Themencheck: Wieso werden Windparks in unberührter Natur geplant?

Themencheck: Wieso werden Windparks in unberührter Natur geplant?

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Kira Drews (17) fragt im Themencheck, ob bei der Planung von Windparks der Profitgedanke über dem Naturschutz steht. Foto: Michael Jaspers

Schüler fragen, Politiker antworten: Kira Drews, 17 Jahre, vom Aachener Pius-Gymnasium, stellt die Planung von Windparks in Aachen in Frage: Wieso werden Windparks in Aachen an Stellen unberührter Natur geplant, anstatt auf Flächen, wo sie niemanden stören würden? Steht hier der Profitgedanke über dem Naturschutz?

Alexander Gilson, CDU

„Förderung erneuerbarer Energien ist aktiver Naturschutz. Ein Windpark muss in sich natürlich wirtschaftlich sein, wobei nicht der Profitgedanke sondern eine windstarke Fläche das Entscheidungskriterium ist. In einem sehr umfangreichen Verfahren wurde in den vergangenen Jahren jede Fläche der Stadt Aachen daraufhin in Augenschein genommen. Herausgekommen sind die jetzt ausgewiesenen Flächen im Aachener Norden und im Münsterwald.“

Heike Wolf, SPD

„Nein, wir stehen zum Natur- und Umweltschutz. Wir wollen aber mit unserer Entscheidung „Ja zur Windenergie“ zum Ausbau von erneuerbaren Energien in Aachen beitragen. Wir haben zuvor die verschiedenen planerischen, energiewirtschaftlichen und ökologischen Belange gegeneinander abgewogen. Das Problem ist aber, dass wir in Aachen über wenig geeignete Flächen für Windkraftanlagen verfügen. Deshalb fordern wir seit Jahren eine regionale bzw. euregionale Betrachtung.“

Sabine Göddenhenrich, Die Grünen

„Auf der Basis umfassender Untersuchungen wurden zwei mögliche Flächen für neue Windkraftanlagen ausgewählt. Wir haben uns dabei auch für den Münsterwald als Standort für Windräder entschieden, weil es dort gute Windverhältnisse gibt, weil die Standorte ausreichend weit von Wohnbebauung entfernt sind, es sich um einen reinen Wirtschaftswald mit Nadelbäumen handelt und der ökologische Eingriff absolut verträglich ist. Mit Profitdenken hat das nichts zu tun.“

Eckart Mueller, FDP

„Die Beschlüsse zur Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) enthalten keine Begründung. Eine Vorschrift, ein Areal der Stadt für WEA auszuweisen, gibt es nicht. Daher konnte sich jeder denken, was er wollte. Der Beitrag zur Verbesserung der CO²-Bilanz ist marginal (Münsterwald 7 WEA, deutschlandweit circa 24000 WEA onshore, also an Land). Die Vermutung, der Profitgedanke habe die Entscheidung bestimmt, ist daher berechtigt. Dem werden über zehn Hektar Wald geopfert.“

Jörg Hofmann, Die Linke

„In Aachen werden keine Windparks an Stellen unberührter Natur errichtet, der Münsterwald z.B. ist ein Wirtschaftswald. In unserem dicht besiedelten Land gibt es kaum Flächen, auf denen Windkraftanlagen niemanden stören würden. Die Linke tritt für den schnellstmöglichen Umbau der Energieversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energien ein. Dazu muss auch die Stadt Aachen einen Beitrag leisten. Bei den Verträgen mit Betreibern fordern wir größtmögliche Transparenz.“

Hermann Tücks, FWG

„Der Windpark Münsterwald ist sehr wahrscheinlich eine Fehlplanung. Alle uns bekannten Tatsachen zu Naturschutz und Wirtschaftlichkeit weisen darauf hin. Zudem darf man nicht vergessen, dass die Stawag für die Stadt Aachen ja bereits einen halben Windpark vor Düren neben der Autobahn gebaut hat, es geht also auch außerhalb von Wäldern. Wenn die Stawag Windparks betreiben will, so kann sie das - wie es auch andere Stadtwerke tun – an anderen geeigneteren Orten. Der Bau im Münsterwald gehört vor seiner Ausführung nochmals unter allen Gesichtspunkten auf den Prüfstand. Er ist ein Ergebnis falscher und ideologisch geleiteter Vorarbeiten der bisherigen Planungsdezernentin und Grünen-Kandidatin für das OB-Amt, Gisela Nacken, und unsachgemäßer Beurteilung im Aufsichtsrat der Stawag durch dessen Vorsitzenden Harald Baal (CDU ).“

Eduard Reimann, UWG

„Wenn wir von Atomkraft und Kohlekraftwerken unabhängig werden wollen, kommen wir um Windkraftanlagen vor Ort nicht herum. Das bedeutet jedoch auch, Kompromisse machen zu müssen. Unberührte Natur darf und muss dafür nicht geopfert werden. Nach jetzigem Stand brauchen wir einen Mix regenerativer Energieerzeugung, wobei Anlagen vor Ort – auch im Sinne einer größtmöglichen Unabhängigkeit von den profitgierigen Stromkonzern – Priorität haben sollten.“

Gunter von Hayn, Piratenpartei

„Tja, entweder sind sie weit weg von allen Häusern, dann gibt es oft Probleme mit dem Naturschutz, oder man stellt sie auf Flächen, die für den Naturschutz nicht wertvoll sind. Dann hat man aber meist Anwohner in der Nähe, die sich gestört fühlen. Wirklich leere Flächen, wie z.B. ein ehemaliger Braunkohletagebau, gibt es nicht viele. Übrigens ist der Münsterwald ein gepflanzter und geplanter Nutzwald und keine unberührte Natur.“

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