Aachen - Thomas II. angelt sich die Herzen

Thomas II. angelt sich die Herzen

Von: Robert Esser und Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Ein Hobbyangler im Konfettiregen: Thomas II. Sieberichs ist Prinz Karneval 2013. Bei seiner Proklamation begeisterte der 44-Jährige mit seiner herzlichen Art. Das Lächeln trug er durch die Nacht. Foto: Andreas Schmitter
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Angelt sich die jecken Herzen: Thomas II. Sieberichs im Prinzenspiel

Aachen. Petri Heil. Oder besser Oche Alaaf! Das Narrenvolk hat angebissen, als Hobbyangler Thomas II. Sieberichs im ausverkauften Eurogress als Prinz Karneval proklamiert wird, huldigt das Meer der Jecken dem tollen Hecht. Von wegen still ruht der See. „Ein dicker Fisch“ singt Thomas II. und eine Welle der Begeisterung wogt durch den Saal. Eben noch hockte er mit seiner Rute in einem sympathisch-klassischen Prinzenspiel nach nicht immer prächtiger Sitzung auf dem Marktbrunnen, nun strahlt er in vollem Ornat.

Rasant mag das Prinzenspiel entstanden sein – Wolfgang Pauels, Krippekratz im Hofstaat, hat es während einer Autobahnfahrt entwickelt. Mit viel Herz und Sinn für die kleinen, feinen Momente wird es vom neuen Hofstaat dargeboten. Sieberichs spielt den Öcher Jungen, der Prinz werden will, das aber erst werden kann, wenn er im Eäzekomp einen Fisch angelt.

Der Teufel will – siehe Dombausage – den Öchern ans Leder, eine clevere Marktfrau (Hofstaat-Mundschenk Carsten Ganzauge) und ein Fischhändler (Wehrhafter Schmied Marcel Meis) überlisten jedoch in bewährter Manier den Teufel und lassen den Angler einen Fisch aus dem Brunnen ziehen. Ende gut, alles gut und Prinz und Hofstaat haben den ganzen Saal am Haken.

Im Nu hat Thomas II. die Herzen der Öcher – 1400 sind es im Eurogress – gewonnen. Die Fassung dagegen verliert er einen klitzekleinen Moment. „Ich bin sprachlos“, sagt er ganz sympathisch. Ein paar Gläser Mineralwasser – Thomas II. hat vollmundig angekündigt, während der 320-Termine-Session keinen Tropfen Alkohol zu schlucken – sucht er immer noch nach passenden Beschreibungen: „Es ist überwältigend. Das kann nur nachvollziehen, wer selbst schon da oben stand.“ Er ist der 84. Prinz Karneval der Stadt Aachen.

Das überwältigende Glücksgefühl trägt Thomas II. in Form eines Lächelns durch die Nacht. Die Session hat begonnen, der jecke Kranfahrer freut sich auf seine Tour durch die Säle. „Ich will mit allen Vereinen feiern“, sagt er. Und wie ernst ihm diese gemeinsame Fröhlichkeit ist, war beim großen Finale der Proklamation zu sehen: Stolze 48 Minuten zogen die 54 Aachener Karnevalsvereine auf die Bühne, um Tollität die Ehre zu erweisen. Und Thomas II. herzte jede Tänzerin, jeden Gardisten, jeden Musiker, jeden Präsidenten.

Doch es ist dieses letzte Bild von der Bühne, was hängen bleibt: Thomas II. schwingt fast schon übermütig sein Zepter, eine prächtige kleine Angel, filigrane Goldschmiedekunst. So hat er sich die Öcher Jecken geangelt. Und dem AKV ist mit dem 111-Kilo-Mann ein – rein karnevalistisch – ganz dicker Fisch ins Netz gegangen.

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