Theater Tacheles feiert mit neuem Stück Premiere in Klangbrücke

Von: Eva Onkels
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Turbulente Inszenierung: Mit der Komödie „Neurosige Zeiten“ von Winnie Abel begibt sich das Theater Tacheles in eine Wohngruppe psychisch Kranker – und zwar stets mit einem Augenzwinkern. Foto: Stefan Keller

Aachen. Das Theater Tacheles kann man in Aachen fast schon als Institution bezeichnen. 1997 fanden sich im Rahmen eines VHS-Seminars verschiedene Theaterinteressierte zusammen, und nach zwei gemeinsamen Aufführungen gründete sich 2001 der Theater Tacheles e.V.

Seitdem führte die Gruppe fast jedes Jahr mindestens ein Stück auf, darunter waren in den vergangenen Jahren „Arsen und Spitzenhäubchen“, „Top Dogs“ und „Frau Müller muss weg.“ In diesem Jahr zeigt die Gruppe „Neurosige Zeiten“ von Winnie Abel, „eine irre Komödie in 3 Akten“, wie es in dem Flyer heißt. Premiere feiert die Gruppe am Freitag, 15. September, um 20 Uhr in der Klangbrücke. Regie führte, wie auch schon bei den letzten Stücken, Sarah Bingham.

Die Geschichte passt zu dieser Art charmanter Komödie, die ihr Publikum unterhalten möchte: Mit ihren vier Mitbewohnern lebt die sexsüchtige Agnes (Britta Nowack) in einer Wohngruppe für psychisch Kranke, die an eine nahe gelegene Psychiatrie angegliedert ist. „Ich wollte den Vorsitzenden meines Chefs kennenlernen – was ist denn daran Verwerfliches?“, fragt Agnes und bezieht sich auf den Vorwurf, sie habe ihrem Chef in den Schritt gefasst.

Dann ist da die manisch depressive Künstlerin Desirée (Uschi Riemschoss), die, anlässlich des ganzen Wahnsinns um sie herum, wieder zu ihrer Kreativität findet, Waltraud (Madeleine Bell), die Angst vor allem Fremden hat, der Zwangsneurotiker Hans (Philipp Ebbecke) und die Stalkerin Marianne (Gertraude Dörre). Als wäre es nicht schon kompliziert genug, kündigt sich überraschend Agnes’ Mutter (Elisabeth Booi) an. Ihren Eltern, den Inhabern der Hotelkette Adolon, hat Agnes allerdings nichts von ihrem nicht ganz freiwilligen Umzug in die psychiatrische Wohngruppe erzählt.

Diese gehen immer noch davon aus, ihre Tochter lebe in einer großen Villa am Stadtrand. Für Agnes heißt das: Die Wohnung muss nach ihrer eigenen aussehen, die Mitbewohner werden kurzerhand zu Hauspersonal und Lebensgefährten. Zu allem Überfluss kommt jedoch kurz vor Frau Adolon noch Herta, die Tupperwarenverkäuferin (Anne Emans), die von Agnes’ Mitbewohnern erst für Agnes’ Mutter und dann für tot gehalten wird.

Im weiteren Verlauf wird es nur noch turbulenter, wenn Marianne, Stalkerin des berühmten Schlagerstars Hardi Hammer (Klaus Eising), auf ihr Idol trifft. Die zwischenzeitlichen Auftritte der Aktivtheraphieleiterin Rahel (Néomi Havinga) machen die ganze Situation noch grotesker als sie ohnehin schon ist. „Neurosige Zeiten“ bleibt dabei ganz Komödie, nimmt sich selbst nicht zu ernst und darf auch nicht zu ernst genommen werden, denn natürlich sind die Krankheiten, die im Stück klischeehaft von den Patienten dargestellt werden, durchaus ernsthafte und schwerwiegende Erkrankungen.

Dass das Stück all seine Figuren mit einem Augenzwinkern betrachtet, zeigen Durchbrechungen der vierten Wand – also zum Zuschauer gewandte Seitenhiebe – ebenso, wie der Dialog zwischen Herta und Marianne: „In die Psychiatrie? Ich? Ich bin doch nicht verrückt!“, meint die Verkäuferin, woraufhin Marianne lapidar antworte: „Das sagen wir hier alle.“

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