Theater K: Eine Familie hat das schlechte Gewissen im Genick

Von: acb
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Wohin die Familie sich auch verkriecht – das Schmürz ist schon da: Das Theater K feiert am kommenden Freitag mit seinem neuen Stück Premiere. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Familie Dupont ist auf der Flucht. Aus Angst vor einem undefinierbaren „schauerlichen Geräusch“, das jeder wahrnimmt und doch niemand beim Namen nennt. Die Familie versteckt sich in ihrem Haus und hetzt jedes Mal ein Stockwerk höher – doch jeder Umzug bedeutet nicht nur Verlust an Raum und Komfort, auch die Verdrängung wird immer größer und nach und nach kommen auch die Menschen auf mysteriöse Art abhanden.

Und dann wäre da noch das Schmürz, dass der Kleinfamilie als Assoziationsfläche für Ängste und verdrängte Aggressionen dient, und welches egal wohin sich die Familie verkriecht und sich in Sicherheit wägt, immer anwesend ist, wie ein schlechtes Gewissen.

Mit dieser „skurril-absurden sommerlichen Unterhaltung“ geht das Theater K in die Sommerspielzeit, die sie „amüsant und gleichzeitig inhaltsreich gestalten will“, so Mona Creutzer, die mit ihren Kollegen Annette Schmidt und Jochen Deuticke seit Jahren das freie Theater lenkt und diesmal als Mutter Dupont mit auf der Bühne steht, wenn das Stück am Freitag, 17. Juni, 20 Uhr, Premiere feiert.

Das Stück „Die Reichsgründer oder das Schmürz“ von Boris Vian, Enfant terrible der Pariser Existenzialistenszene, entstand Ende der 50er Jahre, als die Französische Gesellschaft ihre guten Vorsätze nach dem Zweiten Weltkrieg schon wieder vergessen hatte.

„Leider ist die Thematik beunruhigend aktuell, denn auch wir erleben diese Gesellschaft der Amnesie“, findet Alma Formanns, die das Stück inszeniert und bereits 1997 mit „Von blutroten Sonnen die am Himmelszelt sinken“ am Theater K zu sehen war. „Die Reichsgründer oder das Schmürz, behandelt eben genau dieses Vergessen auf eine tragisch-komische Weise. So wie eine zerschmetterte Boulevardkomödie, in die gerade eine Abrissbirne gekracht ist.“

Für Creutzer ist es nicht das erste Mal, dass sie den Text des Theaterstücks in den Händen hält: „Damals, als das Theater K noch in der Rudolfstraße arbeitete, hatten wir das Stück bereits auf dem Spielplan. Leider musste es auf Grund einer Schwangerschaft der damaligen Inszenatorin eingestellt werden. Ich finde es klasse, dass es doch noch dazu kommt, dass wir es spielen, denn es ist tolles Stück, dass allerlei Themen abdeckt und bei dem man schnell merkt, dass unter der Oberfläche etwas stattfindet.“

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