Aachen - Theaterstück im Kronenberger „Backenzahn“

Theaterstück im Kronenberger „Backenzahn“

Von: Tim Habicht
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Haben die Geschichte von König Ödipus an den Kronenberg verlegt: Maritta Delheid (Gemeinde St. Jakob), Hannes Peter (Pastorreferat), Lukas Popovic (Dramaturgie), Andreas Mauritz (Pfarrer St. Hubertus), Martin Goltsch (Theater AusBruch), Brigitte Köhr (Theater AusBruch) und Christel Schäfer, Leiterin der OT Kronenberg.

Aachen. Die Atmosphäre in Kirchenbauten ist immer etwas Besonderes. Man wird still, ruhig und nachdenklich. Nicht nur deswegen ist der Aufführungsort des neuen Theaterstücks des Theaters „AusBruch“ in Kooperation mit dem Theater Aachen bedeutungsvoll.

Vor dem Altar ist eine Bühne aufgebaut. Die großen, kunstvoll gestalteten Fenster sind abgedunkelt. Ein Ort der Stille, der zum Nachdenken anregt und einen speziellen Rahmen für die insgesamt elf Aufführungen bietet. Aber auch ein Ort der Identitätssuche, die auf dem Kronenberg in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist.

Denn das Stück „King‘s Fate – König Ödipus auf dem Hungerhügel“ wird in der Kirche St. Hubertus, besser bekannt als „Backenzahn“, auf dem Kronenberg aufgeführt.

„Als wir die Anfrage bekommen haben, das Stück im ‚Backenzahn‘ aufzuführen, waren wir zuerst etwas überrascht, aber auch sehr froh. Wir sind stolz, dass das Projekt bei und mit uns realisiert wird“, äußert sich Pfarrer Andreas Mauritz von der Pfarrei St. Jakob. Denn die Kooperation zwischen dem Theater „AusBruch“ und dem Theater Aachen ist durch seine Projekte überregional bekannt.

Vorherige Aufführungen, wie etwa „Romeo und Julia“ in der Nadelfabrik, haben dem Theaterprojekt einen tollen Ruf beschert, der bis nach Berlin bekannt ist. „Und bei unseren Aufführungen haben wir immer Spuren hinterlassen“, weiß Martin Goltsch, der für den Text und die Inszenierung des Stückes „King‘s Fate“ verantwortlich ist.

Im Stück selbst werden drei Ebenen dargestellt: „Die Grundlage bildet der uralte Mythos von König Ödipus. Zudem werden die realen Geschichten der Anwohner als Folie benutzt, um aktuelle Themen darzustellen. Die dritte Ebene werden Video-Interviews mit Bewohnern des Kronenbergs sein“, beschreibt Goltsch. Doch warum ausgerechnet der Kronenberg?

„Es ist ein Viertel im Umbruch. Hier herrscht eine gewisse Untergangsstimmung. Es prallen viele unterschiedliche Strukturen aufeinander. Man spürt beinahe an jeder Ecke den Hauch von Verfall. Das führt zu einer großen Identitätskrise im Viertel“, skizziert Goltsch. Dies passe zur Geschichte des Ödipus, der eine zerrissene Suche nach Identität bestreite.

Dabei dürfe man allerdings kein klassisches Profi-Theater erwarten, das die Geschichte des Ödipus erzähle. „Wir sind ein Laientheater und werden keine eindimensionale Wiedergabe des Klassikers spielen, sondern haben einen künstlerischen Anspruch. Deswegen auch die verschiedenen Ebenen, die miteinander verschmelzen“, sagt Lukas Popovic vom Theater Aachen, der für die Dramaturgie verantwortlich ist.

„Bei uns steht die konkrete Frage nach dem Menschen im Vordergrund“, so Popovic weiter. Das Projekt soll dabei neue Möglichkeiten für das Viertel aufzeigen. Beispielsweise wie es nach der Aufführung von „Romeo und Julia“ in der Nadelfabrik passiert ist. „Durch das Theaterprojekt haben wir am Kronenberg die Chance, zu zeigen, dass hier viel möglich ist und dass der Kronenberg ein besonderer Ort ist“, hofft Pfarrer Mauritz.

Eine wichtige Rolle spiele dabei auch die Offene Tür Kronenberg, die neben dem „Backenzahn“ einer der wenigen sozialen Treffpunkte im Viertel geblieben sei. Sie dient den Schauspielern als Maske, Rückzugsort und Theaterbesuchern in der Pause als Café.

Christel Schäfer, Leiterin der OT und Mitspielerin im Stück, ist begeistert vom Theaterprojekt: „Uns war sofort klar, dass wir dieses Projekt in unserem Räumen abhalten wollen. So eine Anfrage kriegt man nur einmal. Außerdem ist der Gruppenprozess aller Beteiligter, die zwischen 13 und 66 Jahre alt sind und aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten oder Religionen kommen, unglaublich gewesen.“

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