Theater K zeigt „Die Ermordung einer Butterblume“

Von: Laura Hentz
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Die „Ermordung der Butterblume“ auf dem Lousberg: Mona Creutzer, Birgit Jansen, Jochen Deutike und Anton Schieffer sind beim Open-Air des Theater K dabei. Foto: Michael jaspers

Aachen. Das Theater K zieht es auch in diesem Sommer ins Freie. Auf dem Lousberg inszeniert Anette Schmidt „Spaziergänger – Stadtmenschen und ihr seltsames Gebaren an Freiluft und im Grünen“. Um Alfred Döblins „Die Ermordung einer Butterblume“ hat sie dazu Texte von Anna Seghers, Robert Walser und den Gebrüdern Grimm drapiert und so eine satirische Kollage geschaffen.

Hut auf, Spazierstock in der Hand – so schreiten Jochen Deuticke und Anton Schieffer elegant über die grüne Wiese. Sie sehen sich, bestaunen sich und schätzen sich ab. Denn: Beide verkörpern Herrn Michael Fischer, den zweigespaltenen Spaziergänger aus Döblins Erzählung.

„Der schwarzgekleidete Herr hatte erst seine Schritte gezählt, eins, zwei, drei, bis hundert und rückwärts“, heißt es da. Und genauso gleiten die beiden über das von Bäumen und Sträuchern umringte Grün.

Doch die zivilisierte Idylle hat ein schnelles Ende, als Fischer mit seinem Stock im Boden stecken bleibt und seine ganze Wut auf eine kleine gelbe Butterblume entlädt. Perfekt wird das surreale Spiel durch die verschiedensten Spaziergängerinnen – allesamt verkörpert von Mona Creutzer – die mal als Märchenfigur mal als naturverbundene Wandersfrau Fischers Weg kreuzen. Richtige „weibliche Intermezzi“ sind das, lacht Creutzer.

In vielerlei Richtungen wurde der Döblin-Text bereits ausgelegt: Richtet sich der Zorn des Spaziergängers eigentlich gegen die Weiblichkeit? Oder ist es doch der Kampf zwischen Mensch und Natur? Schmidt tendiert zu letzterem: Der Bürger gehe in die Natur, um sich von den Fesseln der Zivilisation ein Stück weit zu befreien, nur um gleich wieder zu versuchen, die Natur zu zivilisieren. Doch es geht ihr nicht um verkopfte Textinterpretationen, sondern um einen humorvollen Abend an der frischen Luft: „Das Stück ist ein großer Spaß geworden“, findet Schmidt.

Die Theatermacher liefern 75 Minuten Kulturgenuss: „Alles was man dann noch zum Wohlsein braucht, bringt man selber mit“, so Schmidt.

Ob Wasser, Wein, Hocker, Decke oder Liegestuhl – das Publikum taucht ein in die Kultur des Spazierengehens und picknickt gleich mit. Sollte das Wetter mal so gar nicht mitspielen, keine Angst: Dann ziehen die Picknicker und Spaziergänger kurzerhand in die Bastei. Und das sei dann keine B-Fassung des Stücks, sondern ein anderes, genauso sehenswertes Augenzwinkern, versichert Schmidt.

Gepicknickt wird am 9., 12., 21., 23. und 30. Juni sowie am 6. und 7. Juli jeweils um 20 Uhr auf dem Lousberg. Der genaue Weg ist von den Parkmöglichkeiten am Lousberg beim „Teufel und Marktfrau“ am oberen Ende der Kupferstraße markiert. Karten sind für 15 Euro (10 Euro ermäßigt) erhältlich im AZ-Mediastore, Großkölnstraße 56, oder direkt beim Theater K unter 151155.

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