Richterich - Thema Flüchtlinge: Riesiger Rückhalt in Richterich

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Thema Flüchtlinge: Riesiger Rückhalt in Richterich

Von: Matthias Hinrichs
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Konstruktive Beiträge: Rund 400 Bürger ließen bei der Infoveranstaltung in Richterich keinen Zweifel, dass Flüchtlinge auch in ihrem Stadtteil willkommen sind. Viele brachten Ideen und Anregungen in die Diskussion ein. Foto: Andreas Schmitter
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Hatte keinen schweren Stand – im Gegenteil: Sozialamtsleiter Heinrich Emonts erntete reichlich Sympathie und Solidarität. Die meisten wollten vor allem wissen, wie sie helfen könnten. Foto: Andreas Schmitter

Richterich. „In Ihrer Haut will ich jetzt wirklich nicht stecken.“ Sätze wie diesen hat Heinrich Emonts in den vergangenen Wochen wohl zuhauf gehört, vielfach in unüberhörbar gemischter Tonlage aus menschlicher Anteilnahme und großer, sehr großer fachlicher Anerkennung – zuletzt zum Beispiel aus dem Mund eines erfahrenen Ratspolitikers im Bürgerforum.

Mindestens so rasant wie die diffizile „Sachlage“ in punkto Flüchtlingsbetreuung, die der Leiter des Sozialamts beinahe stündlich neu ausloten muss, dürfte sich dieser Tage allerdings seine innere Befindlichkeit verändern. Trotz aller Professionalität. An diesem Donnerstagabend in der dicht gefüllten Peter-Schwarzenberg-Halle hatte Emonts mal wieder reichlich Anlass zu purer Freude.

Wechselbad der Gefühle hin oder her: Eine derart warme Welle der Sympathie und Solidarität dürfte selten über Politiker und Vertreter der Verwaltung hinweg geschwappt sein. Rund 400 Bürger aus dem Stadtteil ließen keine Zweifel aufkommen, dass sie nicht nur gewillt sind, Asylsuchenden einen ebenso herzlichen Empfang zu bereiten.

Ganz offensichtlich brannten viele gerade zu darauf, sich zu engagieren. Hartnäckig, durchdacht, fantasiereich, manchmal kritisch, aber immer konstruktiv hakten die Fragesteller während des rund anderthalbstündigen Infoabends rund um die Schaffung eines neuen Notquartiers für bis zu 230 Flüchtlinge in der ehemaligen Telekom-Residenz an der Roermonder Straße nach. Mit ihrem Appell an die Hilfsbereitschaft der Richtericher erntete Bezirksbürgermeisterin Marlis Köhne (CDU) gleich zum Auftakt riesigen Applaus.

Turnhalle bald wieder frei

Es sollte nicht der letzte bleiben. Zumal Emonts bei seinen umfassenden Ausführungen zum Stand der Dinge in Aussicht stellte, dass die Turnhalle an der Michaelsbergstraße in Kürze wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werde; die 85 Flüchtlinge, die dort einquartiert werden mussten, können laut Presseamt Anfang kommender Woche in die ehemalige Hauptschule Franzstraße umziehen. Die dort vorübergehend eingerichtete Kita soll erst ab März wieder für den örtlichen Nachwuchs offen stehen.

Dass auch im alten Logistikzentrum am Amstelbach zum Oktober die ersten Flüchtlinge Unterkunft finden sollen, stand im Versammlungszentrum an der Grünenthaler Straße derweil gar nicht mehr zur Debatte – es ging nur noch um die Frage, wie dies optimal und im Schulterschluss realisiert werden kann. Rund 120 Bürger trugen sich als (potenzielle) Helfer in eigens ausgelegte Listen ein, viele nahmen sie mit, um weitere Unterstützer zu aktivieren.

Skeptische Erkundigungen bezogen sich am ehesten auf die Frage, ob in der riesigen Halle über kurz oder lang nicht noch mehr Flüchtlinge untergebracht würden (Emonts verneinte „definitiv“) oder ob die Sicherheit der Gäste im einigermaßen abgelegenen Gewerbegebiet nicht gefährdet sei. Emonts erklärte, dass ein 24-Stunden-Wachdienst eingerichtet werde. Rund um die Uhr seien Ansprechpartner „vor Ort“.

Vera Ferber, Leiterin des Fachbereichs Gebäudemanagement, zeigte auf, dass sich das Objekt an der Roermonder Straße gleichwohl durch hervorragende Lage auszeichne: Bushaltestellen, Kitas, eine Schule, ein Sport- und ein Spielplatz und nicht zuletzt eine Kirche befänden sich in unmittelbarer Nähe. Über die Umbaukosten zwecks Schaffung der nötigen Infrastruktur im Gebäudekomplex selbst könne man derzeit noch nichts sagen – aus politischen Kreisen war indes zu erfahren, dass sie sich etwa im Rahmen einer Million bewegen sollen.

Pfarre nimmt Geldspenden an

Geld- und Sachspenden (fast) aller Art sind natürlich umso mehr willkommen. Heidi Baumsteiger von der Caritas bat allerdings nachdrücklich darum, letztere erst dann zu leisten, wenn der konkrete Bedarf erkennbar sei. Infos gibt es über das neue Internet-Netzwerk „jutestun.de“. Und Pfarrer Josef Voß erklärte unter großem Applaus, dass Geldbeiträge im Pfarrbüro entgegengenommen würden – je eher, je besser. Denn zwar befänden sich die Planer einmal mehr im Wettlauf mit der Zeit, bekannte Vera Ferber. Sie ließ aber keinen Zweifel daran, dass der gewonnen wird – auch und vor allem dank der enormen Unterstützung der Bürger im Stadtteil.

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