Theaterchef Schmitz-Aufterbeck: „Wir werden alle Stellschrauben prüfen“

Von: Matthias Hinrichs
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Setzt jetzt auch auf Isabel Pfeiffer-Poensgen, die neue Landesministerin aus Aachen: Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Nachdem der erste Szenenapplaus für die designierte Verwaltungsdirektorin des Theaters Aachen Ende September im Stadtrat verebbt ist, wird sich Judith Wollstädter als Nachfolgerin von Udo Rüber im kommenden Jahr auf reichlich Kärrnerarbeit hinter den Kulissen einstellen müssen: Die Debatte um eine nachhaltige(re) Konsolidierung der größten Bühne in der Region nimmt einmal mehr reichlich Fahrt auf.

Immerhin hat Kämmerin Annekathrin Grehling jetzt eine Erhöhung der Subventionen für den städtischen Eigenbetrieb in einer Größenordnung von insgesamt rund zwei Millionen Euro in den nächsten drei Jahren in Aussicht gestellt – wohlgemerkt unter der Voraussetzung, dass das Theater seinerseits einen erheblich höheren „Kostendeckungsbeitrag“ im Rahmen einer neuen Zielvereinbarung zu leisten hätte.

Der beliefe sich nach dem Vorstoß der städtischen Kassenhüterin letztlich auf stolze 18 Prozent des Zuschusspakets – mittelfristig unterm Strich rund 3,8 Millionen Euro pro Jahr. Derzeit liegen die Einnahmen laut Plan bei 3,1 Millionen. Weitere 700.000 Euro müssten also her. Fragt sich nur, wie das Haus diese Summe stemmen könnte. Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck zeigte sich auf Nachfrage am Donnerstag jedenfalls entschlossen, sich der schwierigen Aufgabe zu stellen.

„Wir werden alle Möglichkeiten prüfen, nicht zuletzt durch Erhöhung der Ticketpreise weitere Einnahmen zu erwirtschaften“, betonte er. Immerhin liege der jüngste Dreh an der Preisschraube mindestens vier Jahre zurück. Aber: „Klare Konzepte haben wir da eben noch nicht.“ Preiserhöhungen könnten kein „Allheilmittel“ sein, da stets die Gefahr bestehe, dass das Publikum in der Folge fernbleibe.

Auch das Argument, dass das Aachener Theater im Vergleich zu anderen Häusern in Land und Bund besonders hohe Kosten verursache, will der Intendant so keinesfalls stehen lassen: „Da werden oft Äpfel mit Birnen verglichen. Wir müssen im Gegensatz zu vielen anderen Theatern zum Beispiel sämtliche Mietkosten über unseren Festetat decken.“ Und die seien auch aufgrund der dezentralen Struktur des Eigenbetriebs besonders hoch: Vergleichsweise weite Wege zwischen einzelnen Abteilungen wie Probebühne und Magazin schlügen natürlich ins Kontor.

Auch mit Kürzungen bei verbilligten Karten oder Freitickets ließen sich längst keine großen Einsparungen respektive Mehreinnahmen mehr erzielen. „Die Liste der Ermäßigungen für bestimmte soziale Gruppen füllt eine ganze Seite“ – und da könne man nun einmal nicht rigoros mit dem Rotstift agieren.

„Ich habe aber großes Verständnis dafür, dass auch die Stadt angesichts knapper Mittel unter Druck steht“, unterstreicht Schmitz-Aufterbeck. „Die Zusammenarbeit mit der Kämmerin war stets sehr konstruktiv.“ Allerdings sei auch die Stadt jetzt gefordert, weitere Gelder aus den einschlägigen Landestöpfen loszueisen. Die neue NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen habe ihrerseits bereits angekündigt, dass der Kulturhaushalt des Landes innerhalb der nächsten fünf Jahre stufenweise um 50 Prozent erhöht werden soll. Von den zusätzlichen Mitteln sollten besonders die Kommunen profitieren.

„Das ist eine große Chance, die wir nutzen müssen.“ Nach wie vor erhielten die Häuser an Rhein und Ruhr im Bundesvergleich die niedrigsten Landeszuschüsse bundesweit. Und zur gebürtigen Aachenerin und ehemaligen hiesigen Kulturdezernentin Pfeiffer-Poensgen bestünden beste Kontakte.

Einen fruchtbaren Vorschlag habe die Ständige Konferenz der NRW-Intendanten im Übrigen bereits gemeinsam mit dem Städtetag unterbreitet: So könnte eine Erhöhung der Mittel über drei Prozent pro Jahr für die kommunalen Bühnen von Städten und Land zu gleichen Teilen finanziert werden. „Das Ministerium stand diesem Konzept sehr positiv gegenüber.“

Dass auch über neue „Formate“ wie profitable Musical-Produktionen mehr Geld in die Kassen gespült werden könnte, glaubt Schmitz-Aufterbeck allerdings nicht. „Wir haben kein Tanztheater – also müssten wir die Truppen teuer einkaufen. Letztlich würde sich das nicht rechnen.“

Steigende Personalkosten

Fazit: „Wir haben noch keine klaren Konzepte, aber wir sind gewillt, weitere Beiträge zu erbringen.“ So werde bei einer großen Musikproduktion, die für das Ende der Spielzeit geplant sei, bereits abgespeckt, betont der Theaterleiter.

Und man müsse sehen, dass das Haus angesichts ständig steigenden Personalkosten in den vergangenen 13, 14 Jahren faktisch mit immer weniger Geld habe auskommen müssen, weil das Angebot im Prinzip nicht zurückgefahren worden sei. Dennoch: „Wir werden uns jetzt hinsetzen und sämtliche mögliche Stellschrauben prüfen.“

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