Aachen - Theaterstück „Push up“ thematisiert Gier nach Macht

Theaterstück „Push up“ thematisiert Gier nach Macht

Von: jgr
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Aachen. „Wir wissen beide, welcher Konflikt hier im Raum steht“, heißt es in Roland Schimmelpfennigs Stück „Push up“, das 2001 uraufgeführt wurde. Was de facto im Raum steht, ist die Gier nach Macht. Alle wollen in den 16. Stock, die Chefetage – höher geht es nicht. n.

Oder die Leitung des Zentrums in Delhi. Es entbrennt ein brutaler Kampf um Prestige und Anerkennung. Und immer wieder taucht die Frage auf: „Wer hat sich hier hochgeschlafen?“ In diesem Spiel geht es darum, wer sich am besten verkauft, die perfekte Maske trägt, die Machtspielchen perfekt mitspielt, ohne daran zu zerbreche

Fast alle Charaktere sind verzweifelt in ihrer inneren Leere und Substanzlosigkeit. Die junge Abteilungsleiterin Sabine hat es mit ihren 28 Jahren beruflich schon weit gebracht. Dennoch verzweifelt sie jeden Morgen vor dem Kleiderschrank, ist unfähig die profane Entscheidung zu treffen, was sie denn nun anziehen soll, obwohl sie eine riesige Auswahl blauer Kostüme besitzt. „Dabei finde ich nicht einmal, dass mir Blau besonders steht“, sagt sie. Ihre Chefin ist die Frau des Chefs, der im Stück immer nur „Kramer“ genannt wird.

In – immer wieder eingeschobenen – Monologen, die sich durch das gesamte Stück ziehen, stellt sich heraus, dass auch sie in ihrem Alltag unfähig ist, Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Die Monologe der verschiedenen Charaktere weisen eine frappierende Ähnlichkeit auf, sind an vielen Stellen sogar identisch: nur einer von vielen Hinweisen auf die Austauschbarkeit der Charaktere bis hin zur Verwechslung.

Herausragende Eigenschaft aller ist die Brutalität. Die Protagonisten befinden sich in einer Kampfarena, sind mit Helm und Knieschonern gepanzert und bewehrt. So stoßen, schieben und drängeln sie sich mit ihren Trolleys im Schlepptau über die Spielfläche. Keiner guckt nach rechts oder links, alle sehen nur sich selbst. Dabei hat der stressige Arbeitsalltag bei vielen auch schon seine Spuren hinterlassen. Während der eine klagt, er werde „immer fetter“, kommt der andere nicht mehr von seinem Hometrainer weg. Im Kontrast zur nervenaufreibenden Ellbogen-Mentalität steht ein älteres Paar vom Sicherheitsdienst, das das Geschehen in der Chefetage aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet. Wenn auch die „Angst, dass sich nach Dienstschluss einer erhängt hat“, immer mitspielt.

So gewinnt Regisseurin Nicole Erbe einem ernsten und aktuellen Thema auch äußerst komische Momente ab. Musikalisch live begleitet wird das Ensemble von Julius Scheege am Bass, der gleichzeitig auch „Kramer“ spielt.

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