Theater K zeigt das Abtreibungsdrama „Keely“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Leichte Kost war die Premiere im Theater 99 nicht. „Keely“, das für den Pulitzer-Preis nominierte Schauspiel von Jane Martin, stellt die Frage, was schwerer wiegt: Freiheitsberaubung, um Leben zu retten oder die Freiheit, Leben zu beseitigen?

Keely ist schwanger. Sie wurde von ihrem alkoholkranken Ex-Mann brutal vergewaltigt. Auf dem Weg zur Abtreibungsklinik wird sie von der Untergrundbewegung „Aktion Rettung“ – militanten Abtreibungsgegnern – entführt und so lange eingesperrt, bis es für einen Schwangerschaftsabbruch zu spät ist.

Es wird für vieles gesorgt: Die Pflege ihres gelähmten Vater wird organisiert, ihr wird finanzielle Unterstützung in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes zugesagt, sogar Adoptiveltern stehen bereit, falls sie sich entscheidet, das Kind nicht zu behalten. Aber: Austragen muss sie es.

So wollen es vor allem die Männer in der Geschichte. „Das haben klügere Köpfe entschieden“, sagt Krankenschwester Du. „Ich hätte mir diese Last nicht ausgesucht.“

Denn nur auf der ersten Ebene sucht die Autorin mit Beschreibungen von Ausschabungen und Vergewaltigung die Antwort auf die oben genannte Frage. Tiefer liegt das Forschen danach, warum Männer Gesellschaften bestimmen, in denen Frauen elementare Verantwortung übernehmen? Keely ist gefangen in einem Leben, das bestimmt ist von Männern, „die immer wussten, was gut für mich ist“. Du geht am Ende für die Taten von „Aktion Rettung“ ins Gefängnis, weil sie Keely nicht verbluten lassen will.

In der Inszenierung von Thorsten Schumann ist Du (Ricarda Schumann) genauso alt wie Keely (Vivane Fröhlich). Dadurch wirken die Kostüme etwas stereotyp: Konservative Abtreibungsgegner tragen flache Schuhe und wadenlange, unförmige Röcke… Durch einen Verzicht auf die Gefängnisszene am Ende hätte Schumann die Konzentrierung auf das eine Bühnenbild – Keelys Gefängnis – noch verstärken können. Gut funktioniert hingegen der Einsatz von Musik und Videoeinblendungen.

Die Herausforderung, in den ganz auf Dialog ausgerichteten Szenen die Spannung hoch zu halten, gelingt dem Ensemble. Besonders die beiden Frauen loten die verschiedenen Seiten ihrer Charaktere gut aus. Wolfgang Merkens spielt Walter, Friedrich Halfmann verkörpert die Rolle des Ex-Mannes Cole. Viel Applaus gab es für einen nachdenklich machenden Abend.

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