Theater K wagt Aufstand im Tuchwerk

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Das Theater K probt den Aufstand im passenden Ambiente: Das Stück „Rebellion 1830“ um das Aufbegehren der Aachener Arbeiter in den Tuchfabriken, feiert am 19. September im gerade eröffneten Tuchwerk am Strüverweg 116 in der Soers, der ehemaligen Färberei der Tuchfabrik Becker, seine Premiere. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Am 30. August 1830 berichtete die „Stadt-Aachener Zeitung“ von dem Aufstand der Fabrikarbeiter in Verviers. Dass die Aachener Arbeiter der Tuchfabriken an eben diesem Tage ihrem Unmut Luft verschafften, wissen heute wohl nur noch die sehr an lokaler Geschichte Interessierten.

Unterhaltsame Abhilfe bei dieser Wissenslücke kann der Besuch des Stückes „Rebellion 1830“ des Theater K verschaffen – in passender Atmosphäre im gerade eröffneten Tuchwerk in der Soers. Statt Plüsch begegnet den Besuchern im Tuchwerk der morbide Charme einer untergegangenen Industrieepoche. Genau richtig, um hier von sozialen Unruhen, anarchischer Plünderungsfreude und unorganisiertem Aufstand zu erzählen: „In der Bastei hätten wir dieses Stück nicht gespielt“, machte Regisseurin Mona Creutzer deutlich.

Die Textilarbeiter, die sich 1830 an der Rebellion beteiligten, waren alles andere als organisiert. „Es hat sich wohl eher der ganze Unmut über die und die Angst vor der Rationalisierung durch die neuen Maschinen entladen“, erzählte Creutzer, die lange in historischen und wissenschaftlichen Quellen recherchiert hat, um die „inszenierte Lesung“ zusammenzustellen. Ziel des Aufstands waren schließlich nicht die Fabriken, in denen die Männer und Frauen ihre Arbeitsplätze hatten, sondern die Villa des Tuchfabrikanten James Cockerill. „Irgendwie haben sie auch Spaß gehabt, den Weinkeller geplündert, Klaviere aus dem Fenster geschmissen“, interpretierte Creutzer die Berichte.

Eine Bürgerwehr hat den Aufruhr schließlich beendet. Das Ergebnis: sieben Tote, unzählige Verletzte, 70 Verhaftete, die nach langer Zeit des Arrests drakonisch bestraft wurden. „An den sozialen Missständen hat sich erst 14 Jahre später mit den Weberaufständen wirklich etwas verändert“, ordnete Creutzer den Aufruhr historisch ein. Auf das Thema wurde sie übrigens durch Andreas Lorenz vom Verein „Tuchwerk Aachen“ gebracht.

Erzählt wird die „Rebellion 1830“ nicht in klassischer Dialog-Form. Die fünf Schauspieler Barbara Portsteffen, Anna Scholten, Christian Cadenbach, Jochen Deuticke und Stephan Wurfbaum sind Darsteller und Erzähler zugleich. „Sie wechseln von der Situation in die Reflexion.“ Darstellerisch unterstützt werden sie von fünf Statisten (Freya Isselstein, Birgit Jansen, Barbara Köhnen-Rehn, Ulrike Tröndle und Erich Lantin). Manfred Leuchter verstärkt mit einer Toncollage unter anderem mit Geräuschen von Textilmaschinen die imposante industrielle Atmosphäre.

Der Spielort in einer Halle des Tuchwerks am Strüverweg 116 – vorübergehend und ungewohnt groß für das Theater K – tut sein Übriges: Gekachelter Boden, abblätternder Putz an den Wänden, zugige, einfach verglaste Fabrikfenster. Eine Jacke kann da hilfreich sein. Aber die Zuschauer werden auch ein bisschen in Bewegung kommen. „Wir werden ihnen einen Eindruck von dem Rest der Fabrik verschaffen“, versprach Mona Creutzer.

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