Thebens Tragik zwischen Gesetz und Glauben

Von: Alexander Barth
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Tanz auf dem Vulkan aus Gewalt und Glaubenskrise: In der Kammer des Theaters Aachen feiert am heutigen Freitag der Tragödien-Klassiker „Antigone” Foto: Ludwig Körfer

Aachen. „Ich musste als Regisseur gar nicht erst die Keule schwingen; der Stoff ist erschreckend zeitlos”, beschreibt Markus Kopf seine erste Aachener Inszenierung. Mit „Antigone” bringt das Theater zur neuen Spielzeit 2010/2011 einen echten Tragödien-Klassiker auf die Bühne.

Sophokles, unbestrittener Ausnahmedichter der griechischen Antike, schuf vor 2450 Jahren eine noch heute beinahe erschreckend aktuell anmutende Parabel über die menschlich-abgründigen Verhältnisse von Politik und Glaube.

Die Stunde Null. Ein neuer Staat am Beginn seiner Existenz. Die Frage, nach welchen Gesetzen die Menschen in ihm leben werden, stellt sich unweigerlich, damals wie heute. Wer bestimmt über die Umstände? Welche Gesetze sollen gelten? Verblüffend zeitgemäß kommt der Stoff daher, aus der jüngeren deutschen Geschichte mag der Zustand nach Kriegsende 1945 in den Sinn kommen. Diesen Vergleich lässt Markus Kopf durchaus gelten.

In solchen Situationen werden Entscheidungen gefällt, die moralisch schlimm, doch politisch verständlich seien, sagt er: „Auf der einen Seite regieren womöglich Vernunft und Klarheit, auf der Anderen folgen Menschen uralten Glaubensvorgaben”.

So auch im Königreich Theben, in das Sophokles die Handlung platzierte: Die gottesfürchtige Antigone, Tochter des Ödipus (dargestellt von Katja Zinsmeier), stellt den Glauben hoch über das Gesetz. Thebens Herrscher Kreon (Torsten Borm), gleichzeitig ihr Onkel, versucht nach endlos langen unruhigen Zeiten der Zerwürfnisse und Kriege, einen neuen geordneten Staat aus der Taufe zu heben, agiert dabei jedoch auch wider die seit Ewigkeiten geltenden göttlichen Normen. Ein hitziger wie folgenreicher Konflikt entsteht.

In der Inszenierung von Markus Kopf nehmen die Zuschauer in der Kammer dabei die Rolle der Bürger Thebens ein, sollen teilhaben, nahe heran geholt werden. „Kein plattes Anmachtheater”, verspricht Dramaturg Ralph Blase, seit dieser Spielzeit fest am Haus engagiert. „Das Publikum soll vielmehr unmittelbar den Konflikt erleben können”.

Nicht nur er und Regisseur Kopf stellen sich mit ihrer Adaption der Antigone-Übersetzung von Alfred S. Kessler dem Aachener Publikum vor. Neben Katja Zinsmeister geben hier mit Nadine Kiesewalter oder Markus Weickert weitere Neuzugänge im Ensemble des Hauses im Schauspielensemble des Hauses ab. Nach der Premiere am 17. September wird „Antigone” bis Ende März 2011 weitere 17 Mal gespielt.
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