Theater K.: Wahrheit und Lüge im packenden Duell

Von: Ines Kubat
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Wer hat was zu verbergen? Eva Weissenböck (links) und Mona Creutzer sind ab 15. November im Theater K in Michael Englers doppelter Charakterstudie „Was wahr war“ zu sehen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Jedes einzelne Wort muss sitzen, sonst könnte die Unternehmerin einfach aufstehen und gehen“, erklärt Autor Michael Engler. Er beschreibt damit die brisante Ausgangslage seines neuesten Dramas „Was wahr war“, das am 15. November im Theater K uraufgeführt wird.

Die erfolgreiche Unternehmerin Evelyn Schönfeld wird von der ehrgeizigen Journalistin Simone Wiegand durch einige Tricks in ein Interview gelockt. Denn die Journalistin vermutet, dass Schönfeld ein dunkles Geheimnis aus ihrer Jugend hütet. Mit Zuckerbrot und Peitsche und einer Vielzahl rhetorischer Machtspiele versucht Wiegand – gespielt von Eva Weissenböck – der Wahrheit um die Vergangenheit Schritt für Schritt näher zu kommen.

Keine Einbahnstraße

Doch schnell wird klar, dass ein Interview keine Einbahnstraße ist, wenn man ein Geheimnis entlocken will. Vielmehr muss die Journalistin sich selbst in die Karten schauen lassen, um das Vertrauen der Unternehmerin, gespielt von Mona Creutzer, zu gewinnen. So bewegen sich die Frauen in einem Wechselspiel aus Macht, Stärke und Emotionen. Sie erzählen, verschweigen, vertuschen und müssen stets abwägen, was sie preisgeben können. In schnellen und direkten Dialogen ohne Kunstsprache spiele sich die spannende, fast schon kriminologische Geschichte in rund 100 Minuten auf der Bühne ab, erklären die Schauspielerinnen und der Autor.

Die Idee zu dem Stück sei aus einer aktuellen Thematik entstanden, erklärt Engler. Mit gemischten Gefühlen habe er die medialen Hetzjagden verfolgt, denen Politiker und Prominente zum Opfer gefallen sind, die einer Missetat oder eines Verbrechens verdächtigt oder überführt wurden. Daher gehe es auch zwischen den Charakteren auf der Bühne schnell nicht mehr nur darum, die Wahrheit zu Schönfelds Taten herauszufinden. Vielmehr stellen sich neue Fragen: Welche Verantwortung haben die Medien? Wie weit darf und muss man als Journalist gehen, um Dinge aufzuklären? Und welche Rolle spielt das Gewissen, wenn eine Existenz für eine Titelstory zerstört werden könnte?

Obgleich erstmals mit einem Stück am Theater K, ist Michael Engels keineswegs ungeübt im dramaturgischen Schreiben, hat er doch schon einige Komödien und Dramen in Düsseldorf und Stuttgart auf die Bühne gebracht. Doch „Was wahr war“ zu schreiben, sei eine besondere Herausforderung gewesen, erzählt der Autor. Das verwundert kaum, denn die Dialoge postulieren keine klaren und offensichtlichen Wahrheiten, sondern bewegen sich auf einer komplexen psychologischen Ebene, wie Engler andeutet.

Genau diese interessante Kombination aus Inhalt und dramaturgischer Interpretationsmöglichkeit scheint die Schauspielerinnen bewogen zu haben, das Stück als große Produktion im K auszuwählen. Umso glücklicher seien sie, dass „Was wahr war“ in Aachen sogar sein Debüt feiert, so Creutzer.

Was die Zuschauer genau erwartet, lässt sich am symbolträchtigen Ankündigungsplakat bereits erahnen: Durch ein Schlüsselloch sieht man schemenhaft eine Frau – weder ist sie gänzlich zu erkennen, noch kann man urteilen, ob es sich wohl um die Journalistin Wiegand oder die Unternehmerin Schönfeld handelt. Denn hier wie im Stück selbst versuchen beide in einem Wechselspiel aus Täuschung und Vertuschung so wenig wie möglich von sich preiszugeben.

Doch das gelingt ihnen nicht immer, so dass sich der Zuschauer aus einem Prisma an kleinen Hinweisen, Blicken und Gesten wie durch ein Schlüsselloch selbst ein Bild der unterschiedlichen Charaktere machen kann. Ob dieses Bild am Ende des Stückes die Wahrheit erhellt, bleibt bis zur Premiere abzuwarten.

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