Aachen - Thermalwasserroute: Dampfendes Bahkauv und riesiger Tropfen

Thermalwasserroute: Dampfendes Bahkauv und riesiger Tropfen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Thermalwasserroute? Da war doch mal was. Genau: Schon seit Jahren hat die Bürgerstiftung Lebensraum im Sinn, das stärker ins Bewusstsein zu rücken, was Aachen zu Glanz und Gloria verhalf: die heißen Quellen. Öffentlich war es um das Thema zuletzt stiller geworden, aber hinter den Kulissen wurde kreativ gearbeitet.

Auf dem Tisch liegt nun eine Präsentation, die ihre Macher als „Grobkonzept“ bezeichnen. Dabei ist sie alles andere als grob, sondern mit höchst bemerkenswerten Konzeptionen und Ideen gespickt. Auch einen Namen hat man für die Route bereits parat: „aachen 72°celsius“.

Das Konzept umfasst zehn Stationen in der Innenstadt. Dazu kommt eine App für Tablets und Smartphones. Diese soll so funktionieren, wie man es bereits bei der Ausstellung „Sprechende Knochen“ im Centre Charlemagne zu sehen bekam. Und zwar mit der sogenannten „augmented reality“, der „erweiterten Realität“.

Steht man an einem bestimmten Ort und schaut auf den Bildschirm, dann erscheinen Darstellungen aus vergangener Zeit oder Animationen – so, wie es dort einst aussah und zuging. Mehr noch: Es soll auch ganz neue Attraktionen geben. Darunter ein Bauwerk in Form eines riesigen Wassertropfens auf dem „Platz für Wasserkunst“ im Hof des „Aachen Fensters“, der bislang ein vernachlässigtes Dasein fristet. Die zehn Stationen im Überblick:

1. Centre Charlemagne

Der Startpunkt der Route. Am Siedlungsmodell im Foyer des Gebäudes können die Thermalquellen entdeckt werden. Von dort aus weisen dann via App perlende Wassertropfen auf dem Handybildschirm den weiteren Weg.

2. Hof

An der „Keimzelle Aachens“ geht es um die ältesten Spuren des Thermalbadens in Aachen zur Römerzeit. Die digitale Spurensuche beschäftigt sich mit der Quellfassung der Quirinus-Quelle, den Portikusfundamenten und mehr. Auch geht es um die medizinische Nutzung des Wassers im Mittelalter – Stichwort „Bläsius Hospital“.

3. Platz für Wasserkunst

Das Stichwort lautet: „Die Kaiserquelle unter den Füßen“. Ein Hit könnte dabei besagter Wassertropfen werden. Sein Volumen soll dem entsprechen, was die Kaiserquelle binnen zwei Stunden an Wasser ausstößt. Der Tropfen soll mehrere Elemente enthalten, so etwa eine „Geruchsdüse“, mit der man das Thermalwasser riechen kann und ein Filmfenster, in dem die Herkunft des Wasser verfolgt wird. Dazu gibt es Animationen wie eine „Zeitreise zum Quellsumpf“ oder auch Einblicke in Technik- und Kesselanlagen.

4. Mayersche Buchhandlung

Einerseits kann man dort via „erweiterter Realität“ Grundrisse nicht mehr existierender Gebäude wie etwa der Büchel-Thermen entdecken. Andererseits soll sich ebenfalls virtuell der im Schaufenster stehende Apsisstein der Therme näher untersuchen lassen. Die Vitrine soll ausgebaut werden.

5. Bahkauv

Das sagenhafte Bachkalb wird mittels Computertechnik zum Leben erweckt, es geht um Mythen und Geschichten – auch auf Öcher Platt. Geschichtlich gesehen kommt Kaiser Karl ins Spiel. Mittels App kann man die Entwicklung des Kaiserbades anhand alter Darstellungen nachvollziehen. Jede Stunde sollen der Platz und das Bahkauv „stimmungsvoll mit Dampf inszeniert“ werden.

6. Nikolausviertel

Hier geht es um die „Stadt im Wandel“. Die Spurensuche führt zu den großen Kurhotels der Vergangenheit, wie etwa dem einstigen „Großen Monarch“ am Büchel.

7. Galerie des Alten Kurhauses

Steht man dort und schaltet die App ein, dann sieht man Kurgäste im 17. und 18. Jahrhundert flanieren, die auch noch ihre Reiseanekdoten zum Besten geben.

8. Elisenbrunnen

In der Rotunde kann man das „Heilwasser fühlen“. Ein besonderer Clou: Die auf den Tafeln verewigten „Promis“ sollen per App lebendig werden. Eine „Sounddusche“ soll Atmosphäre und Stimmung beim Kuren am Trinkbrunnen wiedergeben.

9. Elisabethhalle

An Aachens wunderschönem Jugendstilbad soll sich alles um die Themen „Baden, Bäder, Badeärzte“ drehen.

10. Münsterplatz

Hier schließt sich der Kreis mit dem Thema „Heilwasser verbindet“. Es soll eine Darstellung der einstigen Münstertherme geben. Zeitzeugen sollen über Geschichte und Gegenwart erzählen.

Bau und Finanzierung

Die Gesamtkosten für „aachen 72° celsius“ werden derzeit auf rund 900.000 Euro geschätzt. Die größten Posten sind die Entwicklung der virtuellen Inhalte (300.000 Euro) und der riesige Wassertropfen nebst Aufwertung des Platzes der Wasserkunst (knapp 340.000 Euro). Die Politik hat schon 2014 zugesagt, dass sich die Stadt mit 100.000 Euro beteiligt. Weitere Zuschüsse könnte es durch den Landschaftsverband Rheinland und die NRW-Stiftung geben. Darüber hinaus sollen private Sponsoren gewonnen werden. Der Startschuss soll 2017 fallen. Heute (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße) befasst sich zudem der Planungsausschuss mit dem Thema.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert