Theater K: Tragödie von Gerhard Hauptmann im Soerser Tuchwerk

Von: Luisa Thomé
Letzte Aktualisierung:
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Verwirrspiel auf verschiedenen Ebenen: Das Theater K zeigt die „Ratten“ von Gerhart Hauptmann in der Sommerspielstätte im Tuchwerk am Strüverweg. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Frau Knobbe ist morphinsüchtig, dröhnt sich zu und vernachlässigt ihr kleines Kind. Pauline hat kein Kind mehr, weil sie ihr uneheliches Kind für 123 Mark an Frau John verkauft hat. Die war ganz heiß auf eins, weil sie ihr eigenes Baby verloren hat.

Und während die drei Frauen sich um ihre Babys streiten, kriechen Theaterdirektor Hassenreuter die Ratten in seine Kostüme, die er nach der Pleite seines Theaters noch so gerade auf dem Dachboden der Frau John retten konnte.

Ganz eigene Version

Uraufgeführt schon 1911, könnte man meinen, die Tragikomödie von Gerhart Hauptmann sei eine alte Leier.

Aber wer sich ab Samstag die neue Interpretation des Theater K und des Ensembles L3 aus Köln ansieht, der kann sich vom Gegenteil überzeugen. Im Tuchwerk, der Sommerspielstätte des Theater K, basteln die fünf Schauspieler an einer ganz eigenen Version: Naturalismus kämpft auf der Bühne gegen Expressionismus.

Dabei spielen sie gar nicht auf einer Bühne. Eigentlich verlaufen die verschiedenen Geschichten völlig parallel: Die Müttertragödie, Hassenreuter, der sein Theater verliert und nun Schauspielunterricht auf dem Dachboden gibt und Bruno, der überhaupt nichts gibt, weil er viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Bis zu dem Punkt, an dem alles aufeinanderprallt.

Die Randgestalten der Gesellschaft begegnen sich auf der Bühne nur passiv, für den Zuschauer prallen die Welten aber aktiv aufeinander. „Wir haben den Text aus dem Original auf die Szenen reduziert, bei denen es eben knallt“, erklärt Annette Schmidt vom Theater K., die im Stück den Theaterdirektor Hassenreuter spielt. Männlich und mit Bart versteht sich.

Sie/er sitzt also auf dem Dachboden und kämpft für die Kunst des Theaters, während unten in Frau Johns Wohnung ständig um irgendein Kind gekämpft wird. Und Bruno, der kämpft nicht selbst. Vielmehr wird er für den Kampf um das Kind von seiner Schwester, Frau John, missbraucht. Nein falsch, eigentlich ist es ja das Kind von Pauline. Verschiedene Etagen, verschiedene Schicksale. Und diese werden völlig isoliert ausgelebt.

„Das Stück passt super hierher“, sagt Schmidt und spricht vom Hauptstadtflair, den das Tuchwerk dem Stück verleiht. Schließlich spielt die Tragikomödie in Berlin. Und das hieß für die Schauspieler: Sprache anpassen. „Ham schon viel drüber jelacht, wa?“, erzählt Lukas Schmitt über seine ersten Worte „Berlinerisch“. Als Teil des Ensembles L3 spielt er den Bruno und erklärt, warum das Stück seinen Namen trägt: „Aus eigener Not wird der Mensch zur Ratte. Das war vor 100 Jahren so und das ist auch leider heute noch der Fall.“ Und während sich Jochen Deuticke, im Stück die Frau Knobbe, den Lippenstift abwischt, muss Schmitt lachen, weil er bemerkt, dass er schon wieder dem Berliner Dialekt verfallen ist. Wer sagt da also,

Das Stück wird ausschließlich im August in der Sommerspielstätte des Theater K, im Tuchwerk Aachen, Strüverweg 116, in der Soers aufgeführt. Die Premiere ist am Samstag, 8. August; weitere Aufführungen: 16./19./21./23./28./29./30. August, Beginn: 20 Uhr (sonntags 18 Uhr); Dauer: 70 Minuten, ohne Pause.

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