Aachen - Theater Initiative: „Dieser Schuss geht heftig nach hinten los”

Theater Initiative: „Dieser Schuss geht heftig nach hinten los”

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
theabildeins
Reichlich Rücken- statt Gegenwind nicht nur für die nächsten Wochen vorhergesagt: Die Theater Initiative Aachen macht mobil für den Erhalt des KunsthortsÊ- und gegen jüngste Foto: Michael Jaspers

Aachen. Jetzt reicht´s. Weil es längst vorn und hinten nicht mehr reicht. Sagen die Vertreter der Theater Initiative Aachen. Klingt paradox. Genauso paradox wie die aktuelle Internet-Anfrage an die Adresse der Bürger, findet Dr. Ingrid Böttcher.

„Auch wenn die Schließung einer Sparte vorerst kein Thema sein soll - das Theater Aachen ist akut gefährdet, wenn weitere Einsparungen im Kulturetat zur Debatte gestellt werden”, zürnt Böttcher. Inzwischen hat die Initiative rund 1700 Protest-Unterschriften gesammelt. Mindestens ebenso viele sollen hinzukommen, bis die Politik ab Ende März den städtischen Haushalt 2011 unter Dach und Fach bringt. Tenor: Das Budget der größten Bühne der Region darf nicht angetastet werden.

Ausgezeichnete Qualität

Spätestens am Freitag ist die Vorsitzende des Fördervereins mit ihrem neuen Stellvertreter Dr. Wolfram Hüttemann und Schatzmeister Professor Dr. Reinhart Poprave viel weiter in die Offensive gegangen.

Wortgewaltig, mit guten Argumenten - und einer einfachen Botschaft, die in Gestalt eines Transparents im Foyer des Kunsthorts entrollt wurde: „Existenz und Angebot des Theaters sollen gesichert bleiben.” Um das zu erreichen, will die Initiative ein breites Bündnis der kulturellen Einrichtungen schmieden.

Kein Diskussionsbedarf bei der Qualität

Wenig Diskussionsbedarf sehen die Theaterfreunde da allenfalls mit Blick auf die hohe Qualität des Hauses. Und die sei - Stichwort „exzellente” Standortförderung - für eine Hochschulstadt mit enormen wirtschaftlichen Perspektiven bitter nötig.

„2010 ist das Ensemble nicht von ungefähr vom Deutschen Bühnenverein ausgezeichnet worden”, unterstreicht Poprave. Seit seinem Amtsantritt habe der Intendant die Besucherzahlen von 100000 auf rund 140000 steigern können. Die „hervorragende künstlerische Qualität des Hauses” sei aber nur mit hoch motiviertem und fähigem Personal zu halten. „Statt dessen werden talentierte Kräfte abgeschreckt durch eine unsinnige Spardebatte - und hier spätestens wird´s wirklich paradox”, wettert Hüttemann.

Denn nach wie vor fließe der Löwenanteil der jährlichen Zuschüsse von rund 17 Millionen Euro in - teils „irrsinige” - Fixkosten. So verschlinge allein die Logistik „groteske” Millionenbeträge - das Hauptdepot befindet sich in Eupen. „Folglich wären weitere Einsparungen nur beim jungen künstlerischen Personal möglich, weil die Verträge dort häufig befristet sind.”

Böttcher: „Durch ihren leichtfertigen Umgang mit Kürzungs- und Schließungsvorschlägen konterkariert die Politik damit ihre eigenen Appelle für mehr Bildung und vernünftige kulturelle Angebote an junge Menschen.”

Dabei fordere die Stadt vom Intendanten explizit ein, „dass er brennen muss für die Jugendkultur”, so Hüttemann. Jetzt - wie jüngst die Junge Union - ausgerechnet das Mörgens als erfolgreiche Plattform für junge Künstler und deren Publikum zur Disposition zu stellen, sei schlicht verantwortungslos: „Dieser Schuss könnte heftig nach hinten losgehen”. Was im Übrigen auch für die geplante Erhöhung der Eintrittspreise gelte.

Vorläufiges Fazit: „Gerade das Theater ist auf langfristige Planungssicherheit angewiesen”, betont Hüttemann. „Derzeit rangiert es im Vergleich von 23 vergleichbaren Häusern bundesweit in punkto Zuschussvolumen übrigens auf Platz 20. Im Grunde müssten wir dafür sorgen, dass es sogar noch mehr Geld bekommt.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert