Aachen - Thomas Manns packende Parabel erstmals auf deutscher Bühne

Thomas Manns packende Parabel erstmals auf deutscher Bühne

Von: Ines Kubat
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Schlichtes Bühnenbild für eine berühmte Parabel über Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile: Stefan Rogge inszeniert Thomas Manns Erzählung „Mario und der Zauberer“ im Mörgens. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein wenig wie ein Schwelbrand mutet die Stimmung an: Irgend etwas Bedrohliches glimmt im Untergrund und wartet nur auf ein wenig Sauerstoff, um in Flammen aufzugehen. Denn nur vordergründig geht es in Thomas Manns Novelle „Mario und der Zauberer“ um einen Familienurlaub des Erzählers in Italien.

Als erstes Theater in ganz Deutschland hat das Mörgens die Prosa des Nobelpreisträgers in ein Bühnenstück umgeformt; und das feiert am Donnerstag,14. November um 20 Uhr, Premiere.

Das Werk beruhe auf einer tatsächlichen Reise der Familie Mann in einen italienischen Küstenort Mitte der 20er Jahre, als die Faschisten dort bereits drei Jahre an der Macht waren, so Regisseur Stefan Rogge, der die Fassung für die Bühne geschrieben hat.

Nach Vorbild des klassischen Theaters werden fünf Schauspieler auftreten, die alle in mehreren Rollen zu sehen sein werden. In Anlehnung an das Buch sei der erste Teil des Stückes eine Vorgeschichte, in der ein Erzähler – Manns Alter Ego – von seltsamen Situationen im Italienurlaub seiner Familie berichtet.

Denn Eltern und Kinder verspüren ein gewisses Unbehagen, das sie jedoch nicht so recht erklären oder in Worte fassen können, erklärt Dramaturgin Katharina Rahn. So zum Beispiel, als die Familie in einem Restaurant essen will, dort jedoch „Fremde“ keinen Zutritt haben. Solch kleine Momente versinnbildlichen die damalige Gesellschaft, welche bereits vom Gedanken der Fremdenfeindlichkeit erfasst wurde.

Und tatsächlich: Die Rezeption deutete schon zur Zeit der Veröffentlichung des Werks auf eine politische Kritik Manns hin. Im Laufe des Stücks nehmen die Situationen, mit denen die Protagonisten konfrontiert sind, immer groteskere Formen an, sodass die Eltern schon bald ans Abreisen denken, wäre da nicht eine Zaubershow, die die Begeisterung der Kinder weckt: Und diese Zaubershow ist Dreh- und Angelpunkt des rund 90-minütigen Stückes, in dem sich die Spannung bis zum Zerreißen steigert.

Denn Zauberer Cipolla – gespielt von Thomas Hamm – findet größtes Gefallen daran, Menschen vorzuführen und zu demütigen. Und dafür findet er ein geeignetes Opfer: den Kellner Mario (Felix Strüven), einen „sehr feinen und höflichen jungen Mann“, wie Regisseur Rogge ihn beschreibt. Unter einem bedrohlich roten Baldachin spinnt Cipolla seine makabren Zauber und treibt sein Spiel gefährlich auf die Spitze.

Insgesamt sei die Inszenierung trotz der thematischen Tiefe von einer gewissen Leichtigkeit geprägt, erzählt Dramaturgin Rahn. So sei die Sprache gespickt von bissigen Kommentaren. Bühnenbild und Musik scheinen eher dem Hang des Regisseurs zur Einfachheit des klassischen Theaters geschuldet: So lässt Rogge auf einem hölzernen Steg spielen und überträgt die musikalische Verantwortung Malcolm Kemp, der live eine interessante Mischung mit italienischer Folklore erklingen lässt.

Noch können Theaterfans Restkarten für die Premiere ergattern. Doch auch danach sind im November, Dezember und auch im neuen Jahr weitere Vorführungen geplant. Tickets und Informationen sind unter www.moergens.de erhältlich.

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