Aachen - Therapeuten-Einsatz in Kitas bleibt bestehen

Therapeuten-Einsatz in Kitas bleibt bestehen

Von: Stefan Herrmann
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Bunter und deutlicher Protest vor dem Rathaus: Rund 250 Kita-Therapeuten, Erzieher, Eltern und Kinder demonstrierten für den Erhalt der therapeutischen Arbeit in den Kindertagesstätten in seiner bisherigen Form – mit Erfolg. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Déjà-vu im Kinder- und Jugendausschuss: Wie bereits vor einem knappen Jahr hat die Politik erneut Pläne der Verwaltung einkassiert, bei den Therapeuten an städtischen Kitas den Rotstift anzusetzen. Vielmehr soll der „alltagsintegrierte Einsatz“ weiter verfolgt werden, also die Betreuung und therapeutische Versorgung der Kinder direkt vor Ort in den Einrichtungen.

Zudem forderte die Politik die Verwaltung auf, „rechtzeitig vor Beginn der Haushaltsberatungen für 2018“ ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, wie die therapeutische Versorgung an den Kitas langfristig gesichert werden kann.

Viele der betroffenen Therapeuten setzten vor der Sitzung, unterstützt von Eltern, Kindern und Kollegen, ein deutliches Signal. Vor dem Rathaus und im Sitzungssaal demonstrierten insgesamt rund 250 Menschen für den Erhalt des bisherigen Systems. Auch die Gewerkschaft Verdi hatte im Vorfeld deutlich Position bezogen und den Vorschlag der Verwaltung harsch kritisiert.

Klare Botschaft

Und Kritik hagelte es dann auch in der gemeinsamen Sitzung des Kinder- und Jugendausschuss und des Schulausschusses am Dienstagabend im Ratssaal. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns dieses Jahr schon wieder mit dem Thema beschäftigen müssen“, stellte SPD-Sprecher Patrick Deloie der Verwaltung kein gutes Zeugnis aus, um sogleich die Botschaft Richtung Therapeuten zu senden: „Die große Koalition stimmt der Vorlage der Stadt nicht zu.“ Dafür ernteten er und seine Koalitionskollegen sogleich Applaus von den vielen Sitzungsbesuchern im Ratssaal.

Der städtische Fachbereich war zuvor in seiner Kalkulation zu dem Ergebnis gekommen, dass das bisherige System der Therapeuten ein jährliches Defizit von 500.000 Euro einfährt. Tendenz steigend. Seitdem sich der Landschaftsverband Rheinland (LVR) im vergangenen Jahr aus der Finanzierung der Therapeutenstellen an Kindertagesstätten zurückgezogen hat, habe sich die Kostenseite dramatisch verschlechtert. Eine von der Politik in Auftrag gegebene Abrechnung mit den Krankenkassen habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Daher sollte nach Ansicht der Verwaltung „ab Beginn des neues Kita-Jahres von einer weiteren Abrechnung mit den Krankenkassen abgesehen werden“.

Man wolle sich darüber hinaus bemühen, ein neues „Konzept/Übergangsszenario“ zu erstellen. Infolge dessen sollten zunächst die sechs befristeten der insgesamt 24 Vollzeitstellen bei den Therapeuten im Sommer gekündigt werden. Wie und wo die restlichen Therapeuten hätten eingesetzt werden können, wurde aus der Verwaltungsvorlage nicht klar ersichtlich. Es könnten sich aber „neue Handlungsmöglichkeiten mit Blick auf Akteure, Refinanzierung und Einsatz der TherapeutInnen ergeben“, so die Stadt.

All dem erteilte die Politik am Dienstag eine Abfuhr. „Es geht darum, wie wir mit Kindern, die von einer Behinderung bedroht sind, in unserer Stadt umgehen wollen“, stellte der kinder- und jugendpolitische Sprecher der CDU, Peter Tillmanns, klar. Diese Meinung fand fraktionsübergreifend Zustimmung. Nur den Grünen war der neue Beschlussvorschlag der schwarz-roten Koalition nicht konkret genug. Doch ihr eigener Antrag erhielt keine Mehrheit.

Neue Stellen bei den Kita-Therapeuten, so entschied der Ausschuss schließlich mit zehn Ja- und vier Nein-Stimmen, seien zwar vorerst nicht vorgesehen. Aber die bestehenden Stellen sollen komplett erhalten bleiben. Die Arbeit in so genannten multiprofessionellen Teams in den Kitas soll fortgeführt, die Abrechnung mit den Krankenkassen weiter forciert werden. Auch die freien Träger sollen stärker in ein gesamtstädtisches Konzept involviert werden. Damit alle Beteiligten 2018 nicht das nächste Déjà-vu erleben. Allerdings: Schon 2016 wurde in ähnlicher Weise entschieden. Nun, so hoffen alle, soll es schlichtweg besser gemacht werden. Zunächst im Stadtrat. Der tagt am 22. März.

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