarmt ihn dafür innig.

Ein weiterer Mann sorgt an diesem Abend für ein Stern(viertel)stündchen – Dr. Manfred Birmans, Mitglied des Thouetpreis-Kuratoriums und 1998 direkter Nachfolger Engelhardts als Preisträger. Der promovierte Pädagoge erteilt eine gerne angenommene Nachhilfeeinheit in Sachen feinster Mundart und gibt eine treffende Beschreibung aller Preisträger: „Belustert me sich ens met Rouh die Liiß va Priisdräjer, da sprengt tireck ejje Och, dat deä konterbonkte Houf va Je-iehrde e Jemengsel es uus Thiaterlü, Liehrer, Politiker, Vöördragskönstler, Mullejander, Jrammatiker, Poete, Jeäslije, Ziedongksmächer, Kabarett än Musiker.“ Als Musiker steht Dieter Kaspari in der Preisträgertradition von René Brandt, Ägid Lennartz, Capella a Capella und anderen Tonkünstlern. Aber als Bluesmusiker besitzt er ein Alleinstellungsmerkmal in der Liste der Geehrten. Oder wie Manfred Birmans es ausdrückt: „Et es ze erwaade, dat vür d‘r Dieter Kaspari niekstens als John Lee Hooker uus et Jokebsveddel fiere.“ Und er hält für den Ausgezeichneten das höchste Öcher Lob bereit: „Du bes jar net esue schleäht.“

Noch einmal kann Kaspari Luft für seine Songs holen, als Gastgeber Oliver Thouet den Text der Urkunde vorliest, und die besonderen Verdienste des Musikers fürs Öcher Platt hervorhebt. Jeder seiner Zuhörer bekäme bei den Konzerten ein Gefühl für die Heimat.

Große Glaubwürdigkeit

Genau dieses Gefühl lebt der Geehrte dann auf der Bühne vor und kreiert den schönsten Teil des Abends. Mit der ihm so typischen Gelassenheit, Bescheidenheit und leichtem Lächeln dankt er seinem Laudator: „Eine gute Wahl – aber nur weil sie für mich Ansporn ist.“ Dann macht er das, was er am besten kann: Bluesmusik mit Öcher Platt-Texten. Begleitet von seinen musikalischen Weggefährten Uwe Böttcher an der Geige und Franz Brandt am Klavier singt er „Oche, du bes ming Stadt“ und „Wer net dröumt, der leävt net.“ Kaspari ist da ganz Bühnenprofi ohne jeden Hauch von falscher Routine. Er ist glaubwürdig. Es folgen die obligatorische Zugabe und das noch obligatorischere „Urbs Aquensis“. Dann ist Händeschütteln angesagt und man wird den Eindruck nicht los, dass sich Dieter Kaspari am liebsten wieder auf seinen Barhocker zurückziehen würde, mit seiner Gitarre und seiner Mundharmonika.

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