Theaterwerkstatt im Spiegelfoyer: 50 Kinder schnuppern Bühnenluft

Von: Hanna Sturm
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Kleine Leute machen großes Theater: Da wurde auch das richtige Atmen und Reden geübt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Einatmen!” Auf Kommando nehmen etwa 50 Kinder einen tiefen Luftzug, recken ihre Arme nach oben, lassen dann die Luft mit einem vernehmlichen Prusten wieder entweichen und die Hände sinken. „Das sieht ziemlich lustig aus”, kommentiert Robert Seiler von der Bühne das kollektive Atmen, Strecken und Prusten.

Dabei ist Seiler nicht etwa der Trainer einer asiatischen Meditationspraxis, sondern ein aufgeregter Redner, der Atemübungen zur Beruhigung macht. Eigentlich ist Robert Seiler dort oben auf der kleinen Bühne im Spiegelfoyer des Theaters Aachen auch nicht Robert Seiler, sondern Professor Doktor Manuel Cioc, seines Zeichens verwirrter Theaterprofessor bei der Kindertheaterwerkstatt.

Sechsmal in der Spielzeit findet das Angebot für Kinder ab sechs Jahren statt, diesmal dreht sich alles um das Thema „Üben und Fleiß”. „Wir schauen immer welche Stücke wir auf dem Spielplan haben und welche zentralen Themen sie behandeln. Dann versuchen wir, diese auf eine kindgerechte Ebene hinunterzubrechen”, erklärt Theaterpädagogin Katrin Eikholt. So war die Kindertheaterwerkstatt über das Üben angelehnt an die aktuelle Produktion von „Die Macht der Gewohnheit”, auch wenn das Stück selbst weniger im Mittelpunkt stand.

Vielmehr sollen die Kinder erkennen, dass es im Theater immer auch um Sachen geht, mit denen sie selber täglich konfrontiert werden. Während in „Die Macht der Gewohnheit” eine Gruppe von Zirkusartisten krampfhaft versucht, das „Forellenquartett” einzustudieren und zwölf Jahre vergeblich für die Nummer probt, muss Theaterprofessor Manuel Cioc für einen Vortrag üben - eine Situation, die fast alle der anwesenden Kinder bereits einmal in der Schule erlebt haben. Folglich sind sie direkt eingebunden, geben Tipps zur Betonung und Redegeschwindigkeit. Machen auch bei den Atemübungen begeistert mit.

Mit großem Interesse lauschten die Kinder den vier Orchester-Mitgliedern, die sich auf ein Konzert vorbereiten müssen. Aufmerksam beobachten sie die Musiker und geben Anweisungen - „spielt doch mal schneller”, „noch schneller” oder „jetzt mal ganz langsam”. „Wie hört sich das Stück wohl an, wenn nur zwei statt vier Musiker spielen?”, war nur eine der zahlreichen Fragen, mit denen sie das Quartett löcherten.

„Es ist ein bisschen wie Schule, nur dass es lustiger ist. Und wir müssen kein Mathe machen”, sagt die neunjährige Clara . Für die meisten der kleinen Besucher ist das Theater kein unbekannter Ort, sie gehen nicht nur gerne zu den theaterpädagogischen Angeboten, sondern auch in die Aufführungen. „Bei der Werkstatt gefällt mir besser, dass wir selber mitmachen können und an den richtigen Theaterstücken mag ich, dass sie länger dauern und spannender sind”, zieht die zehnjährige Friederike einen Vergleich.

„Wir wollen mit der Werkstatt den Grundstein dafür legen, dass die Kinder das Theater nicht als hohe Kunst verstehen, sondern als etwas, dass sich mit ganz alltäglichen Dingen beschäftigt”, sagt Theaterpädagogin Eikholt. Bei Kindern und Eltern kommt das Konzept an, die Werkstatt ist immer gut besucht.
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