Aachen - Theaterbilanz: In der nächsten Saison droht ein Defizit

Theaterbilanz: In der nächsten Saison droht ein Defizit

Von: Matthias Hinrichs
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Gefüllte Ränge, aber tendenziell weiter leere Kassen: Vor allem die zahlreichen Ticket-Ermäßigungen trüben die Aussichten der Kassenhüter im Theater. Foto: Andreas Schmitter
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Blickt mit gemischten Gefühlen auf die aktuelle und die nächste Saison: Verwaltungschef Udo Rüber.

Aachen. Schmaler denn je erscheint der Grat zwischen Lustspiel und Drama angesichts der jüngsten Bilanzen und Prognosen fürs Theater Aachen – auch und gerade in den buchhalterischen „Sparten“ des größten Musenhorts der Region. So erwarten die Kassenhüter um Verwaltungsdirektor Udo Rüber in der laufenden Saison gar einen Überschuss von rund 80.000 Euro, obwohl im Finanzplan für die Spielzeit 2014/15 ein Defizit von 31.000 Euro kalkuliert war.

Aber: Fürs kommende Wirtschaftsjahr 2015/16 zeichnet sich nach derzeitigem Stand bereits ein Defizit von knapp 600.000 Euro ab – und damit ein tiefer Griff in den Rücklagentopf, in dem laut Rüber momentan noch rund 1,3 Millionen Euro schlummern.

Licht und Schatten liegen derzeit eben auch hinter den Kulissen des Kunsthorts nah beieinander, bekennt der Verwaltungschef. Denn selbst die jüngste Erfolgsmeldung basiert keineswegs allein auf steigenden Besucherzahlen und gut ausgelasteten Produktionen. So sind rund 45.000 Euro in den aktuellen Etat zurückgeflossen – „Kleinvieh“ in Gestalt von Altlasten, die sich in diesem Fall überaus positiv auf die Ertragslage auswirken. „Diese Einahmen resultieren aus der Entwertung von Gutscheinen, die seit Jahren nicht eingelöst worden sind“, berichtet Rüber. Allerdings gehen die Planer ebenso von weiter wachsenden Publikumszahlen aus. Bis zum Sommer sollen rund 165.000 Gäste die Theaterkassen passiert haben. Das wären stolze 15.000 mehr als in der Vorjahressaison.

In Sachen Resonanz zeigt die Bilanzkurve also weiter nach oben. Dennoch müssten die Umsatzerwartungen für die nächste Spielzeit „geringfügig“ nach unten geschraubt werden, fürchtet Rüber. „Das liegt vor allem daran, dass wir in wachsendem Maße verbilligte Tickets anbieten.“ Folge: sinkende Erträge trotz steigender Besucherzahlen. „Langfristig werden wir in jedem Fall darüber nachdenken müssen, vor allem das Abosystem weiter umzustricken und zu flexibilisieren“, folgert Rüber. In der kommenden Spielzeit bleibe in Sachen Eintrittsgelder allerdings alles beim Alten. Das gelte auch für „Preisschlager“ wie das sogenannte „Theater für alle“, das auch bei ansonsten weniger gut frequentierten Operninszenierungen in aller Regel für ein volles Haus sorgt. Statt bis zu 43,50 Euro zahlen Kurzentschlossene bei diesem Angebot nur 7,50 Euro pro Karte.

Besonders heftig freilich schlagen einmal mehr die anstehenden Tarifsteigerungen für die Beschäftigten ins Kontor. Unterm Strich muss das Budget laut Rüber bis Mitte 2016 Gehaltserhöhungen von über fünf Prozent verkraften. Dennoch: „Mit der aktuellen Entwicklung sind wir alles in allem sehr zufrieden. Viele Inszenierungen sind gut ausgelastet, die ,West Side Story‘ bleibt ein absoluter Renner.“ Immerhin verblieben nach derzeitigen Prognosen auch nach der nächsten Saison rund 700.000 Euro im berühmten Rücklagentopf. „Und es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass wir an die Reserve gehen mussten – das Problem haben derzeit ja praktisch alle städtischen Eigenbetriebe.“

Allerdings soll – Stichwort Tarifentwicklung – auch der städtische Zuschuss für 2015/16 weiter wachsen: von derzeit rund 19,4 auf knapp 19,6 Millionen.

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